„Five to survive“ also anders: Zwei Spieltage vor Schluss beträgt der Vorsprung auf Platz fünf statt möglichen fünf Punkten noch fünf Tore.

Es gab diesen Moment in der Anfangsviertelstunde, in der es kurzzeitig schien, als könnte die Eintracht das sich anbahnende Unheil im Keim ersticken. Die Hoffnung nach Filip Kostics wundersam erzwungenen Anschlusstreffer zum 2:1 währte aber nur sieben Minuten, ehe die Werkself binnen 13 Minuten kurzen Prozess machte bis zur Pause auf 6:1 davonzog. „An so einen hohen Pausenrückstand kann ich mich in meiner Karriere nicht erinnern“, bekannte Adi Hütter nach einem gebrauchten Tag, der eigentlich für ein komplettes Fußballerleben reicht. Oder anders gesagt: Am Sonntagabend ging in der BayArena alles schief, was in dieser Saison bislang funktioniert und oftmals begeistert hat.

Dass das Duell der Sprintkönige der Bundesliga nicht torlos enden würde, hatte schon die Historie vermuten lassen. Noch nie hatten sich beide Seiten 0:0 getrennt. Dass Kevin Trapp aber nach einer Zeigerumdrehung das erste Mal hinter sich greifen musste, war nicht zuletzt in der Entstehung sinnbildlich für die erste Halbzeit. „Heute haben gutes Zweikampfverhalten und Leidenschaft gefehlt“, sprach Makoto Hasebe, der Abwehrchef der vor dem 32. Spieltag drittsichersten Defensive der Bundesliga, die Mängel genauso schonungslos an wie sein Trainer, der zugleich anmerkte: „Wir hatten keine geistige und körperliche Frische.“ Und auch keinen angeschlagenen Sebastian Rode im Mittelfeld oder Sébastien Haller im Sturmzentrum. Dort mühte sich bis zum Doppelwechsel in der 37. Minute Ante Rebic allein gegen drei Innenverteidiger.

Ein Gegner im Rauschzustand

Dafür waren Almamy Toure und Jetro Willems sowie der in der Schlussphase eingewechselte Timothy Chandler (erstes Saisonspiel nach langer Verletzungspause) wie von Hütter angekündigt Optionen für die defensiven Außenbahnen, gleichwohl nicht anstatt Danny Da Costa und Kostic, sondern ergänzend zu der eine Ebene vorgerückten Flügelzange. Eine Variante, die sich noch vor der Pause erübrigt hatte. Im Gegensatz zur Stimmung des mitgereisten Anhangs, der nach einer halben Stunde erwartungsfreudige Oden an den Europapokal zelebrierte. „Unsere Fans waren heute unglaublich und sehr feinfühlig. Das kann man nicht hoch genug bewerten“, schwärmte entsprechend Sportvorstand Fredi Bobic von der Performance neben dem Platz. Auf dem Rasen hätten sich die Adler „in der zweiten Halbzeit anständig verkauft.“ Und zumindest den nun noch fünf Tore betragenden Vorsprung auf Leverkusen nicht weiter schmelzen lassen, wozu auch ein mehrfach im Eins-gegen-eins rettender Trapp beitrug, dem dieses Resultat letztmals in Diensten Paris St.-Germains in der UEFA Champions League beim FC Barcelona widerfahren war. Vergleichbar dazu gehörte zur Geschichte des historischen Spielverlaufs auch ein Gegner im Rauschzustand, der am Ende auf knapp 80 Prozent Ballbesitz und 90 Prozent Passgenauigkeit kam.

Auch wenn Hasebe, der im ersten Durchgang wie schon häufiger auf der Linie stehend ein Gegentor vereitelte, wusste, „Platz vier noch immer in der eigenen Hand“ zu haben, gilt für die Eintracht mehr denn je auch der Blick auf Position acht, auf dem die TSG Hoffenheim nur noch drei Zähler entfernt lauert. „Wir müssen jetzt gegen Mainz gewinnen, das ist klar. Auch für Donnerstag mache ich mir keine Sorgen, dass wir uns anders präsentieren. Wir werden die Köpfe wieder frei haben“, denkt Hütter nach wie vor zweigleisig und über die Löwenwoche mit Bayer und zweimal Chelsea hinaus. Tennisergebnis im Matchballspiel hin oder her. Zumal die Königklasse nach wie vor über den zweiten Bildungsweg – Baku statt Bayer – möglich wäre.

So oder so zählt nach der ersten Auswärtsniederlage nach sieben ungeschlagenen Bundesligapartien in der Fremde für die letzten 180 Spielminuten schlichtweg jeder Treffer.

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