Gestern gab es die höchste Niederlage seit dem Supercup. Die Eindrücke nach Spielschluss ließen auf einen gegenteiligen Ausgang schließen. Aus guten Gründen.

Luka Jovic, Frankfurts Knipser vom Dienst, feiert bekanntlich heute seinen 21. Geburtstag. Ob am vierten Advent die Festtagslaune des serbischen Erfolgsgaranten mit den tosenden Ovationen des Publikums nach dem letzten Heimspiel gegen die Bayern mithält, kann nach dem 0:3 niemand erwarten. Aber vielleicht hilft dem mit zwölf Toren Führenden der Bundesliga-Torschützenliste, wenn er sich der Worte Peter Fischers vergegenwärtigt: „Die Fans haben ein gutes Gedächtnis. Alle sind auch nach einem 0:3 glücklich – das kann nur ein geiles Jahr gewesen sein“, verabschiedete sich der Präsident mit zwei lachenden Augen in die wohlverdiente Winterpause.

In der vorbehaltlich der Sonntagsspiele nach der ersten Saisonhälfte Platz fünf zu Buche steht. Fünf! Cheftrainer Adi Hütter mochte in seiner Analyse der letzten 90 Minuten 2018 zwar nichts beschönigen, traf es ganzheitlich aber auf den Punkt, als er als Zwischenfazit festhielt: „Wir sind von einem vermeintlichen Abstiegskandidaten zu einer Mannschaft gereift, die nationale und internationale Ansprüche hat. Auf beiden Ebenen hat sich das Team super präsentiert. Das begeistert mich und macht mir große Hoffnung für die Zukunft.“

Rasenschach der ansehnlichen Art

Die Gegenwart sah am stimmungsgewaltigen, von Flutlicht durchströmten Samstagabend nochmal anders aus, hob sich aber doch um Welten von der Vergangenheit, namentlich dem DFL-Supercup ab. Die zweite Rückkehr von Niko Kovac als Trainer des Gegners entwickelte sich zu einer taktisch höchst anspruchsvollen Gelegenheit, indem sich beide Seiten nicht versteckten, aufgrund des Gefahrenpotentials beider Offensivreihen dennoch um Balance bemüht waren und sich gegenseitig geschickt zustellten. Wodurch am Ende überschaubare 10:9 Torschüsse standen – die es aber zweifelsohne in sich hatten und bei den deutschen Nationaltorhütern Kevin Trapp und Manuel Neuer in sicheren Händen waren. Das erste Tor für die Bayern muss nicht unverdient gewesen sein, es hätte aber gerade mit Blick auf die erste Viertelstunde ebenso auf das Konto der Hessen gehen können. „Wir hätten in Führung gehen müssen. Gerade ich habe eine riesen Chance, die ich nutzen muss“, räumte hinterher Danny Da Costa selbstkritisch ein. Doch dem Dauerläufer fehlte im Endspurt wie einigen Akteuren die entscheidende Frische, um das Runde ins Eckige zu bugsieren. Ganz abgesehen von den personellen Ausfällen, mit denen natürlich auch der Rekordmeister zu kämpfen hat, unmittelbar vor dem Anpfiff noch Mats Hummels ersetzen musste – aber eben mit Jerome Boateng antwortete. „Wir sind nicht in der Lage, vier oder fünf Stammspieler zu ersetzen“, wusste Peter Fischer die Situation nach Spielschluss entsprechend einzuordnen.

Dieser Vielzahl von Ausfällen in Form von Abgängen hatte sich die Eintracht zuletzt im Sommer ausgesetzt gesehen. Und obwohl manch Protagonist des DFB-Pokal-Spektakels erhalten blieb, bleibt spätestens seit gestern festzuhalten: Eintracht Frankfurt hat sich emanzipiert. Niko Kovac: weg. Doppeltorschütze Ante Rebic: gestern angeschlagen. Wundersprinter Mijat Gacinovic: in der ersten Halbzeit verletzt ausgewechselt. Dagegen musste man den verbliebenen Kämpfern individuelle Handicaps zugutehalten: So hat Carlos Salcedo eine mehrmonatige Verletzungspause hinter sich, Simon Falette hat einmal mehr nicht enttäuscht, ist aber allein qua Erfahrung kein Makoto Hasebe und Evan Ndicka ist 19 Jahre jung, hat vergangene Saison noch in der französischen Ligue 2 gespielt und steckt noch am Anfang einer bislang bemerkenswerten Entwicklung. Symbolträchtig war deshalb gewissermaßen die Entstehung des 0:1 aus dem Nichts, an dessen Ende Franck Ribery goldrichtig stand. Als der 35-jährige Franzose 2007 nach Deutschland gekommen war, hatten bei den Adlern noch Marco Russ und Jan Zimmermann im Kader gestanden.

Weder der eine noch der andere griff gestern ins Geschehen ein, dennoch stand die Niederlage gegen den Rekordmeister im Zeichen der Altmeister. Und dem der Kleinigkeiten. An anderen Tagen springt der Ball wie vor dem 0:2 über den Innenpfosten wieder heraus anstatt ins Tor. Und eine verunglückte Flanke wie die von Rafinha vor dem 0:3 muss auch erstmal den Weg ins Gehäuse finden.

So stand am Samstagabend um 20 nach acht die höchste Niederlage seit dem Supercup, die nicht nur für Präsident Fischer „zu hoch“ ausfiel. Von der Tatsache, ohne Torerfolg geblieben zu sein, ganz zu schweigen. Schlussendlich: Das ungewöhnliche Ende eines außergewöhnlichen Jahres.

Teilen
Funktionen