Gemeinsam verbrachten sie 144 Spiele bei der Eintracht. Am Dienstag und Mittwoch gaben nacheinander Alex Meier und Friedhelm Funkel das Ende ihrer Tätigkeiten bekannt.

In drei Tagen hätte das 22. Aufeinandertreffen zwischen Friedhelm Funkel und Eintracht Frankfurt stattgefunden. Doch am Mittwoch trennte sich die immer glücklosere Fortuna von Düsseldorfs Trainer des Jahres, der grundsätzlich angekündigt hatte, dass dies seine letzte Station sein würde und jenen Entschluss wenige Stunden nach seiner Freistellung nochmals bekräftigte.

Ein Wiedersehen erscheint für den Dino des deutschen Profifußballs sicher auf andere Weise möglich. Denn schon die seinerzeitige Amtsperiode zwischen 2004 und 2009 war weder an die Bundesliga noch an die heimische Rhein-Ruhr-Region geknüpft. Die Mainmetropole lag nur eine Zugstunde, das deutsche Fußballoberhaus eben einen Aufstieg entfernt. Es folgte in finanziell klammen Zeiten der viermalige Klassenerhalt sowie der Einzug ins DFB-Pokal-Finale 2006.

Ankunft des Fußballgottchen

Keine zwei Jahre bevor in Berlin erst der FC Bayern mit 1:0 Oberhand behalten hat, war ein 21-jähriger Hamburger Leihspieler im Stadtwald aufgeschlagen, der später mit der Rückennummer 14 fast anderthalb Dekaden prägen sollte: erst als Spielmacher, später als Mittelstürmer. Als Torschützenkönig 2012 in der Zweiten Liga und 2015 in der Bundesliga, nebenbei bis heute der letzte Deutsche, der die Torjägerkanone erhielt. Als Publikumsliebling und Fußballgott, doch selten als Lautsprecher und für die Meisten unverständlich nie als A-Nationalspieler. Dafür als Namensgeber des Alexander-Meier-Platzes in Berlin...

Der eine, Meier, hat seine Wurzeln im hohen Norden, der andere, Funkel, im tiefen Westen der Republik. Doch die längste, in jedem Fall sportliche, Heimat fanden Friedhelm Funkel und Alex Meier im Herzen von Europa. In Frankfurt. Im Stadtwald. Der 1,96-Meter-Schlaks erhielt von Funkel 144 Mal das Vertrauen, nur sechs Akteure kamen unter der Ägide Funkels öfter zum Einsatz.

Kletterkönig mit Durchhaltevermögen

Und das waren mehr als genug, mehr als jeder andere Übungsleiter in der Geschichte des deutschen Fußballs nachweisen können: 905 als Trainer, dazu 560 als Spieler in sämtlichen Wettbewerben. Mit Bayer 05 Uerdingen errang Friedhelm an der Seite von Bruder Wolfgang Funkel sogar den DFB-Pokal.

Es blieb die Ausnahme im oberen Regal, ansonsten verstand sich der bodenständige Neusser entweder als Entwicklungshelfer oder Retter oder – wie während seiner letzten Anstellung – als eine Mischung aus beidem. 2016 rettete Funkel Düsseldorf vor dem Abstieg in die Dritte Liga, führte die Fortuna zwei Jahre später zur Zweitligameisterschaft und hielt daraufhin als bemerkenswerter Tabellenzehnter die Klasse.

Ungetrübter Realitätssinn

Funkel behielt sich seinen seit über vier Jahrzehnten ungetrübten Realitätssinn für die Mechanismen und Unwägbarkeiten des Sports und sah sich letztlich unfreiwillig in seiner Prophezeiung bestätigt: Leistungsträger gingen, Verletzte kamen, Ansprüche stiegen, die Geduldsschnur franzte. Der berüchtigte Fluch der guten Tat, die der Routinier regelmäßig im Rahmen seiner Möglichkeiten vollbrachte, nicht zuletzt durch sechs Bundesligaaufstiege, so vielen wie kein anderer Trainer. Dazu gesellen sich nebenbei zwei als Fußballer mit Uerdingen 1974 und 1979.

Auch Zögling Meier wusste es sich anzueignen, seine Fähigkeiten im Rahmen der jeweiligen Umstände einzusetzen. Sei es positionsspezifisch als Zehner, Achter, hängende Spitze oder Mittelstürmer oder im Hinblick auf seine Spezialdisziplin dem gepflegten Innenristschuss. „Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft wie er will, sogar mit dem Zopf“, schallte es seinerzeit von den Rängen.

Die Unterschrift, die zählt

Der Beliebtheit des Umfelds können sich Meier wie Funkel bis heute ohnehin sicher sein. Der vorzeitige Abgang des Coaches stieß bei vielen Fans ebenso auf Unverständnis wie der unfreiwillig nicht verlängerte Vertrag des Torjägers 2018, dem zu Ehren sogar eine Petition die Runde machte. Die entscheidende Unterschrift setzte der Fußballgott aber selbst, nämlich unter einen Anschlussvertrag bei Eintracht Frankfurt nach seiner aktiven Karriere. Der Zeitpunkt ist nach Abstechern zum FC St. Pauli in seiner Hamburger Geburtsstadt und vier Monaten bei Western Sydney in Australien gekommen.

In welcher Funktion und zu welchem Zeitpunkt, wird die Zukunft weisen. In jedem Fall bedeutet das Beenden der einen Laufbahn der Aufbruch zu neuen beruflichen Ufern, am Rhein wie am Main. Für den 37-jährigen Meier wie auch Funkel, seines Zeichens im Grenadierzug Bommelante des Neusser Schützenfestes aktiv und seit Dezember 66 Lenzen zählend. Von derlei Vorzügen wusste schon Udo Jürgens ein Lied zu singen.


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