Zu Zeiten der Top Four war der Arsenal FC ein Dauergast in der Königklasse. Fakt ist aber auch unter neuer dreigeteilter sportlicher Leitung die dritte UEFA Europa League in Folge.

Zur Gewohnheit wollen sie die empfundene Herabstufung gleichwohl nicht werden lassen. Immerhin nimmt der je 13-fache Englische Meister und FA-Cup-Gewinner zum 17. Mal an einer europäischen Gruppenphase teil, zuvor 14 Mal am Stück der der UEFA Champions League, was Arsène Wenger seinerzeit wie einen Titelgewinn eingeordnet hatte. Unter dem Elsässer hatte Arsenal seit 1997 quasi ein Abonnement auf die Top Four.

Form und Taktik

Liefen die Gunners unter Allesmacher Wenger vermehrt in Gefahr, in Schönheit und Jugend zu sterben, installierte Haupteigentümer Stan Kroenke für die neue Ära ein neues Führungstrio um den Head of Football Raul Sanllehi, zuvor zehn Jahre in Diensten des FC Barcelona, Generaldirektor Vinai Venkatesham und Ex-Profi Edú Gaspar als Technischem Direktor, was sich nicht zuletzt in der Kaderpolitik und einem ergebnisorientierteren Spielansatz widerspiegelt, der sich gegebenenfalls auch an den Stärken des Gegners orientiert. Die seit jeher anspruchsvolle Form, mit vertikalen Kurzpässen vors gegnerische Gehäuse zu gelangen, ergänzte der Rekordpokalsieger unter Emery um ein erbarmungsloses Pressingverhalten. 2018/19 verzeichnete Arsenal 85 Balleroberungen im letzten Spielfelddrittel, nur die Eintracht kam in der UEFA Europa League auf zwei mehr.

Als wäre dem nicht genug, reicherten die Kanoniere ihr Waffenarsenal um weitere Munition an. Neben Pierre-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette, im vergangenen Europapokaljahr mit acht beziehungsweise fünf Treffern erfolgreich und überhaupt an elf der vergangenen dreizehn internationalen Einschüsse direkt beteiligt, stürmt seit diesem Sommer der aus Lille losgeeiste Nicolas Pépé. Noch hat sich keine fixe Angriffsformation herauskristallisiert, auch wenn Emery zuletzt beispielsweise im Derby gegen Tottenham alle drei dem französischen Fußball entwachsenen Pfeile auf einmal vom Bogen ließ. Das Resultat: 2:2 nach 0:2-Rückstand und Tore durch Lacazette, Aubameyang sowie eine Vorlage von Pepe. Zu der afrikanisch geprägten French Connection gesellt sich mit Mattéo Guendouzi ein weiterer Franzose mit marokkanischem Pass, der meist an der Seite von Granit Xhaka im Mittelfeldzentrum den Takt vorgibt.

Trainer: Unai Emery

Angefangen 2004/05 beim unterklassigen Klub Lorca Deportiva, wo sich der Fußballer Emery eine schwere Knieverletzung zuzog. Nachdem der damalige Trainer Quique Yagüe allerdings im Dezember 2004 gehen musste, übernahm Emery und führte Lorca direkt in die Zweite Liga. Das gleiche Kunststück gelang dem Basken 2007 mit UD Almeira, gleichwohl eine Etage höher: Primera Division! Dort heuerte der heute 47-Jährige 2008 beim FC Valencia als jüngster Cheftrainer der Vereinsgeschichte an. Auch wenn diese Erfahrung von überschaubarer Gegenliebe geprägt war, hat Emery in der Hafenstadt Spuren hinterlassen, führt dort bis heute das beliebte Fischrestaurant „Casita de Sabino“. 2018 eröffnete ein zweiter gleichnamiger Laden übrigens in Madrid. Für Emery ging es hingegen erstmal nach Moskau. Dem Auslandsabenteuer bei Spartak folgte schließlich die Rückkehr in die hispanische Heimat. Den FC Sevilla führte Emery fortan zwischen 2014 und 2016 dreimal in Folge zum Gewinn der UEFA Europa League, wobei er pikanterweise auf dem Weg zum ersten Triumph im Halbfinale ausgerechnet Valencia ausschaltete. Jenen internationalen Titelhattrick hatte als letzter 38 Jahre zuvor Bob Paisley mit dem FC Liverpool vollbracht.

Spieler im Fokus: Lucas Torreira

Auf den letzten Drücker für den Nachwuchs von Delfino Pescara empfohlen, schulte ihn der damalige U19-Trainer Massimo Oddo alsbald vom offensiven zum defensiven Mittelfeldspieler um. Die saloppe Überlegung des früheren Rechtsverteidiger des FC Bayern: Der robuste Irrwisch fordere ohnehin stets und überall den Ball, dann könne er auch gleich im Mittelfeld beginnen. Zumal zu Körperlichkeit und Persönlichkeit eine ungemeine Ballsicherheit kam, die Außenstehende bald zu Vergleichen mit dem bis dato bekanntesten Eigengewächs Marco Verratti verleiten ließ.

Kein Jahr später zählte Torreira zum engeren Kreis der Profis, die sich in den Play-offs um den Aufstieg in die Serie A befanden. In der Heimat leicht verkannt, war das 1,66-Meter-Kraftpaket am Stiefel nicht mehr zu übersehen. Sampdoria Genua sicherte sich umgehend dessen Dienste, ließ ihn aber noch eine Saison an der Adriaküste reifen. Das Gewöhnungsjahr an Italiens Oberhaus sollte sich auszahlen. Bei Sampdoria absolvierte der dynamische Dauerbrenner 71 von 76 möglichen Ligabegegnungen, überzeugte nicht nur gegen den Ball durch eine hohe Antizipationsfähigkeit, sondern auch mit der Kugel am Fuß mit einer ungeheuren Ruhe.

Die Berufung ins Nationalteam 2018 war die logische Folge und gewissermaßen bezeichnend für Torreiras Werdegang. Als Teenager nicht einmal für die Juniorenauswahlen nominiert, stieß er mit der Celeste bei der Weltmeisterschaft in Russland bis ins Viertelfinale vor. Sein omnipräsente Spielauffassung machte nicht zuletzt den Arsenal FC neugierig.

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