Hinter Hoffenheim liegt eine bewegte Saison und schwierige Transferphase. Mit dem Trainerwechsel beginnt ein neues Kapitel.

Ausgangssituation

Die Frankfurter Freude für den für die Qualifikation zur UEFA Europa League berechtigenden siebten Platz am letzten Spieltag 2018/19 fiel zugleich zum Leid der TSG Hoffenheim aus, die in Mainz einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gab, letztlich in Unterzahl 2:4 verlor und die Runde auf Rang neun beschloss. Eine Platzierung, die angesichts der mit 70 Toren drittgefährlichsten Offensive ungewöhnlich erscheint. Der Schuh drückte angesichts 52 Gegentreffern folglich vor allem im Verteidigungsverhalten. Zu Phasen sich häufenden Verletzungspechs, insbesondere in der Hintermannschaft, kam am Ende ein mit 27 Aluminiumtreffern wenig beneidenswerter Saisonrekord.

Die insgesamt spektakuläre, aber letztlich sportlich ertragslose Spielzeit stand auch im Zeichen des feststehenden Abgangs von Julian Nagelsmann nach Leipzig. Zumal in der Sommerpause mit Nadiem Amiri, Kerem Demirbay (beide Bayer 04 Leverkusen), Joelinton (Newcastle United) und Nico Schulz (Borussia Dortmund) vier Leistungsträger den Klub verlassen haben. Dem Aderlass steht mit Ihlas Bebou (Hannover 96), Sargis Adamyan (Jahn Regensburg), Robert Skov (FC Kopenhagen), Konstantino Stafylidis (FC Augsburg) und jüngst Diadie Samassékou (Salzburg) ein vergleichsweise unbekanntes, aber entwicklungsfähiges Quintett gegenüber. Zudem bringen Rückkehrer Sebastian Rudy (FC Schalke 04) und Philipp Pentke (Jahn Regensburg) ein hohes Maß an Routine mit. Gerade Rudy soll wie Eigengewächs Dennis Geiger im Mittelfeld für Ordnung und Schwung sorgen, während sich die Auswahl im Angriff insgesamt sogar vergrößert hat, wenngleich Ishak Belfodil und Andrej Kramaric zuletzt angeschlagen waren. In jedem Fall gesetzt scheinen die Innenverteidiger Kevin Vogt und Benjamin Hübner, ihres Zeichens Kapitän und Stellvertreter.

Formkurve

In den vergangenen Wochen förderten im Vergleich zum Vorjahr nicht allzu viele neue Erkenntnisse zutage. Der neue Trainer Alfred Schreuder variierte in den Generalproben gegen den FC Sevilla (1:2, 0:4) zwischen dem bewährten 3-5-2/3-4-3 und seinem optionalen 4-3-3-System. Auch wurde deutlich, dass sich am mutigen Kombinationsfußball wenig ändern soll. In der ersten DFB-Pokalrunde bei den Würzburger Kickers stellten die Kraichgauer in der ersten Halbzeit mit 489 gespielten Pässen gar einen neuen Rekord auf. Seit der Datenerhebung Topwert in einem ersten Durchgang des DFB-Pokals. Doch wie gegen die Spanier hielten sich Spielfreude und Effizienz nicht die Waage, sodass der Einzug in die zweite Runde trotz zweimaliger Führung (2:0, 3:2) erst im Elfmeterschießen glückte.

Trainer

Der Zufall wollte es, dass unmittelbar vor der Eintracht die TSG Hoffenheim ebenfalls ihr Trainingslager in Windischgarsten abgehalten hatte. Die Konstellation kam Alfred Schreuder gelegen, seinem neuen Trainerkollegen Adi Hütter eine Grußbotschaft im Hotelzimmer zu überlassen. Die genaue Nachricht ist zwar nicht überliefert, dafür artikuliert der Niederländer seine sportlichen Ansichten umso deutlicher. So gibt er zwar den taktischen Rahmen vor, verlangt von seinen Spielern aber gerade im letzten Spielfelddrittel Eigenverantwortung und setzt auf intuitive Handlungen. Der Niederländer kennt die Gegebenheiten in Hoffenheim bereits aus seiner Zeit als Co-Trainer (2015 bis 2017), zunächst unter Huub Stevens, dann Julian Nagelsmann, dessen Nachfolge er nun antritt. Als Assistenzcoach bei Ajax Amsterdam (2018 bis 2019) zog der 46-Jährige ins Halbfinale der Champions League ein. Auch die Chefrolle ist dem zehnten Coach im zwölften Bundesligajahr der TSG bereits aus seiner Zeit bei Twente Enschede, wo er bis von 2013 bis 2015 trainierte, auch wenn wegen damals fehlender Lizenz nur die Saison 2014/15 aufgelistet ist.

Taktiktafel

Wartet Schreuder nicht mit einer faustdicken Überraschung auf, wird er sich am Stil weitgehend an seinem früheren Chef orientieren. Wenngleich nicht mehr mit dem bedingungslosen Draufgängertum, sondern situativ einer etwas mehr abwartenden Haltung. Grundsätzlich hat sich auch in der Vorbereitung das gängige 3-5-2 herauskristallisiert, womit sich die Baden-Württemberger gegen den Ball die größtmögliche Kompaktheit versprechen. Bei eigenem Ballbesitz kommt zumeist einer der Stürmer dem Zuspiel aus dem Mittelfeld entgegen, um den Ball zurückklatschen zu lassen und in weiterer Folge die Abwehrreihe zu überspielen, wobei Passsicherheit meist vor Direktheit geht. Die hohe Erfolgsquote beim Verhalten im letzten Drittel hat automatisch eine hohe Abschlussfrequenz zur Folge. Dabei mutieren die Außenverteidiger zu Außenstürmern, die nicht zwangsläufig an der Außenlinie kleben, sondern auch Diagonalläufe in den Strafraum auf sich nehmen. Generell ist das vertikale TSG-Schema sowohl bei Ballgewinn als auch Ballverlust von großer Handlungsschnelligkeit geprägt, was vor allem für die weiträumig agierenden Achter gilt, die in beide Richtungen eine verbindende Funktion haben. Damit bei den häufigen Richtungswechseln die Mannschaftsteile nicht auseinanderdriften, ist eine hohe Laufbereitschaft unabdingbar.

Spieler im Fokus: Sebastian Rudy

Sebastian Rudy darf sich große Chancen im vakanten Zentrum ausrechnen. Beim Zittersieg in Würzburg spielte der 29-Jährige 120 Minuten im defensiven Mittelfeld, gab die Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:0. Der Leihspieler von Schalke 04 möchte an der Wirkungsstätte, an welcher er in sieben Jahren zum Nationalspieler reifte, wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Auch eine Rückkehr ins DFB-Team, für das er bis zur Weltmeisterschaft 2018 27 Einsätze verzeichnete, möchte der Heimkehrer nicht ausschließen.

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