Wer wollte, konnte das Freundschaftsspiel gegen Chemie Leipzig aus vielerlei Perspektive betrachten. Letztlich kamen alle auf ihre Kosten.

Das gestrige Fußballfest differenziert zu betrachten, würde keiner der bunten Frankfurter Facetten gerecht, zumal viele Grenze ohnehin verschwimmen und nicht losgelöst voneinander funktionieren. Deshalb erfolgt die Nachbetrachtung in möglichst chronologischer Order.

Spielpraxis

Dass Cheftrainer Adi Hütter nach zehn Pflichtspielen zwischen Ende Juli und Anfang September einigen Stammkräften eine Verschnaufpause gönnen würde, war die eine Seite. Wer die Medaille umdrehte und auf den Spielberichtsbogen münzte, sah vor allem die Chancen, die sich zahlreichen Akteuren boten: Lucas Torró durfte sich auf ungewohnter Position als zentraler Abwehrchef probieren und trug sich genauso in die Torschützenliste ein wie Erik Durm und Timothy Chandler. Die beiden Außenverteidiger begannen einmal mehr entgegen ihrer angenommenen Ursprungsposition: Eigengewächs Chandler links, Weltmeister Durm rechts. Beide nutzten ihren Zug nach vorne, um vor und nach der Pause gekonnt nach innen zu ziehen und einer frecher als der andere den Leipziger Torhüter zu übertölpeln. „Ich habe das im Training schon öfter versucht“, ließ Chandler hinterher keinen Zweifel an der gewollten Bogenlampe ins lange Eck, die alles andere als ein Zufallsresultat einer verunglückten Flanke war.

Außerdem glänzten beide Flügel mit einem Assist. Der letzte von Durm auf André Silva. Der Neuzugang feierte vier Tage nach seiner Verpflichtung sein (Startelf-)Debüt für die Eintracht, markierte sowohl den Start- als auch den Schlusspunkt. Zudem konnte sich der Portugiese erstmals mit Sturmpartner Bas Dost vertraut machen. „Es tat gut, erstmals über 90 Minuten zu spielen“, freute sich auch Rekonvaleszent Djibril Sow, der im Mittelfeld neben Talent Sahverdi Cetin die Fäden zog.

Spende

Auch außerhalb des Platzes gab es viele Gewinner. Der größte mit Sicherheit die Gäste von der BSG Chemie Leipzig auf ihrer Mission „Flutlicht für Leutzsch“. Bereits im Vorfeld hatte festgestanden, dass die Einnahmen des zweiten Aufeinandertreffens nach 2016 – damals in Leipzig, gestern am Bornheimer Hang – an den Regionalligisten fließen würden. Allein die rund 9.000 Besucher hatten die Erwartungen aller übertroffen. Als dann aber Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann in der Halbzeitpause die aufsummierte Spende in Höhe von 100.000 Euro verkündete, kannte der Jubel auf beiden Seiten keine Grenzen mehr. Hellmann schwärmte nach offiziellem Spielschluss selbst von „einem Fußballspiel in seiner puristischen Form“, also ohne überdimensionierten Showeffekte, sondern der Konzentration aufs Wesentlich: Dem Sport und seinen Akteuren wie Anhängern im Mittelpunkt. Freilich beruhte die große Wertschätzung auf Gegenseitigkeit und so überbrachten die Sachsen in Person des Vorstandsvorsitzenden Frank Kühne ein ulkiges Duo-Vehikel, fanfreundschaftlich in Schwarz und Grün lackiert, mit dem Adlerkopf an der Spitze. Auf dass die seit 15 Jahren andauernde Freundschaftsfahrt weiter gehen möge.

Stimmung

Daran bestand vor, während und lange nach Spielschluss kein Zweifel. Die beiden Fanlager feierten sich und ihre Gegenüber abwechselnd selbst, auch Haupt- und Gegentribüne ließen sich nicht lange bitten. Noch weit nach dem sportlichen Treiben standen die Anhänger auf ihren Plätzen, zelebrierten fast eine Dreiviertelstunde lang ihre dritte Halbzeit. Bezeichnend, als sich Vertreter der Chemiker über die weite Wiese in Richtung Frankfurter Kurve begaben und sich mit ihren Pendants aus Hessen verbrüderten, die seit über 15 Jahren währende über Ligen und Bundesländer hinweg Verbundenheit demonstrierten. Auch das ist Fußball. Das ist BSGE. Das ist Eintracht.

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