Auch wenn es gegen Ergebnisse im Leistungssport bekanntlich keine Argumente gibt: Trotz der 1:2-Niederlage hat die Eintracht in Leipzig viele Pluspunkte gesammelt.

Zwar sind nicht alle Gedanken, die Julian Nagelsmann in der Schlussphase in Leipzig durch den Kopf gegangen sein mögen, überliefert. Aber die Parallelen zum vorangegangenen Aufeinandertreffen des neuen Leipzig-Coaches waren sicher nicht allzu klein. Erst im März hatte der 32-Jährige mit seinem damaligen Verein TSG Hoffenheim mit 2:1 in der Commerzbank-Arena geführt, ehe Goncalo Paciencia in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum 3:2 einköpfte.

Der späte Sonntagnachmittag gestaltete sich in seiner Chronologie zwar etwas anders, aber dennoch nicht unähnlich: 2:0-Führung für die Hausherren, Anschlusstreffer durch den Portugiesen, über sechs Minuten Nachspielzeit. Dabei galten die Überlegungen der Eintracht weniger der Vergangenheit, sondern vielmehr der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft. Am Donnerstag geht es gegen Strasbourg um die Berechtigung für die UEFA Europa League, der Sonntag galt wichtigen Bundesligapunkten sowie einer Reaktion auf das ausbaufähige Play-off-Hinspiel. Auch wenn den Hessen letztlich nur letzteres Vorhaben gelang, sprach Cheftrainer Adi Hütter im Nachgang davon, „Rückenwind für Donnerstag“ erlangt zu haben. „Wir hatten das Geschehen über weiter Strecken im Griff“, befand der österreichische Fußballlehrer und lag damit genauso richtig wie mit vielen Personalentscheidungen. Zum Beispiel der Einwechslung von Timothy Chandler, der die Vorlage zum Anschlusstreffer gab. Oder auch der Hereinnahme von Evan Ndicka, der mit zwölf die meisten Zweikämpfe aller Frankfurter gewann, auch wenn er beim zweiten Gegentreffer etwas zu weit von Torschütze Yussuf Poulsen entfernt stand.

Fußballerische Fortschritte

Überhaupt knüpften die Adler an die zweite Halbzeit des ersten Play-off-Matches an, wozu auch gehörte, dass Mijat Gacinovic und Ante Rebic weiter angeschlagen passen mussten. Gepasst haben dafür deren zur Hälfte neuen Kollegen so viel und genau wie selten: Insgesamt 404 Zuspiele fanden den Weg zum Mitspieler, also 83,3 Prozent. „Fußballerisch sah das schon gut aus“, lobte entsprechend Chefcoach Hütter, wusste aber auch: „Vor dem Tor waren wir allerdings nicht konsequent genug, während Leipzig aus wenigen Chancen viel gemacht hat.“ Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, dass mit Daichi Kamada der offensive Frankfurter Feingeist mit 11,84 Kilometern die größte Laufstrecke beider Mannschaften abspulte.

Gemessen an Einsatz und Ertrag musste auch Nagelsmann rückblickend einräumen: „Es war ein sehr glücklicher Sieg für uns, ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen.“ Ein solches würde zwar am Donnerstag nicht zum Weiterkommen reichen – hinsichtlich Willen und Moral bleiben die Eintrachtler aber über alle Zweifel erhaben.

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