2014 wurden sie gemeinsam Weltmeister, beide kennen sie den englischen Fußball. Am Donnerstagabend treffen Erik Durm und der in Hessen aufgewachsene Skhodran Mustafi mit ihren Vereinen aufeinander.

Gude Erik, hi Skhodran! Erinnert ihr euch noch an euer erstes Treffen?
Mustafi: Da muss ich etwas überlegen, weil es noch zu Zeiten bei der Juniorennationalmannschaft war. Deshalb kann ich den exakten Moment gar nicht mehr benennen.

Durm: Das war bei den U19-Junioren, als wir in der Türkei um die Qualifikation für die Europameisterschaft gespielt haben. Ich war das erste Mal dabei, während Musti zuvor fast alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hatte.

Mustafi: Stimmt! Ich weiß aber noch, dass er dort sofort zwei, drei Tore erzielt hat und ich gleich der Meinung war: Dieser Angreifer aus Mainz ist ein echter Knipser, der aus dem Nichts für Treffer gut war.

Durm: Ja, zu dieser Zeit habe ich noch Stürmer gespielt.

Wie würdet ihr den jeweils anderen beschreiben?
Mustafi: Erik ist ein sehr offensiv ausgerichteter Außenverteidiger, nicht nur defensiv denkt, sondern die ganze Seite bearbeitet. Wie gesagt habe ich ihn in den U-Mannschaften als Angreifer kennengelernt, das steckt bis heute noch in gewissem Maße in ihm drin. Wenn er nach vorne geht, dann immer zielstrebig, mit der klaren Idee, etwas bewirken und nicht nur die Position besetzen zu wollen.

Durm: Ich halte Musti für einen sehr witzigen Typen, einen riesen Familienmensch, sehr höflich und freundlich. Nicht zuletzt hat er eine hohe Affinität zu Autos.

Ihr wurdet in Brasilien zusammen Weltmeister. Welche Erinnerungen verbindet ihr mit 2014?
Mustafi: 2014 war für mich ein sehr verrücktes Jahr. Ich war zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft dabei und kurze Zeit später im vorläufigen 27er-Kader für das Trainingslager, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Nachdem ich als einer von vier Akteuren zunächst zuhause bleiben musste, hat sich leider Marco Reus im letzten Testspiel vor der WM verletzt. Insofern war die Nachnominierung für mich dennoch überraschend, weil Marco ein Offensivspieler ist und ich eher defensiv bin. Auch als nominell 23. Spieler habe ich mir keine großen Einsatzchancen ausgerechnet. Als aber der Bundestrainer meine Trainingsleistungen gelobt und angekündigt hatte, ich solle mich für einen etwaigen Einsatz bereithalten, war ich umso motivierter. Und im ersten Vorrundenspiel gegen Portugal wurde ich prompt eingewechselt, ebenso gegen Ghana. Im Achtelfinale gegen Algerien stand ich zu meiner Überraschung plötzlich in der Startelf. Der Weltmeistertitel hat dem Ganzen natürlich die Krone aufgesetzt. Ich habe hinterher einige Zeit benötigt, um all die Erlebnisse in jenem Jahr überhaupt zu realisieren, Teil einer Mannschaft gewesen zu sein, die den vielleicht größten Fußballtitel überhaupt gewonnen hat.

Durm: Durchweg positive! Es war für mich das Karrierehighlight überhaupt. Ich habe sehr schöne Momente mit der Mannschaft, aber auch danach mit der meiner Familie erleben dürfen. Ich habe es sehr genossen, das mitzuerleben, mit den Jungs zu trainieren. Das nimmt mir keiner mehr und darauf bin ich stolz.

Erik, was erwartest du am Donnerstagabend für ein Spiel, auch vor dem Hintergrund eines möglichen Wiedersehens mit Shkodran?
Durm: In erster Linie eine sehr laufintensive und körperbetonte Partie, in der es Schlag auf Schlag gehen wird. Arsenal hat eine super Mannschaft, wir ebenso. Sie verfügen über enormes Tempo, gerade in den Offensivreihen. Aber auch wir verstecken uns nicht und möchten die drei Punkte holen. Wenn Musti spielt, wünsche ich ihm vor allen Dingen, dass er verletzungsfrei bleibt. Gesundheit ist immer das Wichtigste.

Wie würdet ihr den deutschen und den englischen Fußball vergleichen?
Durm: Für mich zählen die Bundesliga und die Premier League zu den beiden stärksten Ligen in Europa. Sie unterscheiden sich vor allem im physischen Bereich, allein was die körperliche Statur der Spieler angeht. Darüber hinaus spielen in England sehr viele Superstars, die es zwar auch in Deutschland gibt, wenn auch nicht in dieser Dimension. Auch die Fankultur ist verschieden.

Mustafi: Ich habe zwar nie in der Bundesliga gespielt, verfolge den Wettbewerb aber natürlich. Außerdem habe ich schon in Spanien und Italien gespielt und kann daher sagen, dass die Premier League im Vergleich sehr schnell und körperbetont geworden ist. Jede Mannschaft verfügt über Topspieler. Vor allem ist es gegen jedes Team unheimlich schwer zu gewinnen, ob zuhause oder auswärts, weil alle ihre eigene spielerische Identität haben, auf diese setzen, sich weniger nach dem Gegner richten und auf ihre eigenen Stärken setzen.

Shkodran, wie hast du die Entwicklung der Eintracht in den vergangenen Jahren wahrgenommen?
Mustafi: Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass Eintracht Frankfurt eine genaue Vorstellung davon hat, welchen Fußball sie spielen wollen. Sie haben eine Spielidee mit Wiedererkennungswert. Erik passt dort mit seinen Anlagen sehr gut rein.

Erik, wie siehst du das nach deinem Jahr in Huddersfield?
Durm: Ich muss auch sagen, dass die Wahrnehmung extrem positiv ist! Gerade die Spielweise mit hohem Pressing und Gegenpressing, dazu immer wieder Konter zu setzen, insgesamt das körperbetonte Spiel, kommen in England sehr, sehr gut an. Dasselbe gilt für die Unterstützung der eigenen Anhänger.

Welche Erfahrungen hast du in der Vergangenheit mit Arsenal gemacht?
Durm: Ich habe mit Dortmund ein paar Mal in der Gruppenphase der Champions League mit ihnen zu tun gehabt. Die Begegnungen waren immer sehr eng, die Atmosphäre im Stadion gut. Meine Erfahrungen waren insgesamt positiv. Mit Huddersfield dagegen eher weniger, weil wir als Underdog kaum eine Chance hatten. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Frankfurt dagegenhalten können und unsere Möglichkeiten erhalten werden.


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