Dass das zweite Jahr das schwierigste sein soll, muss nicht nur für Bundesligaaufsteiger gelten. Auch der FC Schalke 04 hat als Vizemeister mit neuen Herausforderungen zu kämpfen.

Situation

Die Lage auf Schalke allein anhand des aktuellen Tabellenplatzes zu bewerten, würde nur der halben Wahrheit entsprechen. Natürlich ist Platz 14 nicht von der Hand zu weisen und für den amtierenden Vizemeister alles andere als befriedigend. Einerseits. Andererseits ist es auch Tatsache, dass Königsblau immer noch unter der Hypothek eines fünf Spiele andauernden Punktlosstarts leidet.

Gerade offensiv war lange der Wurm drin, bis zum vergangenen Spieltag hatten die Gelsenkirchener die wenigsten Tore auf dem Konto. Der 3:1-Sieg gegen Hannover 96 war die erste Bundesligapartie mit drei eigenen Toren seit knapp elf Monaten. Dass dieser Zeitraum dennoch überwiegend von Erfolg geprägt war, hatte sich die Tedesco-Truppe mit einer ausgeklügelten, an den Stärken des Gegners ausgerichteten und höchst effektiven Spielweise erarbeitet, wo in engen Auseinandersetzungen meist die Durchsetzungsstärke der Königsblauen das Zünglein an der Waage spielte.

Da Schalke in der Saison zuvor den europäischen Wettbewerb verpasst hatte, ließ zum einen der damalige Status diesen reaktiven Stil zu, zum anderen gab es keine Doppelbelastung. Beide Faktoren fallen nun weg, zumal die Wahrnehmung und Erwartungshaltung als UEFA Champions League-Teilnehmer eine andere ist und viele Konkurrenten den Spieß einfach umdrehen. Ein Rollentausch, den der Verein erwartet, angestrebt, aber noch nicht bewerkstelligt hat.

Formkurve

Im Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Ligabegegnungen wiederum läge S04 auf Platz fünf; Eintracht Frankfurt würde gar von der Spitze grüßen, aber das nur am Rande. Gewissermaßen hat sich an der abgerufenen Leistungsstärke im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen und Monaten wenig geändert. Allein die berühmten Kleinigkeiten ließen das Pendel zuletzt wieder häufiger pro Schalke ausschlagen. Belegbar mit den nackten Ergebnissen: Kein Pflichtspiel endete mit mehr als zwei Treffern Differenz, bis zur Begegnung mit Hannover gelangen alle Ligasiege ohne Gegentor.

Trainer

So steil die Karrierekurve von Domenico Tedesco in den vergangenen Jahren auch nach oben gezeigt hatte, sieht sich der 33-Jährige in dieser Saison erstmals heftigerem sportlichem Gegenwind ausgesetzt. Der nach Art eines Musterschülers, da als Jahrgangsbester, zum Fußballlehrer gewordene Tedesco arbeitete sich über den Nachwuchs des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim innerhalb weniger Jahre bis in die UEFA Champions League hoch. Nach einem halben Jahr in der zweiten Liga bei Erzgebirge Aue seit März 2017 ging es in der Folgesaison gleich weiter ins Oberhaus zum FC Schalke 04, den er als Vizemeister prompt in die Königsklasse führte.

Dabei verstand es das analytische, akribische Trainertalent regelmäßig, die Stärken des Gegners auf ein Minimum zu reduzieren, seinen Kader zu einer homogenen Einheit zu formen und hinter sich zu bringen und letztlich dank einer hohen Effektivität als knapper Gewinner das Feld zu verlassen.

Taktiktafel

Dabei beziehen sich die meisten systematischen Anpassungen auf die vorderen Mannschaftsteile, während die Fünferkette um Leuchtturm Naldo meist unangetastet bleibt. Davor sichern mal einer, mal zwei, manchmal auch drei Sechser zusätzlich das Zentrum, wodurch Schalke durch einfache Verschiebungen sowohl horizontal als auch vertikal größtmögliche Kompaktheit erlangt. Im Umkehrschluss fehlen je nach Spielsituation jedoch ausreichend Anspielstationen in der Tiefe, zumal nach den Abgängen von Leon Goretzka und Max Meyer auch im Mittelfeld eine Portion Kreativität verloren ging.

Spieler im Fokus: Weston McKennie

Dafür ließen sich die Verantwortlichen um Sportvorstand Christian Heidel im Sommer hinsichtlich Zugängen ebenso wenig lumpen und verpflichteten unter anderem gleich vier Akteure, die im defensiven Mittelfeld auflaufen könnten. Regelmäßig zum Einsatz kam trotz dieses Überangebots aber vor allem einer, der schon da war: Weston McKennie. Der 20-Jährige ist wie geschaffen für den auf große Variabilität angelegten Spielansatz seines Trainers, der ihm im ersten Jahr seiner Amtszeit zu 22 Bundesligaeinsätzen verhalf. Auch in dieser Spielzeit kam der laufstarke US-Boy schon acht Mal zum Einsatz, davon sechs Mal von Beginn an.

Der 2016 in die Knappenschmiede aufgenommene Nationalspieler kann im Mittelfeld fast alle Positionen abdecken und half auch schon in der Innenverteidigung aus. Auch wenn der 1,85-Meter-Mann eher mit Torschüssen geizt, in dieser Saison waren es ganze zwei, sind ihm Erfolgserlebnisse mittlerweile nicht mehr fremd. Im Europapokal Anfang Oktober gelang dem Allrounder immerhin der Siegtreffer zum 1:0 bei Lokomotive Moskau, wenige Tage später beim 2:0 über Fortuna Düsseldorf ebenfalls die Führung. Auch in der Nationalmannschaft hatte eine Offensivaktion des allzeit emsigen McKennie sichtbaren Einfluss, als ihm beim (Startelf-)Debüt Mitte November 2017 gegen Portugal (1:1) gleich die Führung gelang.

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