Sebastian Rode, wie er leibt und lebt: Kämpferisch, reflektiert und unverändert selbstbewusst.

Seppl, wie geht’s dir nach ausgestandenen Knieproblemen?
Es stimmt, dass ich leichte Probleme hatte und das eine oder andere Training vor dem Re-Start ausgesetzt habe. Im Spiel selbst hatte ich aber keinerlei Beschwerden. Die Sache ist wieder behoben.

War es eine große Umstellung, nach der langen Pause wieder auf dem Platz zu stehen?
Bereits in der Woche zuvor hatten wir ein internes Testspiel absolviert, da kam man schon etwas außer Atem, weil es etwas anderes ist, ob man in Kleingruppen trainiert oder auf dem Großfeld unterwegs ist. Wenn man dann wie am Samstag früh in Rückstand gerät, kommt man natürlich ins Grübeln, was die Aufgabe nicht einfacher macht.

Welche Erkenntnisse habt ihr aus der Analyse ziehen können?
Das Spiel ist schwierig zu bewerten. Die ersten 15, 20 Minuten waren ganz schwach von uns, wir haben uns auch taktisch nicht clever verhalten, auch was das Anlaufverhalten betrifft. Wenn man darüber hinaus gegen ein Topteam wie Gladbach nach sieben Minuten 0:2 hinten liegt, wird es natürlich ungemein schwer, überhaupt ins Spiel zu kommen. Positiv war wiederum, dass wir uns nie aufgegeben haben, auch nach dem 0:3 sind wir weiter mutig angelaufen. Nichtsdestotrotz wissen wir, dass wir vieles besser machen müssen, um Punkte zu holen.

Wie würdest du aktuell das Binnenklima bei euch beschreiben?
Insgesamt würde ich trotz allem von einer positiven Grundstimmung sprechen. Natürlich machen wir uns bewusst, dass wir weitere Punkte benötigen und dafür besser spielen müssen. Dahingehend bin ich zuversichtlich. Es sollte jedem klar sein, dass der Abstand nach unten nicht allzu groß ist und es sehr schnell gehen kann, gerade in den bevorstehenden Englischen Wochen. Wohin unser Weg führt, wird die nächste Woche mit den Spielen gegen Bayern, Freiburg und Hertha zeigen. Wir haben eine gute Mannschaft und uns auch gegen Gladbach Chancen erarbeitet.

Was spricht außer deiner Sicht für den baldigen Turnaround?
Zunächst dürfen wir uns von einer Niederlage gegen Mönchengladbach nicht zu sehr verunsichern lassen, das kann gegen Spitzenmannschaften immer passieren. Schon nach der Winterpause haben wir bewiesen, dass wir in der Lage sind, uns aus einer solchen Situation zu befreien. Davon bin ich auch jetzt überzeugt. Wir können uns wieder steigern.

Was muss sich dafür konkret ändern?
Wie bereits angesprochen, müssen wir fokussierter ins Spiel gehen und dürfen nicht so früh in Rückstand geraten. Umgekehrt sollten wir auch mal selbst in Führung gehen, um diese dann über die Zeit zu bringen. Aber das hängt von vielen Faktoren ab. Angefangen bei der Tatsache, im Spielaufbau bessere Lösungen zu finden und vor allem im letzten Drittel die richtigen Entscheidungen zu treffen. In letzterem Bereich hapert es in dieser Saison. In der vergangenen und auch zu Beginn dieser Spielzeit haben wir noch die Tore gemacht, was es uns erleichtert, ins Spiel zu finden.

Siehst du die Zeit reif für eine Rückkehr zur Dreierkette?
Ich denke, allein die Transfers im Sommer haben darauf abgezielt, vornehmlich im 3-5-2-System zu spielen. Die entsprechenden Spielertypen dafür haben wir. Auf der anderen Seite haben wir es nach dem Jahreswechsel auch im 4-4-2 sehr gut gemacht. Das hängt auch immer ein Stück weit vom Gegner ab und nicht zuletzt von den Überlegungen unseres Trainers ab. Wir möchten in jedem Fall flexibel bleiben.

Für welchen Fußball will Eintracht Frankfurt stehen?
Am liebsten natürlich für den euphorischen Stil, für den wir im vergangenen Jahr gefeiert wurden. Aber das ist leichter gesagt als getan, erst recht angesichts unserer Abgänge. Ich bin sicher, dass sich die Verantwortlichen dahingehend ihre Gedanken machen und mit Blick auf den Sommer die entsprechenden Schlüsse ziehen werden.

Am Samstag warten die Bayern. Mit welchen Gefühlen reist ihr nach München?
Sicherlich nicht mit einer riesen breiten Brust (lacht). Aber verstecken müssen wir uns nicht, wir haben nichts zu verlieren und wollen ohne Angst spielen. Jeder weiß, wie stark die Bayern sind, dennoch müssen auch sie ohne Zuschauer auskommen, was aber für sie kein Nachteil sein muss. Denn gerade spielstarke Mannschaften agieren am Ball ohne Eindrücke von außen noch souveräner. Es wird darauf ankommen, viel Gras zu fressen, viele Meter zu machen, auch ohne Ball, um so lange wie möglich die Null zu halten und nach Möglichkeit vorne den Lucky Punch zu setzen.

Inwieweit ist ein Vergleich zum Hinspiel möglich?
Das ist nicht nur wegen dem damaligen Platzverweis schwierig zu bewerten, sondern auch, weil der Sieg schon eine Weile zurückliegt. Grundsätzlich hat das Spiel gezeigt, dass wir jedem Paroli bieten können, wenn wir mutig auftreten. Nur so haben wir die Chance, Spiele zu gewinnen.

Welchen Stellenwert hat das Wiedersehen mit deinem Ex-Klub für dich?
Es wird wieder eine schöne Reise nach München, weil ich dort viele Leute kenne, mit denen ich noch zusammengespielt habe. Ich freue mich darauf.

Heute jährt sich der UEFA-Pokalsieg zum 40. Mal. Spürst du Bedeutung dieses Titels noch heute?
Das setzte ich nicht unbedingt mit dem Jubiläum in Verbindung. Ich spüre das vor allem, wenn ich Spieler von früher treffe, gerade auch Charly [Karl-Heinz Körbel; Anm. d. Red.], der schon alles mit der Eintracht erlebt hat. Aber auch mit den im Museum ausgestellten Pokalen oder in der Mixed Zone, in der die Spieler und Erfolge von damals abgebildet sind, finden sich Berührungspunkte.

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