Passend zum Start in die Karnevalswoche streift sich ganz Frankfurt sein Europagewand über. Jetzt geht es um Nachhaltigkeit.

Eintracht als Einheit: Die Adler zeigen sich vor und nach dem Spiel solidarisch.
Eintracht als Einheit: Die Adler zeigen sich vor und nach dem Spiel solidarisch.

Es hatte etwas von kurzfristiger Kapitulation, als der zur Pause eingewechselte Karim Adeyemi in der 54. Minute im Strafraum in die Knie ging und für seinen Täuschungsversuch - so legte es der Schiedsrichter aus - die Gelbe Karte sah. Als Filip Kostic zwei Minuten darauf abgebrüht auf 4:0 erhöhte, drohte der hessische Hexenkessel endgültig zu überbrodeln, während aus Salzburger Sicht der Ofen aus schien.

Zwar bekamen die Gäste kurz vor Schluss doch noch ihren Strafstoß zugesprochen, weshalb das von Adi Hütter im Vorfeld formulierte Teilziel, ohne Gegentor zu bleiben, ein Wunsch blieb. Andererseits hatte der Cheftrainer in diesem Zusammenhang auch angemerkt, sich mit zusätzlichen ein bis zwei eigenen Toren eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel in der Mozartstadt schaffen zu wollen.

Asienspiele im Europapokal

Am Ende schnürte allein Daichi Kamada einen Dreierpack. Der in der Hinrunde überzeugende und nach dem Jahreswechsel schwer in Tritt gekommene Japaner steht nach seiner Galavorstellung mit sechs Treffern in der UEFA Europa League gar an der Spitze der Torschützenliste. Und das als diesmal für den 2020 nicht weniger treffsicheren Timothy Chandler auf der rechten Angriffsseite aufgebotene Option. Ohnehin tummelten sich in vorderster Front mit dem Spielmacher Kamada, dem spielenden Mittelstürmer André Silva und dem außenstürmenden Filip Kostic drei durchaus verschiedene Spielertypen, die in dieser Konstellation bestens harmonierten. Ergänzungs-Spieler einmal anders interpretiert.

Ohnehin griffe es zu kurz, den Festakt an Einzelpersonen festzumachen. „Wir haben heute gezeigt, was wir als Mannschaft leisten können“, zeigte mit Makoto Hasebe der zweite in der Startelf Neue aus Nippon auf. Und als hatte der Routinier seine Worten Taten vorausschicken wollen, war er kurz vor dem Seitenwechsel Teil der schönsten Mannschaftsleistung der Partie, als sich die halbe Truppe von Trapp über Ilsanker, Hasebe, Sow bis zum 2:0-Schützen Kamada durchs Zentrum kombinierte. Nicht nur diese Gemeinschaftsleistung erinnerte an die mehr denn je allgegenwärtigen Festakte gegen S.S. Lazio (4:1), Olympique Marseille (4:0) oder Shakhtar Donetsk (4:1) in der vergangenen Saison.

Solidarität auf und neben dem Platz

Einträchtig, ja solidarisch, präsentierten sich die Adlerträger auch vor und nach dem Fußball-Spiel, das im Zusammenhang mit dem Anschlag in Hanau wie eine Nebensächlichkeit erscheint. Entsprechend trugen die Akteure beider Seiten Trauerflor, vor dem Anpfiff gedachten Sportler und Besucher den Opfern.

Nach dem Abpfiff wiederum hüllten sich die Adlerträger in den Balkenschals, um sich symbolisch an die Seite der Fans zu stellen, die nach der von der UEFA untersagten Choreografie die Commerzbank-Arena in ein schwarz-weißes Schalmeer verwandelten. „Heute sind die Euphorie, die Stimmung und das Herz der Fans auf uns Spieler übergeschwappt und haben sich auf dem Platz widergespielt“, schwärmte Stefan Ilsanker hinterher. Der Winterzugang war es auch, der trotz – oder gerade? – nach der Darbietung, dank der Coach Hütter „warm ums Herz“ wurde, kühlen Kopf bewahrte. „Wenn wir immer so spielen würden, stünden wir in der Liga anders da“, sprach der Wahlinnenverteidiger vielleicht auch unbewusst eine indirekte Warnung aus. Denn dass sich die nationalen Festtage noch in Grenzen halten, hängt vor allem mit der bislang zu großen Heim-Auswärts-Diskrepanz zusammen: 21 von 28 Zählern sammelte die SGE vor heimischer Kulisse. „Wir müssen das Rückspiel erst noch spielen und die Leistung von heute wiederholen“, ist sich auch Hütter bewusst. Andererseits ist die Eintracht  in der internationalen Fremde im Soll, verlor in dieser Spielzeit einzig in Straßburg 0:1 und Lüttich in letzter Sekunde 1:2.

Doch derlei Szenarien kommen Kevin Trapp zu früh: „Bevor wir uns auf das Rückspiel konzentrieren, geht es am Montag gegen Union Berlin“, fordert der Schlussmann den vollen Ligafokus. Matchwinner Kamada muss er in dieser Hinsicht nicht überzeugen. „Jetzt will ich aber endlich auch mal in der Bundesliga ein Tor schießen“, lacht der 23-Jährige, der ganz einem alten Legendenlied gemäß mit dem Fuß, dem rechten wie dem linken, und auch dem Kopf zur Stelle war. Das mit dem Zopf, neuerdings wieder bei Goncalo Paciencia in Mode gekommen, wird in der Kürze der Zeit sicher schwer, würde im karnevalistischen Ausnahmezustand aber genauso wenig überraschen wie die Heiligsprechung des Europapokals. Die im Buddhismus für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung stehende Lotusblume am Rosenmontag – hätte auch etwas. Und wäre mehr Verwandlung als Verkleidung.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel – präsentiert von Krombacher

Krombacher präsentiert die Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel.
Krombacher präsentiert die Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel.

Die letzten Informationen vor dem Bundesligaspiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz mit Cheftrainer Adi Hütter. Live zu sehen auf EintrachtTV und Facebookpräsentiert von Krombacher.

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