Fortune, wie es der der Vereinszusatz vermuten lässt, benötigt Düsseldorf längst nicht mehr. Die Arbeit am Rhein hat Hand und Fuß.

Situation

Schon nach dem Aufstieg nach fünfjähriger Bundesligaabstinenz hätten die wenigsten einen Pfifferling auf den Klassenerhalt von Fortuna gesetzt. Nach dem dürftigen Saisonstart und dem 1:7 in Frankfurt, verbunden mit dem Abrutschen an Tabellenende, stand den Rheinländern schon im Oktober das Wasser bis zum Hals.

Wenn Cheftrainer Friedhelm Funkel dieser Tage davon spricht, seine Mannschaft habe „an Erfahrung und an Selbstvertrauen gewonnen“, ist das längst keine Durchhalteparole, sondern das Selbstverständnis eines Tabellenelften, dem auch Eintracht-Coach Adi Hütter zuschreibt, „nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben.“ Immerhin weisen die Fortunen 2019 mit 13 genauso vieler Punkte aus wie Frankfurt. Nach dem fulminanten 4:0 auf Schalke haben die Franken sogar acht Zähler mehr als der Vizemeister auf dem Konto und zwölf Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Damit sehen sich die Verantwortlichen darin bestätigt, dass der mit Leihspielern wie Frankfurts Aymen Barkok gespickte Kader allein eine gewisse Anpassungs- und Entwicklungszeit benötigen würde. Dazu zählt seit dem Winter auch Dawid Kownacki von Sampdoria Genua, der auf beiden offensiven Außenbahnen sowie in Zentrum spielen kann und unlängst S04 zwei Buden einschenkte.

Formkurve

Der jüngste Triumph war der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgslawine, die am 15. Spieltag begann, als Düsseldorf 2:0 gegen den SC Freiburg gewann. Damals war die Fortuna noch Tabellenletzter, kam inklusive des Erfolges gegen den SC in den letzten zehn Partien dann auf sieben Siege, ein Remis, zwei Niederlagen und sammelte 22 Punkte – in diesem Zeitraum holte nur Rekordmeister Bayern mehr Punkte (27) als der Aufsteiger aus Düsseldorf.

Trainer

Der anfängliche Ausnahmezustand konnte einen erfahrenen Fahrensmann wie den 65-jährigen Friedhelm Funkel nicht aus der Ruhe bringen. Als die Rheinländer im April vergangenen Jahres drei Begegnungen in Folge verloren hatten, ließen sie rechtzeitig zum Saisonfinale zehn von zwölf möglichen Zählern folgen. Am Ende standen die Meisterschaft und für Funkel wie die Fortuna bereits der sechste Bundesligaaufstieg! Damit ist der Fußballlehrer alleiniger Rekordhalter und besitzt wenig überraschend einen immensen Erfahrungsschatz in der nationalen Beletage, wo er bereits 786 Mal als Trainer oder Spieler im Einsatz war. Davon am häufigsten für die Eintracht, 136 Mal zwischen 2004 und 2009. Fast logisch, dass auch diese Amtszeit mit einem Aufstieg begann, gefolgt vom viermaligen Klassenerhalt sowie dem DFB-Pokalfinale 2006.

Nun also das nächste Kräftemessen mit der Vergangenheit. Obwohl der Routinier mit Düsseldorf bereits seinen siebten Klub in der Eliteklasse coacht, ist das in dieser Saison keine Normalität: Vier seiner Exklubs spielen in tieferen Ligen (Duisburg, Köln, Rostock und Uerdingen).

Taktiktafel

Während die Nordrheinwestfalen in der Vorsaison als häufiger Favorit in der Regel ein 4-3-3-System mit Zielspieler Hennings bevorzugten, orientieren sich die Fortunen eine Etage höher wieder häufiger am Gegner. Deshalb legt Funkel großen Wert auf Flexibilität, bietet je nach Gegner drei, zwei oder eine Spitze auf. Zuletzt wirbelte sich das Trio Kownacki, Benito Raman und Dodi Lukebako in den Fokus. Grundsätzlich bekam Trainer Funkel in der Rückrunde das Konterspiel zum Laufen, nach nur drei Treffern nach schnellen Konterangriffen in der kompletten Hinrunde trafen die Fortunen in den sieben Rückrundenpartien bereits fünf Mal auf diese Weise und damit öfter als jede andere Mannschaft.

Im eigenen Spielaufbau wiederum versuchen die Rot-Weißen vermehrt über die Flügel ihr Glück. Beim 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg schlug Düsseldorf 46 Flanken. Die Angreifer suchen immer wieder den Weg in die Tiefe und schaffen damit automatisch Raum für die nachrückenden Außenverteidiger. Ist eine Seite dicht, genügt oftmals eine Verlagerung aus dem Zentrum, um einen isolierenden Flügelspieler in Szene zu setzen. Währenddessen sichert der ballnahe Sechser meist die angreifende Flanke ab.

Spieler im Fokus: Dodi Lukebakio

Wie prädestiniert für das Düsseldorfer Schwarmverhalten ist Dodi Lukebakio, der spätestens seit seinem Dreierpack zum 3:3 beim FC Bayern an Profil gewonnen hat. Nicht nur aufgrund dessen zwölf Pflichtspieltreffern warnt Adi Hütter vor dem 1,87 Meter großen Angreifer, der gerne auf die Flügel ausweicht, sondern auch wegen dessen Dynamik und Schnelligkeit. Die 21-jährige Leihgabe vom FC Watford ist wohl das, was gemeinhin als offensiver Fixpunkt gilt: 44 Torschüsse sind ebenfalls interner Topwert wie 66 Torschussbeteiligungen. Daraus resultierten immerhin vier zu Toren verwertete Assists. Seine fußballerische Ausbildung genoss der Belgier mit kongolesischen Wurzeln beim RSC Anderlecht, ehe er nach verschiedenen Leihstationen 2018 auf der Insel landete und sofort für mindestens eine Saison in die Bundesliga weiterzog.

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