Vier Pflichtspielsiege in Serie gelangen der Eintracht zuletzt vor über sechs Jahren. Doch diese Tatsache rückte am späten Freitagabend nicht mal in den Mittelpunkt. Entscheidender war die B-Note.

Mit einer wohltuenden Demut hatte Adi Hütter im Vorfeld des Flutlichtspiels gegen den Aufsteiger aus Düsseldorf angemerkt, "den Ball flach" zu halten. Die Vorgaben ihres Cheftrainers setzten die Frankfurter Fußballprofis - nun ja - weniger im übertragenen, als mehr im wörtlichen Sinne um. Mit überlegten und variablen Angriffszügen kombinierten sich die Hessen spätestens Mitte der ersten Halbzeit leichtfüßig durch die Düsseldorfer Reihen und sollten am Ende fünf ihrer sieben Streiche von der Grasnarbe aus vollziehen.

Wie im Rausch

"Der Knoten ist durch das 1:0 geplatzt. Dann haben wir uns in einen Rausch gespielt", war Hütter im Nachgang vom Ergebnis nicht weniger überwältigt als vom Auftreten seiner Truppe, die während der besagten vier Partien nun 17 Mal ins Schwarze getroffen hat! Einmal mehr war auf dabei auf die Doppelspitze verlass, diesmal gebildet von Sébastien Haller und Luka Jovic. Die nackten Zahlen: Zwei Tore, darunter der wichtige Dosenöffner, zwei Assists für den Franzosen, fünf Buden für den jungen Serben, der sich als erster Frankfurter mit einer solchen Ausbeute in die Geschichtsbücher geschrieben hat. Nur Dieter Müller traf 1977 einmal öfter. Dass der dammbrechende Elfmeter der erste überhaupt war, den Schiedsrichter Deniz Aytekin im immerhin 23. Spiel für die Eintracht gab, blieb deshalb ebenso eine nette Randnotiz wie die ersten beiden Aluminiumtreffer Frankfurts in dieser Bundesligasaison.

Eintracht nimmersatt

Mit einem Augenzwinkern könnte man die Hypothese aufstellen, wie sich die Angriffsreihe denn gestaltet hätte, wäre Leistungsträger Ante Rebic nicht gesperrt gewesen. Doch irgendwie fügt sich auch diese Konstellation in die großartige Entwicklung nicht nur der vergangenen Wochen, sondern fast Jahre, in welchen eine magische Nacht die nächste jagte. Vielleicht liegt genau hier die Quintessenz des einträchtigen Wirkens: Ob Pokalfinale gegen Bayern, Europapokal gegen Rom oder Bundesligaalltag gegen Düsseldorf - die Adler krallen sich in Widersacher jeglicher Couleur fest, bekämpfen sie und lassen erst wieder locker, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Etwa sechs von zehn gewonnene Zweikämpfe gegen die als gleichermaßen bissig eingestuften Gäste sprechen für sich.

Dazu würzt der Pokalsieger dieses Erfolgsrezept immer öfter mit variantenreichem Spielwitz und gnadenloser Kaltschnäuzigkeit. "Man sieht, dass wir Lust haben, Fußball zu spielen. Die Jungs sind heiß, Tore zu schießen. Wir hätten uns nach dem 3:0 auch hinten reinstellen können. Das haben wir nicht gemacht, und genau deswegen haben wir 7:1 gewonnen", bekräftige der nach der Pause eingewechselte Marc Stendera. Tatsächlich wirkte es gegen die wie paralysierten Fortunen, als hätte die Länderspielpause weniger einen störenden Effekt gehabt. Vielmehr glich die Ligaunterbrechung einem bis zum äußersten Punkt aufgezogenen Katapult, das pünktlich zum Start des 8. Spieltags mit einer unaufhaltsamen Wucht im flutlichtdurchströmten Stadtwald einschlagen und 51.000 Zuschauer in Ekstase versetzen sollte. Die Welle der Begeisterung ging in der Schlussphase in eine nicht enden wollende La Ola über, ehe der Protagonist des Abends unter frenetischen Standing Ovations auf gebührende Weise die Bühne verließ.

Die Qual der Wahl

Ein ähnliches Szenario war nach knapp einer Stunde auch dem angeschlagen ausgewechselten Kevin Trapp zuteil geworden. Dass der Nationaltorhüter erneut nicht ohne Gegentor blieb, war deshalb der kleinere Wermutstropfen einer denkwürdigen Begegnung, die in manchen Momenten einen Spielekonsolen-Charakter entwickelte, ob nun bei wie an der Schnur gezogenen Passstafetten oder dem artistischen 2:0 durch Jovic, der sich mit seinem Fünferpack nebenbei über Nacht an die Spitze der Torjägerliste geschossen hatte.

Der erst unter der Woche sich mit der U21 seines Heimatlandes für die kommende Europameisterschaft qualifizierte 20-Jährige stand damit exemplarisch für die zuvor formulierten Forderungen von Coach Hütter oder Teamkollege Jonathan de Guzman, in jeder Situation auf den Punkt da zu sein. Stellt sich am Ende eigentlich nur eine Frage: Wohin mit Rebic? Andererseits: Wohl dem, der sich über derartigen Luxus den Kopf zerbrechen darf.

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