Eintracht Frankfurt meldet verletzungsfrei! Denn seit vergangenen Freitag mischt auch Nils Stendera wieder voll mit.

Erst am Montag hatte Adi Hütter den starken Fitnesszustand seiner Belegschaft hervorgehoben. Trotz oder wegen der Quarantäne, ist dabei unerheblich. Jedenfalls hätten „die Jungs nicht nur 14 Tage auf der Couch gelegen und PlayStation gespielt, sondern ihr Programm zu 100 Prozent durchgezogen.“ Zum gelobten Gros darf sich auch Nils Stendera zählen, der sich nach langwierigen Leistenproblemen, „die mich seit der Jugend begleiten“, wieder bereit meldet. „Natürlich kann ich noch nicht bei 100 Prozent sein. Wichtig ist für mich deshalb in erster Linie, über einen längeren Zeitraum beschwerdefrei zu bleiben“, verfolgt das Eigengewächs eine Politik der kleinen Schritte. Umso größer sind wiederum Ehrgeiz und Aufwand des defensiven Mittelfeldspielers, „speziell im physischen Bereich noch mehr zu arbeiten: Stabilisation und Mobilisation.“ Das habe ihm auch Bruder Marc Stendera, der bis 2019 neun Jahre den Adler auf der Brust getragen hat, immer wieder geraten. Entsprechend war die Erkenntnis für den 19-Jährigen, mit welcher Körperlichkeit es im Männerbereich zur Sache geht, nicht neu: „Ich wusste was auf mich zukommt“, bestätigt die Nummer 26.

Extraschichten schiebt der Teenager derzeit Wochenende für Wochenende an der PlayStation – nicht zu Hause auf der Couch, sondern im Namen der Eintracht während der virtuellen Bundesliga Home Challenge. Nach zwei Spieltagen stehen an der Seite von eSports-Profi Andi Gube im Gesamtergebnis ein Sieg und eine Niederlage. „Bei uns im Team spielen das nicht so viele, deshalb fiel die Wahl vielleicht als einen der Jüngsten auf mich“, vermutet Stendera, der die Rolle des Kapitäns annimmt, wenngleich er lachend darauf verweist, dass dies mehr eine Formalie und erst recht nicht mit dem Amt des Spielführers einer Mannschaft zu vergleichen sei. Als letztjähriger Capitano der A-Jugend muss er’s wissen. Genauso ist dem Jungprofi bewusst, dass seine Rolle bei den Lizenzspielern wieder eine andere ist: „Es ist normal, dass wir als Jüngste die Bälle und Tore tragen.“ Bei allem Einsatz findet Stendera wie vor wenigen Wochen Zeit für ruhige Minuten, als er spontan die auf dem Nebenplatz trainierende Fußballschule besuchte, um seinen alten Jugendtrainer Uwe Bindewald zu begrüßen. Einige herzliche Worte später war Stendera in das nächste Cyberprojekt involviert: Die virtuelle Fußballschule, die per Videoclips Tipps und Tricks für Individualtraining jeder Art vermittelt.

Heimatverbunden und zukunftsorientiert

Aus der Verbundenheit zu alten Weggefährten macht Stendera keinen Hehl: „Ich besuche, sofern es die Zeit zulässt, weiter die Heimspiele der U19 und U17. Neulich war ich auch mal wieder im Internat“, das immerhin fünf Jahre sein Zuhause war. „An einem Essen in der DIVA komme ich dann auch selten vorbei“, lässt Stendera auch das Vereinsrestaurant nicht aus. Überhaupt: „Der Kontakt zum Riederwald ist unverändert da. Und ich denke, das wird auch immer so bleiben.“

Wer die Entwicklung von Nils Stendera noch weiter zurückverfolgt, landet unweigerlich beim KSV Hessen Kassel, bei dem Stendera vor seiner Ankunft am Riederwald die ersten Schritte als Fußballer gegangen ist. „Natürlich verfolge ich die Entwicklung in Kassel. Nicht nur, weil ich von dort stamme, sondern weil auch ehemalige Teamkollegen von mir beim KSV spielen“, stimmen den jungen Mann die möglichen Auswirkungen auf Fußballvereine infolge der SARS-CoV-2-Pandemie nachdenklich. Darüber hinaus betreffe dies aber nicht allein Amateurklubs wie den Hessenligisten, „sondern auch höherklassige Vereine bis in den Profibereich hinein“, zeigt sich Stendera auf der Höhe des Geschehens.

Wenn er der Situation, wenn auch mit gemischten Gefühlen, einen Vorteil abgewinnen kann, dann den, sich in Ruhe in Topverfassung bringen zu können. „Die individuellen Einheiten kommen mir auch entgegen, entscheidend ist, die Tipps der Trainer anzunehmen.“ Die Mentalität scheint damit über alle Zweifel erhaben, die Körperlichkeit benötigt naturgemäß einfach Zeit. „Und fußballerisch, das sage ich auch den Jungs aus der U19, die bei uns reinschnuppern, müssen wir uns nicht verstecken. Sonst wären wir nicht hier.“

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