In Europa die Pflicht erfüllt, in Italien gut mit dabei – es könnte schlechter um S.S. Lazio stehen. Andererseits aber auch noch etwas besser.

Situation

Nachdem S.S. Lazio in der Vorsaison die Qualifikation zur UEFA Champions League denkbar knapp im direkten Vergleich mit Inter Mailand verloren hatte, unternehmen die seit diesem Jahrzehnt seriös wirtschaftenden und solide arbeitenden Laziali in der laufenden Spielzeit den nächsten Anlauf Richtung Königsklasse. Für dieses Vorhaben haben die Verantwortlichen um Präsident Claudio Lotito und Trainer Simone Inzaghi mit Ausnahme von Felipe Anderson und Stefan de Vrij alle Schlüsselspieler halten können. Aktuell haben sich die Römer wieder an die Fersen des Spitzenquartetts geheftet und liegen auf Rang fünf nur einen Punkt hinter dem AC Mailand.

Auf dem kürzeren, wenn auch ungleich schwierigeren Weg ins Konzert der Großen einzuziehen, nämlich durch den Gewinn der UEFA Europa League, haben die „biancoceleste“ mit dem vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde ebenfalls einen kleinen Schritt gemacht, wenngleich nach dem überraschenden 0:2 bei Apollon Limassol der Gruppensieg nicht mehr möglich ist.

Ohnehin hatten die Hauptstädter in der Vergangenheit immer weniger mit der Spitze zu tun. Die italienische Supercup 2017 oder die Coppa Italia 2013 bildeten Ausnahmen und waren Balsam auf die Seele der stolzen Adler, die 1999 noch den Pokal der Pokalsieger, gewissermaßen der Vor-Vor-Gänger des aktuellen Wettbewerbs, abgeräumt hatten.

Formkurve

Dass „Le Aquile“ derzeit nicht sogar noch besser dastehen, hat auch damit zu tun, dass sie die vergangenen vier Spiele allesamt unentschieden gespielt hatten. Besonders die Punkteteilung zuletzt gegen Sampdoria Genua schlug schwer aufs Gemüt, als Ciro Immobile in der sechsten Minute der Nachspielzeit per Elfmeter schon zum vermeintlichen 2:1-Sieg getroffen hatte, ehe die Gäste in der neunten Minute der Zugabe spektakulär zum 2:2 ausglichen. In dieser wie so mancher vorangegangenen Begegnung rächte sich damit die mangelhafte Chancenverwertung, die im Vorjahr noch der große Trumpf der Weiß-Himmelblauen gewesen war, als sie mit 89 Buden die höchste Güte der Serie A darstellten.

Trainer

Simone Inzaghi leitet seit April 2016 die Geschicke bei S.S. Lazio. Der jüngere Bruder von Milan- und Juve-Legende Filippo Inzaghi gehört längst zum Vorzeigeinventar in der Ewigen Stadt. Der dreimalige italienische Nationalstürmer bestritt 133 seiner 186 Serie A-Spiele für S.S. Lazio und erzielte 29 Tore. Nach der Saison 2009/10 beendete er seine aktive Karriere bei den Römern. Direkt im Anschluss startete er im Lazio-Nachwuchs seine Trainerlaufbahn. Nachdem er im Frühjahr 2016 interimsweise die in Not geratene Lazio-Flotte übernahm, sitzt er seit der Saison 2016/17 fest hinterm Steuer und holte ein Jahr später am 13. August 2017 gleich die Supercoppa gegen Juventus Turin (3:2), den ersten Vereinstitel seit vier Jahren.

Taktiktafel

Das häufig praktizierte 3-5-1-1-System stellt sich in dieser Spielzeit oftmals eher als 3-5-2 dar, was an der grundsätzlichen Idee, in allen Feldbereichen ausreichend Präsenz auszustrahlen und nahtlose Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen zu schaffen, nichts ändert. Das technisch beschlagene Personal versteht es daraufhin, die einzelnen Angriffszonen geduldig zu bespielen und am Ende der Passzirkulationen Zielspieler Ciro Immobile einzusetzen. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass der Torschützenkönig der vergangenen Saison nicht nur in der Serie A bereits wieder zehnmal genetzt hat, sondern in dieser Spielzeit auch vermehrt als Vorbereiter in Erscheinung tritt. Vier Vorlagen sind Topwert in der UEFA Europa League.

Spieler im Fokus: Milan Badelj

Hierzulande ist Milan Badelj vor allem aus seiner Zeit ein gern gesehener Gast, weil der zentrale Mittelfeldspieler in vier Vergleichen mit den Hessen mit dem HSV nie gewinnen konnte. Dafür kratzte der 29-Jährige 2018 haarscharf am größtmöglichen Triumph vorbei, als er an der Seite von Ante Rebic mit Kroatien Vizeweltmeister wurde.

Auch ansonsten ist der fünfmalige kroatische Meister ein Inbegriff von Internationalität, indem er so viele Europapokalspiele absolviert hat wie kein anderer Teamkollege, insgesamt 79. Nachdem der Stratege 2012 seinen Heimatverein Dinamo Zagreb Richtung Hamburg verließ, zog es ihn 2014 weiter von der Elbe an den Stiefel zum AC Florenz, wo er sich in vier Jahren zum Führungsspieler entwickelte und in diesem Sommer den nächsten Schritt in die italienische Hauptstadt vollzog, wo er in dieser Saison auf elf Pflichtspiele kommt.

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