Am Montag gab er sein Startelfcomeback. Lucas Torró meldet sich auf der Zielgeraden zurück – gestern mit Taten, heute mit Worten.

Lucas, wie bewertest du das Ergebnis in Wolfsburg mit einem Tag Abstand?
Wir wussten, dass uns eine schwere Aufgabe bevorstehen würde, auch weil bereits viele Spiele hinter uns liegen. Wir haben versucht, uns durch das Spiel zu kämpfen. Der Sieg war zum Greifen nah. Deshalb ist es am Ende schade, dass es nicht zu drei Punkten gereicht hat. Insgesamt ist das Ergebnis aber leistungsgerecht. Wichtig war, dass wir als Mannschaft bewiesen haben, trotz der hohen Belastung bis zum Ende dagegenhalten zu können. Diese Marschroute ist für die verbleibenden vier Ligaspiele alternativlos. Wir haben unser Schicksal in der eigenen Hand.

Für dich war es nach einem halben Jahr das erste Pflichtspiel von Beginn an.
Nach sechs Monaten ohne Spielpraxis war es natürlich nicht einfach, gegen einen heimstarken und robusten Gegner wie den VfL Wolfsburg zu spielen. Ich hatte aber das Gefühl, für diese Aufgabe zuvor gut und hart trainiert und die Zeit bestmöglich genutzt zu haben. Entsprechend wollte ich die Chance gestern nutzen. Und eines ist auch klar: Rhythmus erhält man nur über Spiele. Insofern bin ich froh, die vollen 90 Minuten absolviert zu haben.

In denen bis kurz vor Schluss die Null stand. Was lief vor dem Ausgleichstreffer falsch?
Wir wissen, dass wir vor dem Ausgleichstreffer nicht gut gestaffelt waren. Der Ballverlust hat zum Konter geführt, den wir nicht mehr unterbinden konnten. Aber das gehört zum Fußball dazu. Entscheidend ist, dass wir unsere Fehler korrigieren und uns dadurch verbessern.

Hand aufs Herz: Wie viel habt ihr noch im Tank?
Meine Kollegen spielen seit Wochen auf einem höchst intensiven Niveau. Wolfsburg war sicher frischer, hatte dazu den Heimvorteil auf seiner Seite. Aber auch unter diesen Umständen haben wir uns nach Kräften gewehrt und Energie auf den Platz gebracht. Für mich persönlich gilt es, Fahrt aufzunehmen und das Team unterstützen zu können. Uns steht bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen bevor, die Liga ist hart umkämpft. Das Selbstvertrauen ist da.

Dafür fehlt seit Wochen Sébastien Haller. Was fehlt der Mannschaft ohne ihn?
Natürlich ist er ein wichtiger Spieler für uns. Er nimmt viel Druck von der Mannschaft, weil er vorne Bälle halten und behaupten kann. Seine Fertigkeiten stünden jeder Mannschaft gut zu Gesicht. Aber zum Glück verfügen wir über mehrere starke Stürmer, Goncalo Paciencia kommt immer besser in Fahrt. Insgesamt verfügen wir über eine starke Mannschaft. Es kommt darauf an, dass alle in der Lage sind, Leistung zu bringen.

Du hast mit deinem Kopfballtor in Marseille gewissermaßen den Sturmlauf durch Europa eröffnet. Welchen Anteil schreibst du dir in dieser Saison zu?
Als es mir gut ging, habe ich die meisten Spiele bestritten und hatte den Eindruck, immer besser geworden zu sein. Ich hatte das Gefühl, eine gute Entwicklung zu nehmen, deswegen war es schade, dass die Verletzung dazwischenkam. Nichtsdestotrotz spüre ich damals wie heute uneingeschränktes Vertrauen. Jenes Niveau möchte ich wieder erreichen und mich darauf aufbauend dann weiterentwickeln.

Nach bald einer Saison in Deutschland: Welchen Eindruck hast du von der Bundesliga?
Alles in allem unterscheidet sich der Fußball in Deutschland sehr von dem in Spanien. Hier geht alles viel direkter zu. Die Spiele sind rasanter, die Mannschaften suchen schneller den Abschluss. Daher steckt sehr viel Dynamik, Intensität und Tempo in den Begegnungen. Das macht die Attraktivität der Liga aus, wozu auch wir unseren Teil beitragen. Ich betrachte unsere Spielweise als stellvertretend für das Image der Bundesliga.


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