Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic setzt in Russland nur auf die Offensiv-Stärke eines Eintracht-Profis: Luka Jovic. Mijat Gacinovic hingegen wurde kurz vorher aus dem Kader gestrichen.

Luka Jovic hat sich mit einer starken Rückrunde bei Eintracht Frankfurt einen Platz im serbischen WM-Kader erkämpft.
Luka Jovic hat sich mit einer starken Rückrunde bei Eintracht Frankfurt einen Platz im serbischen WM-Kader erkämpft.

Für Luka Jovic kam die Berufung etwas überraschend, denn er hat zuvor noch kein einziges Mal in der A-Nationalmannschaft gespielt. In der U21 war er dagegen schon elf Mal eingesetzt worden und erzielte dabei in der EM-Qualifikation sechs Treffer. Außerdem hatte Kristajic, der zwischen 2000 und 2009 insgesamt 243 Bundesligaspiele für den SV Werder Bremen und den FC Schalke 04 absolviert hatte, spätestens nach dem Hacken-Zaubertor im Halbfinale des DFB-Pokals "auf Schalke" Jovic im Visier. Für den treffsicheren Angreifer hat es sich längst rentiert, im vergangenen Sommer von Benfica Lissabons B-Team an den Main gewechselt zu sein. Hier hatte er sich zunächst zwar hinter Sebastien Haller anstellen müssen, doch als Jovic die Chance bekam, war er sofort zur Stelle und sein steiler Aufstieg begann.

Urlaub statt Russland

Mijat Gacinovic, der in der U17 noch für Bosnien-Herzegowina aufgelaufen war, schien eigentlich die besseren WM-Karten zu besitzen. Der 23-Jährige hatte seit seinem Debüt im März 2017 bei sieben Länderspielen mitgewirkt und dabei gegen Georgien sowie gegen Moldawien jeweils ein Tor erzielt. In der Bundesliga-Rückrunde kam der quirlige Mittelfeldmann nicht mehr regelmäßig zum Einsatz, aber spätestens sein Final-Treffer zum 3:1 gegen den FC Bayern München dürfte wieder jede Menge Kräfte freigesetzt haben. Mit breiter Brust hatte er anschließend die WM-Vorbereitung aufgenommen. Doch dann kam der Schock: Als Krstajic Anfang Juni seinen endgültigen Kader vorstellte, fehlte der Namen des Frankfurter Mittelfeldspielers. Urlaub statt Russland: Eine harte Nuss für den sensiblen Techniker.

Gruppenphase wird kein Zuckerschlecken

Die Serben konnten sich für ihre zweite Endrundenteilnahme nach 2010 zügig qualifizieren. In der Europagruppe D verloren sie nur ein Spiel gegen Österreich (2:3), feierten sechs Siege und holten drei Unentschieden. Das reichte, um mit 21 Punkten Platz eins vor Irland (19 Punkte) einzunehmen. Außerdem hatten sie noch Moldawien, Wales und Georgien in ihrer Gruppe. In Russland stehen sie jedoch vor schwierigen Aufgaben. Sollte in der Gruppe E Brasilien wie von vielen Experten erwartet durchmarschieren, müssen die Punkte fürs Erreichen des Achtelfinales gegen Costa Rica und gegen die Schweiz geholt werden. Hier wird Jovic also auf seine Eintracht-Kollegen Gelson Fernandes treffen.

Mit alten Werten zum Erfolg

Dass sie auch mit großen Mannschaften mithalten können, bewiesen die Serben bei der WM 2010: Sie schlugen in Port Elisabeth Deutschland mit 1:0. Doch durch Niederlagen gegen Ghana und Australien wurde trotzdem das Achtelfinale verpasst. Das soll diesmal anders werden. Mladen Krstajic hat sein Team zwar erst im Oktober 2017 übernommen, aber er ist ein Coach, der auf Kampfgeist und Disziplin großen Wert legt. Der ehemalige Bundesliga-Profi weiß, dass mit schönem Fußball alleine kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Die Vorrunde: Serbien trifft in der Gruppe E auf  Costa Rica (Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr in Samara), auf die Schweiz (Freitag, 22. Juni, 20 Uhr in Kaliningrad) sowie auf Brasilien (Mittwoch, 27. Juni, 20 Uhr in Moskau).

Die beste WM-Platzierung: Der durch die Zersplitterung Jugoslawiens entstandene Staat schied bei seiner bisher einzigen Teilnahme 2010 als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Gruppengegner waren Deutschland, Ghana und Australien.

Die WM 2014: Das Team konnte sich für die Endrunde nicht qualifizieren.

Die WM-Hoffnungen: Serbien hofft, als Gruppenzweiter hinter dem favorisierten Brasilien das Achtelfinale zu erreichen. Bei allem Herzblut wird das kein leichtes Unterfangen.

Die Stars: Beim 35. der Weltrangliste ragt besonders Nemanja Matic heraus. Der defensive Mittelfeldspieler von Manchester United ist laut Transfermarkt.de 40 Millionen Euro wert. Tendenz steigend. Der in Spanien geborene Sergej Milinkovic-Savic hat zwar erst zwei Länderspieleinsätze vorzuweisen. Da der 23 Jahre alte Spielmacher zum wertvollsten Akteur von Lazio Rom ernannt wurde, wird sein Marktwert inzwischen sogar auf 70 Millionen Euro geschätzt.

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