Die Chancen, in Europa zu überwintern, sind überschaubar und in der Liga steht Apollon Limassol vor einem wegweisenden Derbygipfel. Eine Zerreißprobe zur Unzeit.

Situation

Nach einem Punkt aus den ersten drei Gruppenspielen steht Apollon Limassol vor heimischer Kulisse  unter Siegzwang. Vor allem falls Lazio Rom parallel gegen Olympique Marseille gewinnen sollte, würde selbst ein Remis das sichere Ausscheiden bedeuten. Nebenbei haben die Zyprioten mit dem 14. nicht gewonnen Spiel hintereinander in Frankfurt nicht nur einen neuen Negativrekord in der UEFA Europa League aufgestellt, sondern sich nach der 0:2-Pleite auch in der heimischen Liga in eine ungewollte Drucksituation manövriert, weil Spitzenreiter AEL Limassol bei einem Spiel mehr um aktuell sechs Punkte enteilt ist. Ausgerechnet am Sonntag kommt es zum direkten Aufeinandertreffen mit dem Stadtnachbarn von der Tabellenspitze. Eine Zerreißprobe der Prioritäten.

Formkurve

Nach besagtem Europapokalausflug nämlich kam es plötzlich zum Ergebnisbruch. Waren die routinierten Apollon-Profis zuvor mit fünf Siegen in die Saison gestartet, sprang in den vergangenen beiden Partien nur ein Punkt heraus. Dem 1:1 bei Doxa Katokopias folgte mit dem 1:2 zu Hause gegen Anorthosis Famagusta die erste Niederlage. Nichtsdestotrotz stellt der Tabellendritte weiter mit 20 Toren das offensivstärkste Team der First Division. Auch vier Gegentreffer in sieben Begegnungen können sich sehen lassen.

Trainer

Verantwortlich für das wohl ausbalancierte Auftreten der spielstarken Truppe ist mit Sofronis Avgousti nicht mal ein gelernter Feldspieler. Der heutige Cheftrainer und einstige Limassoler Nachwuchsakteur stand neun Jahre lang für seinen Heimatverein zwischen den Pfosten, zwischen 1998 und 2002 sogar auf internationaler Ebene. 2006 suchte der Elfmeterkiller neue Herausforderungen, kehrte aber 2010 zurück und hängte nach insgesamt 131 Einsätzen für den Klub 2013 die Torwarthandschuhe an den Nagel.

Fortan fungierte er unter vier verschiedenen Cheftrainern als Assistent sowie Bindeglied zwischen den ausländischen Übungsleitern und der Mannschaft. Seit dem 16. Dezember 2016 zeichnet Avgousti hauptverantwortlich für die Geschicke der ersten Mannschaft, die er 2017 zum Pokalsieg wie zum Gewinn des Supercups führte.

Taktiktafel

Grundsätzlich pflegen die technisch versierten Hausherren einen offensiven Spielansatz. Wie allerdings nicht zuletzt im Vergleich mit der Eintracht deutlich wurde, sind die Zyprioten einen dermaßen energischen Dauerdruck aus dem Ligabetrieb nicht gewohnt, was zu ungewohnt überhasteten Abspielfehlern in der letzten Linie sorgte, die Angriffsreihe weitgehend in der Luft hing und gar nicht erst zur Geltung kam.

Spieler im Fokus: Bruno Vale

Zu beobachten war das unter anderem an Schlussmann Bruno Vale, nicht nur wegen dessen Fehlers beim 1:0 im Hinspiel. Auf der anderen Seite überzeugte der Portugiese insbesondere nach dem Seitenwechsel mit einigen Paraden in seinem Kerngebiet, dem Vereiteln von Gegentreffern. Um ein Haar hätte der heute 35-Jährige bereits 2006 Bekanntschaft mit Deutschland gemacht, als ihn der damalige Nationaltrainer Portugals Luiz Felipe Scolari als dritten Torhüter für die Fifa Weltmeisterschaft nominierte, sich der 1,93-Meter-Hüne aber kurz vor dem Turnier in einem Testspiel für die U21 verletzte.

Dafür schaffte es der frühere Juniorennationalkeeper 2004 mit minimalem Aufwand zum portugiesischen Meister mit dem FC Porto, indem er am letzten Spieltag von Jose Mourinho für 33 Minuten eingewechselt wurde. Der nachhaltige Durchbruch blieb ihm bei seinem Jugendklub jedoch verwehrt, sodass er nach einer regelrechten Leih-Odyssee 2012 in Limassol aufschlug und mit mittlerweile 17 UEFA Europa League-Einsätzen der Rekordspieler des Vereins ist.

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