Aus den Adleraugen, aus dem Sinn? Nicht bei der Eintracht, die ihre nun sechs Leihspieler fest im Blick behält. Nach der ersten Saisonhälfte lohnt ein Zwischenfazit.

Daichi Kamada: Die Lotusblume blüht auf

Als sich Daichi Kamada am Ende der Sommertransferperiode VV St. Truiden anschloss, bekannte Bruno Hübner: „Wir sind überzeugt, dass er dort eine gute Rolle spielen wird.“ Über ein Vierteljahr später ist man geneigt, dem Sportdirektor mit einem Augenzwinkern zu widersprechen. Denn der Japaner hat mittlerweile nicht nur eine gute, sondern gar eine sehr gute Rolle eingenommen. Zwar hatte er beim belgischen Erstligisten erst Anfang Oktober erstmals in der Startelf gestanden, was er sich durch vorhergehende wertvolle Auftritte aber redlich verdient hatte, als er sich bei seinen ersten zwei Einwechslungen sofort in die Torschützenliste eintrug. Genau wie beim genannten Startelfdebüt gegen Royal Mouscron. Entsprechend stand der 22-Jährige auch während des Gastspiels bei KV Kortrijk 90 Minuten auf dem Rasen. Auch wenn es dabei mit 1:3 eine Niederlage setzte, das bewährte Muster setzte sich fort: Schütze zur frühen 1:0-Führung – Daichi Kamada.

In den zehn Ligapartien bis zur Pause gehörte der Rechtsfuß folglich immer zur ersten Wahl von Cheftrainer Marc Brys. Die Schlüsselrolle, die Kamada mittlerweile innehat, erklärt sich anhand einer simplen Tatsache: Trägt sich die Nummer 15 nicht in die Torschützenliste ein, gewinnt St. Truiden nicht. Mit einer Ausnahme beim 3:1-Sieg bei Royal Antwerpen. Und da der 1,80-Meter-Mann der gelungenen Startelfpremiere weitere sieben Buden folgen ließ, verlor der aktuelle Tabellensechste der Jupiler Pro League in der Runde nur noch zwei Begegnungen sowie Mitte Dezember im Viertelfinale des Pokals gegen KAA Gent. Kamada spielte einmal mehr durch, lieferte sogar die Vorlage zum 1:3-Endstand, blieb aber ausnahmsweise ohne eigenen Torerfolg. Gesamtbilanz: 17 Pflichtspiele, elf Tore, drei Vorlagen. 

Max Besuschkow: Der immer spielt

Ebenfalls nach Belgien hat es Max Besuschkow verschlagen, wenn auch in die zweite Liga nach Saint Gilloise bei Brüssel. Die bis 2020 angedachte Langfrist-Leihe hat schon früh Früchte getragen und scheint sich zur nachhaltigen Win-Win-Win-Situation zu entwickeln, von der alle drei Parteien profitieren. Der zentrale Mittelfeldakteur kam in 17 von 20 Partien zum Einsatz, davon ein Dutzend Mal von Beginn an. Der 1,87-Mann bildete meist mit Marcel Mehlem auf der Doppelsechs ein spielstarkes deutsch-deutsches Tandem, womit sich der 21-Jährige berechtigte Aktien anrechnen kann, mit seiner Mannschaft zur Winterpause auf Platz drei der Proximus League zu liegen. Einzig ein Torerfolg blieb dem Youngster noch nicht vergönnt.

Danny Blum: Luft nach oben

Nach Kurzeinsätzen für Frankfurt in Liga, Pokal und Supercup war der Außenstürmer Ende August noch zu UD Las Palmas weitergezogen. Der 27-Jährige war auf Anhieb fester Bestandteil des Kaders, wenn auch nicht immer der Startelf. Bei seinem ersten Einsatz über 90 Minuten im Duell der Absteiger gegen Malaga glückte Blum prompt der Assist zum entscheidenden 1:0. Es war damals die erste Saisonniederlage für den Tabellendritten Malaga, während Las Palmas nach einem vielversprechenden Auftakt inklusive Kontakt zu den Aufstiegsrängen derzeit im Mittelfeld der Tabelle auf Rang elf verharrt. Das hängt zwangsläufig damit zusammen, dass der letzte Sieg vom 20. Oktober, einem 3:0 gegen CD Numancia, datiert. Blum kam danach zwar weiter zu längeren und kürzeren Einsatzzeiten, konnte aber noch nicht seine gefürchtete linke Fackel zur Geltung bringen. Und da es umgekehrt in der Abwehr selten stimmt – drei Niederlagen mit je vier Gegentoren seit Ende November – verläuft die Entwicklung sowohl für Las Palmas als auch den Spieler selbst noch nicht wunschgemäß.

Aymen Barkok: Jungadler als Pechvogel

Unabhängig vom Verein ereilte das Eigengewächs vom Riederwald Mitte Juli der erste Rückschlag seiner jungen Profikarriere. Wenige Tage nach seinem Wechsel an den Rhein erlitt das Mittelfeldtalent eine Innenbandverletzung im Knie und verpasste dadurch weite Teile der Vorbereitung. Entsprechend schwer war es nach der Genesung, schnell Anschluss an den Bundesligakader zu finden. Spielpraxis gewährte zunächst die Zweite Mannschaft in der Regionalliga West, wo die Begegnungen gegen Bonn und Rödinghausen zwar verloren gingen. Gewinnen konnte Barkok bei annähernd voller Einsatzdauer dafür essentielle Spielpraxis.

Seitdem hat sich der 20-Jährige zunächst unbeirrbar zurück in den Dunstkreis der Profis gekämpft und war zuletzt nicht nur dem Lizenzspielerkader so nah wie lange nicht, sondern auch seiner alten Heimat, als er ausgerechnet beim Auswärtsspiel in Frankfurt ab der zweiten Halbzeit sein Saisondebüt im Oberhaus feierte. Auch beim 0:3 gegen den VfL Wolfsburg eine Woche später kam der Mittelfeldallrounder in der Schlussphase zum Einsatz. Drei Tage Wochen darauf gleich der nächste kleine Schritt, als Barkok über 90 Minuten für Fortuna II ran durfte und beim 3:2-Sieg in Wuppertal per Freistoß zum zwischenzeitlichen 2:0 traf. Doch der leichte Aufwärtstrend verebbte Anfang Dezember, als muskuläre Probleme auftraten und das Fußballjahr vorzeitig beendeten. Aber: die Frohnatur vom Main hat noch viele Jahre vor sich und wird in der Rückrunde den nächsten Anlauf beim Tabellenvierzehnten nehmen.

Marijan Cavar: Zweiter Platz, erste Wahl

Zu guter Letzt mischt Marijan Cavar derzeit mit NK Osijek die kroatische Liga auf und muss lediglich Serienmeister Dinamo Zagreb elf Punkte Vorsprung gestatten. Worauf der Bosnier im Laufe der Wochen und Monate immer größeren Einfluss nehmen durfte. Unmittelbar vor dem Ende der Transferperiode in Slawonien aufgeschlagen musste sich der 20-Jährige zunächst an den Kader herantasten, um nach dem ersten Kurzeinsatz Mitte September beim 1:1 bei HNK Rijeka zwischen Ende September und Anfang Dezember alle acht möglichen Spiele zu bestreiten, davon sieben von Beginn an. Im Schnitt kassierte die derzeit beste Mannschaft Kroatiens hinter dem Abonnement-Champion Zagreb nur ein Gegentor, spielte drei Mal zu Null, wozu das für die Mittelfeldzentrale vorgesehene Talent einen wesentlichen Teil beitrug. Auch wenn die vergangenen beiden Siege ohne Cavar gelangen.

Deji Beyreuther: Der Nächste, bitte!

Insgesamt erwiesen sich die Leihgeschäfte als wohltuende Maßnahme, Spielpraxis auf angemessenem Niveau zu sammeln und dadurch die Entwicklung zum gestandenen Profi zu beschleunigen. Ähnliches verspricht sich auch Deji Beyreuther, der sich vor wenigen Tagen für ein halbes Jahr dem Chemnitzer FC anschloss, der als Herbstmeister gute Chancen auf den Aufstieg in die Dritte Liga besitzt. „Für junge Spieler ist es wichtig, viele Einsatzzeiten zu bekommen. Dies ist für Deji in Chemnitz möglich“, hofft Sportdirektor Hübner auch im Fall des Eigengewächses. So falsch lagen die Verantwortlichen mit ihren Einschätzungen zuletzt ja nicht.


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