Für den neuen SGE-Cheftrainer Adi Hütter sind die Tage in den USA spannend. Ein neues Team, eine fremde Umgebung und viele Trainingseinheiten.

Adi, wie fällt dein Fazit für die ersten Tage des Trainingslagers aus?
Es ist sehr spannend, so eine USA-Reise zu machen. Wir finden hier optimale Bedingungen vor, die Plätze sind klasse, das Essen ist super, die Unterbringung und die Krafträume sind sehr gut, und die Mannschaft zieht auch top mit. Ich bin rundum zufrieden.

Wie ist denn dein Eindruck von der Mannschaft? Hast du auch schon Einzelgespräche geführt?
Selbstverständlich. Ich habe vorher gesagt, dass ein Trainingslager ein optimaler Zeitpunkt ist, um den Spielern näher zu kommen. Damit meine ich nicht nur die Arbeit auf dem Trainingsplatz, sondern dass man auch mal danach zusammensitzt. Ich habe schon längere Gespräche mit Marco Russ und Timothy Chandler geführt. Mit David Abraham saß ich schon in Frankfurt zusammen. Diese Zeit hier möchte ich nutzen, um nicht nur die Spieler, sondern auch die Menschen dahinter besser kennenzulernen.

Worauf setzt du den Fokus in den nächsten Tagen?
Ich würde gerne, dass wir das ein oder andere schon umsetzen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, wie wir Fußball spielen wollen. So soll meine Spielidee reifen. Natürlich müssen wir auch ein bisschen härter trainieren, dass die Spieler die kompletten 90 Minuten durchziehen können. Das heißt, wir werden auch ab und an länger trainieren und Krafteinheiten miteinbauen. Trotzdem werden wir viel mit dem Ball arbeiten, sodass die Jungs Spaß am Training haben.

Es gibt einen Trainingsgast in diesen Tagen. Was sagst du zu Allan Souza?
Das Videomaterial, das ich gesehen habe, empfand ich als sehr spannend. Deswegen haben wir ihn eingeladen. Fredi Bobic hat sich mit Jürgen Klopp ausgetauscht, da der Spieler Jürgen sehr am Herzen liegt. Ich erachte ihn als spannenden Akteur, er hat eine unglaubliche gute Technik, gute Übersicht und jede Menge Potenzial.

Du hast bei deiner Vorstellung in Frankfurt gesagt, dass für dich mit dem Wechsel ein Traum wahr geworden ist. Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der Schweizer Liga und der Bundesliga?
Nach knapp einer Woche ist das noch schwierig zu beantworten. Es ist aber so, dass in Deutschland der Fußball eine Kultur ist. In der Schweiz und Österreich ist das nicht immer der Fall, auch wenn die Young Boys Bern ganz tolle Fans haben. Ich freue mich bereits auf den neuen Modus der Bundesliga, da wir in Österreich und in der Schweiz immer vier Mal gegeneinander gespielt haben. Da sieht man sich etwas satt nach einer Zeit.

Du hast die Young Boys Bern nach drei Jahrzehnten zum Meistertitel geführt. Was waren deine größten Erfolgsfaktoren?
Das wir die Mannschaft so geformt haben, dass es am Ende eine richtige Einheit war. Es war eine sehr gute Mischung aus erfahrenen Spielern, die noch hungrig waren, und sehr jungen und ambitionierten Akteuren. Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen nicht immer Zweiter werden. Am Ende wurden wir mit 15 Punkten vor dem FC Basel Meister - das war eine außergewöhnliche Leistung des Teams.

Hast du Vorbilder, an denen du dich orientierst oder vielleicht als Spieler orientiert hast?
Als Spieler damals vielleicht noch eher als jetzt. Wobei ich stets andere Trainer beobachte, wie sie spielen oder wie sie Interviews geben. Ich habe unheimlich Spaß daran, kompletten Trainern zuzuschauen. Da kann ich auch selbst das ein oder andere mitnehmen. Am Ende möchte ich aber meinen eigenen Weg gehen, und bisher bin ich damit gut gefahren.

Wusstest du schon als Spieler, dass du mal Trainer werden willst?
In den jungen Jahren noch nicht. Als ich mit 26 Jahren Kapitän geworden bin und mehr Verantwortung übernommen habe, da reifte langsam so der Gedanke. Am Ende der Karriere habe ich mir auch meine Gedanken macht, was ich nach der aktiven Zeit arbeiten möchte. Und dann habe ich zu mir gesagt: Mache deinen Trainerschein und probiere es einfach. Ich habe relativ schnell erkannt, dass Trainer und Spieler zwei unterschiedliche Berufe sind. Aber es hat mir von Anfang an viel Spaß bereitet.

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