Was ein Festtag hätte werden sollen und können, entwickelt sich nach der Pause zum Trauerspiel. Ein Erklärungsversuch.

Allein die statistischen Werte zu Rate zu ziehen, griffe sicher zu kurz, auch wenn 69,6 Prozent Passquote, 45,4 Prozent Ballbesitz und 45,1 Prozent gewonnener Zweikämpfe sicher nicht die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht haben. Gerade aber vom noch am Sonntag auf Schalke angepriesenen Laufvermögen war gegen den 1. FC Köln wenig zu sehen. Ob Durchschnittsgeschwindigkeit (6,5 zu 6,9 Stundenkilometer), Gesamtdistanz (112,9 zu 116,2 Kilometer) oder Sprints (220 zu 286) – insbesondere in der zweiten Halbzeit befanden sich die Geißböcke immer öfter im Galopp, während die Adler wirkten, als spielten sie mit Gegenwind. Oder wie Adi Hütter es auf den Punkt brachte: „Die Mannschaft ist mental und körperlich müde.“ Wen wundert’s, angesichts des 30. Spiels in dieser Saison, der 55. Partie im Jahr 2019 und der kürzesten Sommerpause aller Bundesligisten durch die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League.

Was sich im Juli wie Dezember gleichen, sind wiederkehrende personelle Ausfälle. Ob Djibril Sow am ersten Tag des Trainingslagers oder kurz darauf Frederik Rönnow, der wiederum seit Herbst Kevin Trapp glänzend vertrat, ehe eine Woche vor der Winterpause beide Torhüter außer Gefecht sind. Dazu Jonathan de Guzman seit Herbst und Lucas Torró ausgerechnet nach seinem soliden Comeback auf Schalke, leidvoll ergänzt durch André Silva, der verletzt von der Nationalmannschaft zurückkam, und Bas Dost, dessen Leistenmysterium endlich gelöst scheint. Hinzu kamen Platzverweise und Sperren, wie sie nun Martin Hinteregger nach seiner fünften Gelben Karte in Paderborn am Sonntag erfahren wird.

Sinnbilder Chandler und Sow

Dabei ließ es Chefcoach Hütter an Rotationsmaßnahmen zuletzt nicht vermissen. Gegen Köln stand Timothy Chandler zum zweiten Mal in Folge in der Startelf und gehörte, in dieser Spielzeit noch weniger beansprucht, zu den frischeren Akteuren. 26 Sprints und 74 intensive Läufe sind beiderseits Topwerte im Team. Gegenteilig verhält es sich mit Sow, der schon am Wochenende eine gewisse Müdigkeit eingeräumt hatte und am Mittwoch ein schöpferisches Päuschen erhielt, was fast einem Ausnahmezustand glich, weil der 22-Jährige seit dem 14. September in Augsburg in jedem Spiel zur ersten Elf gezählt hatte – mit Ausnahme des DFB-Pokal-Spiels auf St. Pauli, in dem er geschont wurde.

Doch die Auszeit geriet kürzer als geplant, weil Sebastian Rode nach einer halben Stunde angeschlagen nicht mehr weiterspielen konnte. „Seppl und Goncalo haben Schläge abbekommen“, erklärte Hütter hinterher. Mit Paciencia und Hinteregger würden in Paderborn die beiden Toptorjäger fehlen: Das siebte Pflichtspieltor des Österreichers und das zehnte des Portugiesen entsprang einmal mehr jeweils einer Ecke. Als Paciencia nach der 2:0-Führung das Trikot des längerfristig ausfallenden Torró in die Höhe reckte, schien das 28. Heimspiel in diesem Jahr auf dem besten Wege, für besinnliche Weihnachtstage zu sorgen. Bis Jonas Hectors Sonntagsschuss am Mittwochabend die wenig greifbare Wende einleitete. „In der zweiten Halbzeit waren wir zu passiv. Kraft und Leidenschaft haben gefehlt“, hatte Makoto Hasebe zwar eine Erklärung für die Ergebnisentwicklung, aber nicht für das Rückzugsverhalten. Nach Paciencias verletzungsbedingter Auswechslung war Hasebe im Zuge einer vierfachen Positionsverschiebung ins defensive Mittelfeld gerückt. „Das war aber nicht ursächlich für die Niederlage“, stellte der Kapitän klar. Ebenso unmissverständlich die Ansage von Nebenmann Dominik Kohr: „Wir brauchen nicht auf die Tabelle gucken, sondern müssen am Sonntag drei Punkte holen.“ Ab 18 Uhr ist die Eintracht dann beim Tabellenletzten in Paderborn zu Gast.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel – präsentiert von Krombacher

Krombacher präsentiert die Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel.
Krombacher präsentiert die Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel.

Die letzten Informationen vor dem Bundesligaspiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz mit Cheftrainer Adi Hütter. Live zu sehen auf EintrachtTV und Facebookpräsentiert von Krombacher.

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