Unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann spielt Leipzig groß auf. Enormen Anteil an dem Erfolg hat neben dem Coach auch der unheimlich treffsichere Timo Werner.

Situation

Leipzig könnte tabellarisch kaum besser dastehen. In der Liga belegen die Sachsen seit dem 15. Spieltag den ersten Platz und haben momentan vier Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger FC Bayern München. Im DFB-Pokal sind sie mit einem 6:1-Kantersieg beim VfL Wolfsburg in die nächste Runde eingezogen, in der sie ebenfalls auf Eintracht Frankfurt treffen. Und auch in der UEFA Champions League sind die Bullen mit elf Punkten auf Platz eins aus der Gruppenphase hervorgegangen und treffen nun im Achtelfinale auf Tottenham Hotspur. Der neue Trainer Julian Nagelsmann konnte der Mannschaft neue Impulse geben und sie deutlich vielseitiger machen. Die Leipziger sind nicht mehr nur eine reine Umschaltmannschaft, sondern haben auch längere Ballbesitzphasen in ihrem Spiel. Das macht sie unberechenbarer und damit auch erfolgreicher.

Formkurve

Die Roten Bullen starteten ergebnismäßig wunschgemäß in die Saison. Mit drei Siegen gegen Union Berlin (4:0), Eintracht Frankfurt (2:1) und Borussia Mönchengladbach (3:1) und einem 1:1 gegen den FC Bayern hätte Julian Nagelsmann sich seinen Start bei den Sachsen kaum besser vorstellen können. Und auch im Europapokal starteten sie mit einem 2:1-Erfolg gegen SL Benfica, gefolgt von einem souveränen Sieg gegen Werder Bremen (3:0) in der Liga. Der FC Schalke 04 läutete dann aber die einzige kleine Schwächephase der Leipziger in dieser Saison ein. Mit 1:3 verlor Leipzig gegen die Königsblauen. International unterlagen sie Olympique Lyon mit 0:2, in den darauffolgenden Bundesligapartien gegen Leverkusen und Wolfsburg kamen sie jeweils nicht über ein 1:1 hinaus. Hoffnung gab dann der 2:1-Erfolg gegen Zenit St. Petersburg in der Königsklasse, doch der SC Freiburg machte den Bullen einen Strich durch die Rechnung und bezwang sie mit 2:1. Erst der klare Sieg im DFB-Pokal gegen Wolfsburg (6:1) brachte RBL wieder in die Spur. In der Bundesliga folgten acht Siege und ein 3:3 gegen Borussia Dortmund. Aktuell sind sie der Gradmesser der Liga und automatisch Titelkandidat.

Trainer

Julian Nagelsmann ist in aller Munde und bei den Medien ein gefragter Interviewpartner. Grund dafür ist nicht nur sein für einen Profitrainer außerordentlich junges Alter. Der 32-jährige Fußballlehrer macht einfach einen sehr guten Job und beweist sein ihm nachgesagtes großes Talent eindrucksvoll. Bereits in Hoffenheim, wo er von 2016 bis 2019 Trainer der Profis war, vollbrachte er mit seinen Teams konstant gute Leistungen, konnte die abstiegsbedrohte TSG stabilisieren und sogar bis in die Champions-League-Qualifikation führen. Dem in Landsberg am Lech geborenen Coach blieb der Durchbruch als Profifußballer verwehrt, weshalb er schon im Alter von 20 Jahren eine Laufbahn als Trainer begann. Zunächst war er als Co-Trainer unter Alexander Schmidt und Ivica Erceg in der U17 des TSV 1860 München tätig, ehe er zur Saison 2010/11 zur TSG Hoffenheim wechselte und dort ebenfalls als Co-Trainer unter Xaver Zembrod arbeitete. Ein Jahr später übernahm er die alleinige Verantwortung der U17. Zum Jahresbeginn 2013 durfte er dann schon Profiluft schnuppern, als er unter Marco Kurz und später auch unter Markus Gisdol als Co-Trainer arbeitete. Nach einem halben Jahr übernahm er die U19 der Kraichgauer. Dort blieb er für knapp drei Jahre, ehe er zum Cheftrainer der Profimannschaft befördert wurde. Seit dieser Spielzeit leitet er die Geschicke in Leipzig.

Taktiktafel

Julian Nagelsmann setzt bei den Leipzigern meist auf das dort altbewährte, leicht modifizierte 4-4-2, wobei er zuletzt gegen Union Berlin ein 4-2-3-1 aufbot. Die Viererkette bestand aus Marcel Halstenberg, Dayot Upamecano, Lukas Klostermann und Nordi Mukiele. Aufgrund der langfristigen Verletzungen von Willi Orban und Ibrahima Konaté musste der gelernte Rechtsverteidiger Klostermann in der Zentrale aushelfen, was ihm aber gelang. Davor spielte eine Doppelsechs, die von Tyler Adams und Konrad Laimer besetzt wurde. An Stelle von Adams war dort bislang immer Diego Demme gesetzt, der vor kurzem aber nach Neapel wechselte. Der US-Amerikaner Adams soll die Lücke schließen. Er fiel aufgrund einer Adduktorenverletzung die gesamte Hinrunde aus und möchte nun voll angreifen. Die Offensive der Leipziger ist sehr variabel. Zuletzt wirbelten vorne Christopher Nkunku, Marcel Sabitzer, Timo Werner und Patrik Schick. Allerdings hat Nagelsmann hier mit Emil Forsberg, Yussuf Poulsen, Matheus Cunha, Ademola Lookman und Hannes Wolf noch einige Alternativen. Taktisch ist der Herbstmeister somit sehr flexibel. Je nach Spielstand und Situation reagiert Leipzig und verändert die Herangehensweise. Mal pressen die Leipziger sehr hoch und stören den Gegner beim Spielaufbau, mal ziehen sie sich etwas zurück und lassen den Gegner kommen. Mal spielen sie auf Konter und mal lassen sie den Ball in den eigenen Reihen laufen und warten, bis sich eine Lücke auftut.

Spieler im Fokus: Timo Werner

Würde Timo Werner am Samstag treffen, hätte er den Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1972/73 eingestellt. Nach 19 Spieltagen 21 Tore schaffte seitdem niemand mehr. Mit aktuell 20 Toren aus 18 Spielen steht Timo Werner ganz oben in der Torjägerliste der Bundesliga. Nur Robert Lewandowski hat ebenso viele. Im internationalen Vergleich muss er sich aktuell nur dem Ex-Dortmunder Ciro Immobile von S.S. Lazio geschlagen geben, der schon 23 Mal zuschlug, allerdings bei einem Spiel mehr. Der 23-jährige Angreifer scheint unter Julian Nagelsmann einen weiteren, großen Entwicklungsschritt gegangen zu sein. Schon in den vergangenen Jahren war er immer ein Torgarant der Leipziger, doch in dieser Saison übertrifft er seine vorherigen Leistungen um Längen. Nagelsmann machte aus dem reinen Umschaltspieler einen variabel einsetzbaren Offensivakteur. Mal kommt er mit seinem enormen Tempo über außen, mal bietet er sich in der Mitte als Anspielstation an und sucht das Kombinationsspiel mit seinen Teamkollegen. Diese Variabilität macht ihn für seine Gegenspieler unberechenbar und noch schwieriger zu verteidigen.

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