Am Montagabend bestritt Kevin Trapp sein 111. Bundesligaspiel für die Eintracht. Der besonderen Marke ließ der Torhüter eine besondere Leistung folgen. Wieder einmal. Ein Arbeitsnachweis.

Was bei all dem Drama und Spektakel der vergangenen Monate oftmals untergeht: Der Bundesligavierte stellt nach 30 Spieltagen die mit 35 Gegentreffern drittbeste Defensive. Dabei hat Nationaltorhüter Kevin Trapp, der erst im März mit der Deutschen Nationalmannschaft in Wolfsburg auf Serbien getroffen war, sicher keinen alleinigen, aber einen großen Anteil. Über 74 Prozent abgewehrte Torschüsse in 29 Partien sind der zweitbeste Wert hinter Leipzigs Petar Gulacsi, in der Rückrunde steht der 28-Jährige gar an der Spitze seiner Zunft.

Dass sich der doppelte Adlerträger im Zweifel auch der Unterstützung seiner Kollegen sicher sein kann, zeigte sich zu Spielbeginn, als Makoto Hasebe wie schon gegen den FC Augsburg für seinen geschlagenen Schlussmann auf der Linie rettete (10.).

Boden- und Lufthoheit

Ansonsten hielten die Gäste die Wölfe zunächst ballsicher vom eigenen Tor fern, ein Fernschuss Admir Mehmedis war für Trapp leichte Beute (25.). Fünf Minuten später funktionierte auch die Abstimmung mit David Abraham reibungslos, als der Kapitän die Kugel zurückköpfte. Die Reaktion Trapps: Daumen hoch, gut gemacht!

Doch in weiterer Folge sollte die Numero Uno mehr zu tun bekommen als ihm und allen Frankfurtern lieb sein konnte. Erst am Boden mit einer Glanztat gegen Mehmedi aus spitzem Winkel, dann in der Luft, als er die daraus resultierende Ecke kompromisslos wegfaustet (34.). Selbst der mit zwölf Toren treffsicherste Wolfsburger Wout Weghorst war bald mit seinem Latein am Ende, als er erst volley (36.) im 1,89-Mann seinen Meister fand und wenige Augenblicke später erneut die Trapp’sche Faust am ehesten Richtung Ball geschnellt war (37.).

Die besten Freunde des Torhüters: Pfosten und Latte

Kurzum: Das Frankfurter Gehäuse schien wie vernagelt. Selbst die unhaltbaren Versuche konnten dem Absolventen der Kaiserslauterer Gerry-Ehrmann-Schule nichts anhaben, weil er sowohl die Latte (57.) als auch den Pfosten (64.) mit sich im Bunde wusste. Notfalls klärte die Leihgabe von Paris St.-Germain auch unorthodox mit den Handflächen ins Toraus (66.). Überhaupt schien der Goalie das runde Leder magnetisch anzuziehen: Als er nach einem weitgehend entschärften Konter auf dem Boden lag und die Pille Richtung Torlinie trudelte, rotierte sie im letzten Moment wieder zurück Richtung „Trapper“ (73.). Fast unheimlich dann schon die Szene, als der einen Distanzknaller von Maximilian Arnold nur abprallen lassen konnte, die Kugel aber nicht vor die Füße des einschussbereiten Weghorsts fiel, sondern am Mittelstürmer vorbeisprang (76.).

Die Ironie gipfelte schließlich in der Führung durch Jonathan de Guzman, der umgekehrt davon profitierte, dass er nach einem abgefälschten Schuss von Filip Kostic goldrichtig stand (78.). Dass letztlich ein vermeidbarer Konter in der Schlussminute mit dem letzten Schuss das 1:1 begünstigte, war sicher nicht unverdient, wurmte den ambitionierten Rückhalt aber sichtlich, der selbst nach Kantersiegen mit einem Gegentor mahnend den Zeigefinger hebt. Auch nach dem Punktgewinn an Ostermontag sprach Eintrachts Nummer 31 davon, in dieser Phase cleverer auftreten zu müssen. Was zwar Jammern auf hohen Niveau glich, sich aber gleichwohl mit den eben auch hohen Zielen ergänzt. Entsprechend sagte auch Cheftrainer Adi Hütter: „Mit dem Punkt kann ich leben, aber gegen Hertha BSC müssen wir gewinnen.“ Mit defensiver Zuverlässigkeit als Pflicht und offensiven Glanzlichtern als Kür.

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