Vor dem Halbfinale gastierte der einzige offizielle Chelsea-Fanklub Deutschland, dessen Vorsitzender Ramon Poike pikanterweise glühender Eintracht-Fan ist, im Stadtwald.

Ramon Poike fiebert dem Duell der Adlerträger mit den Blues besonders entgegen. Der 42-Jährige hat eine äußerst spezielle Beziehung zu dem bevorstehenden Aufeinandertreffen, denn er ist nicht nur ein waschechter Eintracht-Fan, sondern gleichzeitig auch Gründer und Vorsitzender des einzigen offiziellen Chelsea FC Fanklubs in Deutschland, den German Blues. Zum Besuch im Frankfurter Stadion mit drei Vereinskollegen hat er einen Koffer voller Chelsea-Utensilien mitgebracht. Darunter die Fußballschuhe von John Terry, die ihm der damalige Chelsea-Kapitän 2010 nach dem Testspiel in Frankfurt geschenkt hat.

Begonnen hat alles mit einem privaten Grillfest anlässlich des FA-Cup-Finales 2009 im Garten von Poike in Altenstadt (Wetterau). „Für einen offiziellen Fanklub brauchten wir 30 Leute. Also habe ich zahlreiche Kumpels eingeladen und Mitgliedsanträge verteilt“, erzählt Poike, der mit Michael Chelius, Tim Kerscher und Philipp Specht zum Interview gekommen war. Mittlerweile zählen die German Blues rund 180 Mitglieder, wodurch sie sich als fester Bestandteil der Chelsea-Familie etablieren konnten und sogar einmal die Auszeichnung für den „Supporters Club Player of the Year“ an Willian an der Stamford Bridge vornehmen durften. Wie es sich für einen treuen Fanklub gehört, fliegen die in ganz Deutschland verteilten Chelsea-Anhänger regelmäßig auf die Insel, um den Londoner Stadtklub bei seinen Heimspielen zu begleiten. Auch Reisen per Bus von London aus zu Auswärtsspielen seien grundsätzlich preislich gesehen attraktiv, seien aber nicht ohne kleine „Nachteile“. Chelius erzählt: „Im Bus herrscht Alkoholverbot, und eine Viertelstunde nach Abpfiff ist Abfahrt.“ Die Fankultur sei in England dann doch etwas anders als in Deutschland. Der Fußball auch – und gerade das habe Poike damals im Mutterland des Fußballs begeistert. „Es ging immer hin und her, es hat Spaß gemacht. Da bin ich bei Chelsea hängengeblieben.“

Klar positioniert

Als ehemaliger Dauerkartenbesitzer bei der Eintracht findet sich insbesondere Ramon Poike nun in einer äußerst zwiespältigen Situation wieder. Er hat sich jedoch schon im Vorfeld des Duells seiner beiden Herzensklubs klar positioniert. Er wird definitiv „den Adler auf der Brust tragen“ und die Eintracht unterstützen. Ganz anders sieht dies bei den eingefleischten Blues-Anhängern des Fanklubs aus. So ist Vorstandsmitglied Michael Chelius (49) als Pfälzer zwar ein großer Befürworter der Frankfurter Eintracht und ihrer emotionalen Reise durch Europa, doch lässt er seine Sympathien für die SGE während des Duells mit seinen Blues erst einmal ruhen. Er hat kürzlich sein 200. Spiel an der Stamford Bridge gesehen, hat Bücher über seine Erlebnisse dort geschrieben und trägt ein selbst entworfenes T-Shirt mit „seinen“ Partien in London. Tim Kerscher hat die German Blues sogar mal beim Bezahlsender Sky vertreten, als diese bei einer Übertragung mit Chelsea-Beteiligung einen Experten aus der Fanszene suchten. „Ein einmaliges Erlebnis, auch wenn ich etwas nervös war, vor der Kamera Rede und Antwort stehen zu müssen“, fasst er den Abend im Münchner Studio zusammen, bei dem unter anderem Erik Meijer, Tim Borowski und Christoph Metzelder als Experten dabei waren. Er habe die Blues aber „sehr, sehr gut“ vertreten, versichert Poike.

Nun wartet in der UEFA Europa League ein Highlight auf die German Blues. Die Mitglieder des Fanklubs, der in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum feiert, fiebern dem besonderen Duell im Frankfurter Stadtwald mit leuchtenden Augen entgegen. Dass es sich dabei für sie – zumindest aus geografischer Sicht – eigentlich um ein Heimspiel handelt, macht die Angelegenheit noch spezieller, als sie es ohnehin schon ist. Einige konnten sich Karten für das Hinspiel sichern – unter ihnen natürlich auch Ramon Poike. Er wird mit seinen Kollegen auch auf der Waldtribüne zu Gast sein. Auf eine Reise nach London wird der Vorsitzende diesmal hingegen bewusst verzichten. Zu groß ist ihm dabei die Gefahr möglicher Probleme, denn seine Emotionen pro Eintracht würde er bei einem Finaleinzug der Adlerträger sicherlich „nicht im Griff haben können“. Daher bleibt ihm lediglich das Mitfiebern vor dem Fernseher. Möglicherweise im Rahmen einer weiteren Grillparty zuhause.

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