2016 noch Europacup, 2018 fast in der 2. Liga. Nach zwei turbulenten Jahren hat sich Mainz 05 wieder gefangen. Auch dank der Rückbesinnung auf frühere Stärken.

Situation

Dass Mainz 05 in seine zehnte Bundesligasaison in Folge geht, spricht zunächst für die stabile Gesamtentwicklung des Klubs. Hätte andererseits aber gerade während der vergangenen beiden Spielzeiten auch anders ausgehen können, als die Rheinland-Pfälzer als 15. und 14. dem Abstieg gerade so entrinnen konnten. Außersportliche Nebenkriegsschauplätze machten die Sache nicht unbedingt leichter.

Doch nicht zuletzt dank geballter Konsequenz im Kerngeschäft, dem Fußball, fand der Klub zurück in ruhiges Fahrwasser. So wurden abwanderungswilligen Spielern keine Steine in den Weg gelegt, wohingegen Trainer Sandro Schwarz trotz des zwischenzeitlichen Schlingerkurses ungebrochenes Vertrauen genießt. Die Quintessenz: Die auch mit dem Weggang von Sportvorstand Christian Heidel (2016) und Ausscheiden von Präsident Harald Strutz (2017) und weiteren personellen Wechseln abhanden gekommene Identifikation kehrt zurück, was nicht zuletzt auch auf dem Spielfeld immer öfter wiederzuerkennen ist: Bissiger, überfallartiger Mainz 05-Fußball.

Auch wenn der selbsternannte Karnevalsverein noch nicht wie früher die Großen zum Zittern bringt – kein einziger Punktgewinn gegen alle Europapokalteilnehmer – und damit derzeit eine gewisse Obergrenze existiert: Die Untergrenze verschiebt sich wieder weiter nach oben.

Formkurve

Mit Ausnahme der deutlichen 1:4-Pleite in Leipzig hat sich der verstärkte Fokus auf das Spiel gegen den Ball weitgehend ausgezahlt. Nur bei Borussia Mönchengladbach (0:4) blieb Mainz ebenfalls chancenlos, ansonsten kassierten die Nullfünfer außer gegen Dortmund und Bayern (jeweils 1:2) nie mehr als einen Gegentreffer. Auf der anderen Seite hapert es oftmals beim eigenen Abschluss, zwischen dem vierten und achten Spieltag blieb der FSV gar komplett torlos. Insofern ist es beachtlich, dass der mit 14 Treffern zweitschwächste Angriff relativ sorgenfrei auf Platz zehn liegt. Mit acht Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge und nur vier Zählern Rückstand auf die Europapokalplätze.

Trainer

Sandro Schwarz: In Mainz geboren, fußballerisch ausgebildet, zum Cheftrainer aufgestiegen. Mehr Mainz hat es auf dem Trainerstuhl wahrscheinlich seit Jürgen Klopp nicht gegeben. Dabei hat der Halbitaliener einige Zwischenschritte mehr einlegen müssen als der heutige Liverpool-Coach, der das Ausbilden eigener Übungsleiter am Bruchweg salonfähig gemacht hat, wie Thomas Tuchel und Martin Schmidt bezeugen können, die es ebenfalls aus dem eigenen Unterbau in die deutsche Beletage schafften.

Angefangen 1995 in der FSV-Jugend über die zweite Mannschaft und die Zweitligaprofis kehrte Schwarz nach weiteren Spieler- und Trainerstationen 2013 an den Bruchweg zurück, wo er erst die U19, 2015 die Regionalliga-Reserve und seit 2017 die Lizenzspieler anleitet und die Mannschaft nach seinem Gusto auf den neuen alten Mainzer Weg einschwört.

Taktiktafel

Von den gängigen Anpassungen abgesehen hat sich in dieser Runde das 4-4-2 mit Raute, in vielen Spielzeiten ohnehin mit Erfolg das Haus- und Hof-System am Bruchweg, als griffigstes Muster herauskristallisiert. Vor der Innenverteidigung, meist gebildet vom 27-jährigen Eigengewächs Stefan Bell und dem 22 Jahre jungen Neuzugang Moussa Niakhaté, sorgen Pierre Kunde, Jean-Philippe Gbamin und Danny Latza in der zentralen Kampfzone für physische Präsenz, oft Überzahl – und somit Kontrolle. Bei Ballgewinn bieten sich dann mit einem zentralen offensiven Mittelfeldspieler und zwei Angreifern gleich drei Anspielmöglichkeiten, die den direkten Weg zum Tor suchen. Sollte es über die Halbspieler und Außenverteidiger einmal über die Flügel gehen, verspricht der hochgeschossene Jean-Philippe Mateta für Kopfballgefahr.

Spieler im Fokus: Jean-Philippe Mateta

Der französische Neuzugang von Olympique Lyon hat wie sonst nur Landsmann Niakhaté alle 15 möglichen Bundesligaspiele in dieser Saison bestritten und stand dabei nur einmal nicht in der Startformation. Neben seiner Hauptaufgabe, Tore zu erzielen, was dem U21-Nationalspieler bisher viermal gelang, ist der 1,92-Meter-Hüne vor allem als Wandspieler in vorderster Front wichtig, schirmt die Bälle geschickt ab und ermöglicht es den Kollegen dadurch nachzurücken.

Bevor der 21-jährige Sturmtank den Weg an den Rhein fand, empfahl er sich über die Jugend von LB Châteauroux, wo er 2015 in der dritten Liga sein Debüt im Herrenbereich feierte, für Olympique Lyon, wo er zwar 2016 seinen Einstand in der Ligue 1 gab, aber sich nicht nachhaltig aufdrängen konnte. Deshalb folgte eine Leihe zum Zweitligisten Le Havre AC, mit dem er erst in den Play-offs den Aufstieg verpasste und in der Ligue 2 mit 17 Toren zu den Leistungsträgern zählte. Seit Sommer 2018 zählt dieser Status auch eine Stufe höher – im Nachbarland des Weltmeisters.

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