Nach dem Aus in der UEFA Europa League gilt der Fokus bei Hertha BSC voll und ganz der Liga, wie die Hauptstädter zuletzt auch bereits eindrucksvoll nachweisen konnten.

Der 2:0-Erfolg beim 1. FC Köln wirkte wie eine kleine Befreiung. Nach drei Spielen in Folge ohne Sieg, nach dem Aus in DFB-Pokal und der UEFA Europa League, kam der Sieg beim Tabellenletzten am vergangenen Wochenende wie gerufen für die Hertha aus Berlin. Der BSC ist wieder in der Spur und kann sich nun voll und ganz auf das Alltagsgeschäft in der Liga konzentrieren. Am Sonntag hofft die "Alte Dame", gegen den Lieblingsgegner aus Frankfurt die nächsten drei Punkte vor heimischem Publikum einzufahren.

Der Fokus dürfte dabei vor allem auf Kapitän Vedad Ibisevic liegen. Der Bosnier hat nämlich in 13 Spielen gegen Frankfurt sieben Treffer geschossen. In Köln zeichnete der 33-Jährige für beide Treffer beim 2:0 verantwortlich und sorgte damit für den Sprung auf Rang elf. Ohnehin ist die Offensive sicherlich das Prunkstück der Hertha: Zwölf der bisherigen 18 Saisontreffer gehen auf das Konto von Angreifern: Neben Ibisevic (vier Treffer) haben auch der australische WM-Teilnehmer Matthew Leckie (4), der Ivorer Salomon Kalou (3) und Davie Selke (1) Tore beigesteuert. Vor allem Selke befindet sich auf dem aufsteigenden Ast, bildete mit Ibisevic zuletzt ein gut harmonierendes Sturmduo und zeigte eine ganz starke Leistung. Balsam für die Seele des früheren Junioren-Nationalspielers, der in Bremen zum Star reifte, in der Vorsaison, seiner zweiten in Leipzig, allerdings nicht wie gewünscht zum Zug kam und nun im Sommer mit rund acht Millionen Euro der Königstransfer der Hertha war. Mit Julian Schieber, der traditionell auch gerne gegen die Eintracht trifft, hat unter der Woche ein weiterer Angreifer nach auskuriertem Knorpelschaden sein Comeback im Training gefeiert.

Auf der anderen Seite ist die Hertha äußerst anfällig bei ruhenden Bällen: Acht von 19 Gegentoren resultierten aus Standards, schon vier Mal verursachten die Berliner einen Strafstoß. Abwehrchef ist Karim Rekik, der im Sommer aus Marseille gekommen war und mit Jetro Willems von der Eintracht 2011 U17-Europameister mit den Niederlanden wurde.

Trainer Pal Dardai sitzt trotz der nicht immer vorhandenen Balance zwischen Defensive und Offensive ganz fest im Sattel. Der Ungar hat die Hertha nämlich von einer Fahrstuhlmannschaft zu einem etablierten Bundesligisten gemacht. Seit 2013, damals gab es zum Auftakt einen 6:1-Kantersieg gegen die Eintracht, ist die Hertha nach zwei Abstiegen innerhalb kurzer Zeit wieder Mitglied der Bundesliga, qualifizierte sich gar zweimal für die Europa League. Nur ist es auch Dardai noch nicht gelungen, den Klub entsprechend zu rüsten, dass man auch auf mehreren Hochzeiten eine sorgenfreie Saison spielen kann. Optimismus verleiht der kommende Gegner Eintracht Frankfurt: Gegen keinen anderen Bundesligisten hat Hertha so viele Siege (27) gefeiert und so viele Treffer (104) erzielt.

Drei im Fokus

Vedad Ibisevic - Instinkt beim Blitzstarter zurück

Zwölf Spiele hintereinander hat der frühere bosnische Nationalspieler Vedad Ibisevic am Anfang der Saison nicht getroffen. Diese Negativserie hat der vor der Spielzeit zum Kapitän bestimmte Angreifer mit vier Treffern in den vergangenen drei Partien aber eindrucksvoll beendet. Ibisevic ist bosnischer Rekordtorschütze der Ligahistorie (108 Treffer) und löste damit Sergej Barbarez (Hamburg, Dortmund, Leverkusen) ab. Unter den Ausländern der Liga trafen gar nur drei Legionäre (Pizarro, Lewandowski und Elber) häufiger. Ibisevic hat ferner einen speziellen Rekord inne, traf der 33-Jährige doch schon viermal in der ersten Minute.

Marvin Plattenhardt - Konstanter Flankengott

Marvin Plattenhardt ist seit der Amtsübernahme von Pal Dardai im Februar 2015 Stammspieler, nachdem er unter Jos Luhukay kaum eine Rolle gespielt hatte; diese Bundesliga-Saison kam er in allen 13 Spielen über 90 Minuten zum Einsatz. Der offensivstarke Linksverteidiger ist der Top-Vorbereiter der Hertha: Vier Tore legte er in dieser Bundesliga-Saison schon auf, davon drei per Standards. Plattenhardt schlug in 151 Bundesliga-Spielen starke 32 Standards mit Torfolge. In dieser Saison sind es sechs, Ligaspitze gemeinsam mit Thorgan Hazard von Borussia Mönchengladbach. Alle seine sieben Bundesliga-Tore erzielte er mit direkten Freistößen. 2009 wurde Plattenhardt mit der U17 Europameister, 2017 gewann er mit der A-Nationalmannschaft den Confederations Cup. Er hat mittlerweile fünf A-Länderspiele auf dem Konto.

Julian Schieber - Stehaufmännchen steht auf Adler

288 Tage Leidenszeit liegen hinter dem Schwaben Julian Schieber, der bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere einen Knorpelschaden im Knie auskuriert hat. Für einen Kurzeinsatz dürfte es nach einer Woche Training nicht reichen, obwohl der 28-Jährige relativ gute Erfahrung mit der Eintracht hat: Julian Schieber schoss gegen Frankfurt vier Tore (gegen keinen Verein mehr). Da spielt es fast schon eine untergeordnete Rolle, dass er gegen die SGE aber auch den einzigen Platzverweis seiner Bundesliga-Karriere (Gelb-Rot am 16. Februar 2013 im BVB-Dress) kassiert hat.

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