Für Mijat Gacinovic steht am Donnerstag der nächste Auftritt auf internationaler Bühne bevor, auf der er sich schon bestens auskennt. Eine Zeitreise.

Kurz vor der Gruppenphase

Vojvodina Novi Sad war zu Beginn der 2000er die dritte Kraft in Serbien hinter den beiden Klubs aus Belgrad. In der Saison 2012/13 landete Vojvodina zum dritten Mal hintereinander auf Rang drei und durfte in die Qualifikationsspiele zur Europa League. Dabei mussten die Serben bereits in der ersten Runde beginnen. Gegen den Hibernians FC aus Schottland kam der damals 18-jährige Gacinovic zu zwei Kurzeinsätzen, gegen Budapest Honved FC und Bursaspor aus der Türkei fehlte er wegen Länderspielen. Die letzte Hürde vor der Gruppenphase sollte Sheriff Tiraspol aus Moldawien sein. Beim 1:1 im Hinspiel wirkte Gacinovic 45 Minuten mit, im Rückspiel (1:2) kam er nicht zum Einsatz. „Es war immer schwierig mit Vojvodina, weil wir immer auf stärkere Gegner getroffen sind. Das Weiterkommen in den ersten Qualirunden war also schon ein Erfolg. Schade, dass es gegen Sheriff nicht gereicht hat“, bilanziert Gacinovic mit fünf Jahren Abstand. Auch in den kommenden Jahren spielte Vojvodina eine gute Rolle in den Qualifikationsrunden, schaltete unter anderem Sampdoria Genua aus – es reichte aber nie für den Einzug in die Gruppenphase. Gacinovic konnte zumeist nicht mitwirken, weil er mit den U-Nationalmannschaften unterwegs war. So auch im Sommer 2015, als er mit Serbien U20-Weltmeister wurde. 40 Länderspiele hat der flinke Mittelfeldspieler bis hin zur U21 absolviert, die ersten vier in der U17 noch für Bosnien.

Alle 14 Partien absolviert

In den Genuss der Gruppenphase – und noch vieles mehr – kam Gacinovic dann mit der Eintracht. Dazu hat er seinen Teil mit wichtigen Toren beigetragen, in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg und in erster Linie durch seinen Treffer zum 3:1 im DFB-Pokalfinale 2018 gegen den FC Bayern München. In der vergangenen Saison war Gacinovic absoluter Leistungsträger in der Europa League-Saison, denn er kam in allen 14 Partien zum Einsatz. Dabei durfte er nur ein einziges Mal nicht von Beginn an ran, bei der einzigen Niederlage nach regulärer Spielzeit – dem 2:4 in Lissabon. „Wir haben sehr viel erreicht. Die Fans haben eine tolle Stimmung gemacht, egal ob auswärts oder in der Commerzbank-Arena. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Unser Ziel ist es natürlich, dass wir das wiedererleben und uns für die Gruppenphase qualifizieren“, sagt Gacinovic, der natürlich noch weiß, wie nah der Einzug in das Finale war. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen große Teams bestehen können. Das Weiterkommen gegen Chelsea wäre verdient gewesen, und im Finale ist die Siegchance immer 50:50. Jetzt nehmen wir einen neuen Anlauf“, zeigt sich der Mann mit der Rückennummer Zehn kämpferisch und mit riesiger Vorfreude auf die Europa League-Saison 2019/20.

Doppeltorschütze in Europa

Während Gacinovic in 29 Bundesliga-Spielen der Saison 2018/19 kein Treffer vergönnt war, traf er in der Europa League gleich doppelt. In Nikosia beim 3:2 gegen Apollon Limassol sorgte er mit dem 3:0 nach 58 Minuten für die Vorentscheidung, in Rom beim 2:1 im Dezember war er der Matchwinner. Nach 65 Minuten netzte er sehenswert zum 1:1 ein, sechs Minuten später legte er Sébastien Haller den 2:1-Siegtreffer auf. Beide Tore erzielte Gacinovic mit Fernschüssen von außerhalb des Strafraums. „Ja, da habe ich mich jeweils getraut, abzuziehen. Das muss ich öfter machen“, sagt der Serbe, der Anfang August 2015 nach Frankfurt kam.

Kanté macht’s Gacinovic schwer

Gefragt nach dem härtesten Gegenspieler in den 14 internationalen Partien der vergangenen Saison, sagt Gacinovic wie aus der Pistole geschossen: „Kanté“. Er sei glücklich gewesen, dass der Franzose im Diensten des Chelsea FC im Rückspiel nicht hätte mitwirken können. „Er sorgt immer dafür, dass du gedoppelt bist. Ein ganz unangenehmer Gegenspieler, der einem alles abverlangt“.

Duell gegen Nis geplatzt

Noch im Trainingslager in der Schweiz freute sich Gacinovic im Gespräch mit der Eintracht vom Main-Redaktion auf ein mögliches Duell mit den Landsleuten von Radnicki Nis. Doch die Serben scheiterten am FC Flora Tallinn. „Wir nehmen es, wie es kommt. Natürlich hätte ich gerne gegen Nis gespielt. Aber Ziel ist für uns, die nächste Runde zu erreichen. Egal gegen wen“, meint Gacinovic, der sich auf die internationalen Festabende mit der Eintracht freut. „Das, was wir vergangene Saison erlebt haben, ist für uns natürlich eine große Motivation“.

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