Die Eintracht hat am Freitagabend in dreifacher Hinsicht Vorarbeit geleistet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Rein faktisch betrachtet brachte der 2:1-Sieg beim 1. FC Union Berlin drei Punkte mehr und zumindest für eine Nacht den Sprung auf Platz sieben mit sich. Der hatte auch in der Endabrechnung der Saison 2018/19 zu Buche gestanden. Fortschritte machte die Eintracht demnach nicht nur tabellarisch, sondern auch hinsichtlich der eigenen Selbstwahrnehmung. Das wäre der offensichtlichste Fortschritt.

„Wir haben lange nicht mehr auswärts gewonnen, da freue ich mich umso mehr über den Sieg“, nahm Cheftrainer Adi Hütter nach dem nicht immer ansehnlichen, aber höchst emotionalen Fight Bezug auf die Tatsache, seit dem Last-Second-Triumph auf Schalke im April nicht mehr in fremden Bundesligastadien gewonnen zu haben. Punkt zwei.

Punkt drei: So ehrenhaft in dieser Ligaspielzeit vier Punkte nach zwischenzeitlichem Rückstand sowie das gedrehte Play-off-Duell gegen Strasbourg und das Pokalspektakel in Mannheim auch sind, war das 2:0-Polster in der Hauptstadt nach einer Stunde schon eher im Sinne der Adlerträger und aller, die es mit ihnen hielten. Chefcoach Hütter hatte erst neulich erkannt, „dass wir aktuell für eigene Führungen etwas mehr investieren müssen.“ Am Abschlusseifer hatte es bei der nach fünf Spieltagen mit 82 Versuchen drittschussfreudigsten Mannschaft der Liga gewiss nicht gefehlt, wohl aber an der Zielsicherheit.

Der entscheidende Prozentpunkt

Sinnbildlich, wie Bas Dost, der an der Seite von André Silva das Vertrauen von Anfang an erhielt, hinterher seinen Führungstreffer erklärte: „Vor meinem Tor mache ich als Stürmer einen Laufweg, den du als Angreifer 100 Mal machst, davon 99 Mal umsonst.“ Doch genau dieser eine Lauf brachte letztlich den berühmten Knoten zum Platzen, als der 196 Zentimeter lange Niederländer das Leder mit seinen Gräten über die Linie stocherte. Eine Viertelstunde später wirkte es teilweise wie in „den guten alten Zeiten“, als der nächste neue Stürmer Silva zum 2:0 einköpfte. Wie am vergangenen Sonntag gegen Dortmund auf Vorlage von Djibril Sow, der den eigentlichen Außenstürmer Erik Durm hinterlief und maßgerecht einflankte. Schütze und Lieferant waren übrigens die beiden lauffreudigsten Frankfurter, der Schweizer mit 12,74 Kilometern sogar auf dem gesamten Feld, der Portugiese ließ sich mit 11,21 Kilometern ebenso wenig lumpen. „Ich habe heute auf einer etwas anderen Position gespielt, das war aber kein Problem für mich“, kommentierte Sow hinterher sein Aufgabenprofil auf der Doppelsechs neben Eidgenosse Gelson Fernandes, der zum zweiten Mal in Folge für den angeschlagenen Sebastian Rode und den zunächst geschonten Dominik Kohr den „Staubsauger-Vertreter“ im besten Sinne abgab.

Überhaupt gilt es zu beachten, dass über Mittelfeldterrier Rode hinaus auch Kapitän David Abraham und mit Danny da Costa der Dauerbrenner der vergangenen Spielzeit kurzfristig ausfielen, was die Adler aber kollektiv aufzufangen wussten. Beispielsweise verzeichnete Almamy Toure mit 14 die meisten gewonnen Zweikämpfe, Silva gewohnt behauptungsstark derer 13. Das letzte Duell des Spiels fand zum Bedauern aller Beteiligter unfreiwillig zwischen Makoto Hasebe und Kevin Trapp statt, was Fußballlehrer Hütter als einzigen Wermutstropfen bezeichnete, um dann abzuschließen: „Das Ergebnis hat gestimmt, da hatten wir zuletzt auch hin und wieder Pech.“ Glücklich war der Triumph in Köpenick gleichwohl nicht.

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