Nach dem Abgang von Julian Nagelsmann versucht Nachfolger Alfred Schreuder die Arbeit des Jungtrainers fortzuführen. Keine leichte Aufgabe.

Situation

Die TSG Hoffenheim konnte die Hinrunde auf dem siebten Platz beenden. Durch einen 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund überwinterten die Kraichgauer somit in Schlagdistanz zu den Europapokalrängen. Das ist insofern beachtlich, als die Sinsheimer im Sommer einem regen Personalwechsel ausgesetzt waren. Neben Abgängen von einigen Leistungsträgern, wie Joelinton (Newcastle United), Nadiem Amiri, Kerem Demirbay (beide Bayer Leverkusen) und Nico Schulz (Borussia Dortmund), sorgte vor allem der bereits länger festgestandene Wechsel von Trainer Julian Nagelsmann nach Leipzig für mulmige Gefühle, immerhin hatte er aus der abstiegsbedrohten TSG in kürzester Zeit einen Anwärter auf die internationalen Wettbewerbe geformt. Momentan sieht es ganz danach aus, als würde sein Nachfolger Alfred Schreuder jenen Weg fortsetzen können. Die Möglichkeiten, sich für die UEFA Europa oder gar Champions League zu qualifizieren, unterstreichen nicht zuletzt zwei 2:1-Siege gegen die Topvereine aus München und Dortmund.

Formkurve

Allerdings ist die Form der Kraichgauer sehr schwankend. Nach einer 0:1-Niederlage am ersten Spieltag gegen die Eintracht konnten die Sinsheimer Werder Bremen schlagen (3:2). Es folgten ein Unentschieden gegen Bayer Leverkusen (0:0), eine Niederlage gegen den SC Freiburg (0:3), ein Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg (1:1) sowie eine Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach (0:3). Dann startete das Team von Alfred Schreuder eine Siegesserie und gewann gegen Bayern München (2:1), Schalke 04 (2:0), Hertha BSC (3:2), den MSV Duisburg im DFB-Pokal (2:0), den SC Paderborn (3:0) und den 1. FC Köln (2:1), ehe eine herbe 1:5-Klatsche gegen den 1. FSV Mainz der Euphorie ein jähes Ende setzte und drei weitere sieglose Spiele in Serie folgten: 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf, 1:3 gegen Leipzig, 2:4 gegen den FC Augsburg. Kurz vor der Winterpause ging es mit dem 2:0 gegen Union Berlin und erst recht dem 2:1 gegen den BVB wieder bergauf.

Trainer

Für Alfred Schreuder ist das Amt bei der TSG Hoffenheim erst die zweite Station als Cheftrainer eines Profivereins. Die meiste Zeit seiner bisherigen Trainerlaufbahn fungierte der Niederländer als Co-Trainer. In der Saison 2008/09 fing er beim niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim unter Theo Bos an. Im Sommer 2009 heuerte Schreuder beim FC Twente Enschede an. Dort war er als Assistent bis 2014 unter Steve McClaren, Michel Preud’homme, Michel Jansen und Co Adriaanse tätig. Zur Saison 2014/15 übernahm er schließlich den Cheftrainerposten bei Twente. Ein Jahr später wurde der gebürtige Barnevelder Co-Trainer bei der TSG Hoffenheim. Zunächst unter Huub Stevens und dann unter Julian Nagelsmann. Im Januar 2018 zog es ihn wieder nach Holland zurück. Schreuder ging zum niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam, als Co-Trainer von Erik ten Hag. Dort erlebte er in der letzten Saison eine fantastische Spielzeit, vor allem in der UEFA Champions League, als Ajax bis ins Halbfinale vordrang und nur äußerst unglücklich gegen Tottenham ausschied. Erfahrungen, die ihm beim nächsten Schritt in Deutschland sicher nicht von Nachteil sein werden.

Taktiktafel

Alfred Schreuder scheint sein Spielsystem aber noch nicht endgültig gefunden zu haben. Er ließ seine Mannschaft in der laufenden Saison schon sieben unterschiedliche Formationen spielen. In den vergangenen zwei Spielen setzte er auf ein klassisches 4-3-3, was bekanntlich auch von Erfolg gekrönt war. Dabei stand gegen den BVB Torhüter Oliver Baumann zwischen den Pfosten. Der ist nun aber verletzt und wird wohl einen Großteil der Rückrunde verpassen. Womöglich wird dafür Philipp Pentke mit 34 Jahren sein Bundesligadebüt feiern. Mit der Verpflichtung von Michael Esser von Hannover 96 haben die Verantwortlichen eine weitere Alternative verpflichtet. Die Innenverteidigung davor bildeten zuletzt Kapitän Benjamin Hübner und Havard Nordtveit. Sebastian Rudy gab den für ihn eher ungewohnten Rechtsverteidiger und der Däne Robert Skov den Linksverteidiger, für den gelernten Rechtsaußen eine gänzlich neue Rolle. Auf der Sechs dirigierte Florian Grillitsch, der unter Schreuder fast immer gesetzt ist. Die beiden Achter waren Diadie Samassékou und U21-Nationalspieler Dennis Geiger. Den rechten Flügel beackerte der schnelle Ihlas Bebou, über links kam der 20-jährige Christoph Baumgartner, den Mittelstürmer gab Andrej Kramaric.

Ob der Winterneuzugang Munas Dabbur schon eine Option für die Startelf sein wird, bleibt abzuwarten. Auch die Grundformation ist schwer vorherzusehen, wobei sich das 4-3-3 nach den jüngsten Eindrücken natürlich anböte.  

Spieler im Fokus: Munas Dabbur

Der Israeli kam erst am 7. Januar vom FC Sevilla zu den Kraichgauern und unterschrieb einen Vertrag bis 2024. Der 27-jährige Stürmer wurde in Spanien nicht glücklich. Im Ligabetrieb spielte er unter Sevillas Coach Julen Lopetegui keine Rolle. Einzig in der UEFA Europa League kam er regelmäßig zum Einsatz. In sechs Spielen schoss er drei Tore und gab zwei Vorlagen. Das genügte Dabbur aber nicht, weshalb er nur ein halbes Jahr nachdem er in die andalusische Hauptstadt wechselte, diese wieder verließ. Nun möchte er in Sinsheim an seine Leistungen aus der vergangenen Saison, als er noch in Diensten aus Salzburg war, anknüpfen. Dort konnte er in 48 Partien 37 Tore erzielen und weitere 16 Treffer auflegen. Angefangen hatte die Karriere von Dabbur in der Jugend von Maccabi Ahi Nazareth. Im Sommer 2010 wechselte er in die Jugend von Maccabi Tel Aviv und schaffte dort 2011 den Sprung zu den Profis. Dort spielte er bis 2014, ehe der Schweizer Erstligist Grasshoppers Zürich auf ihn aufmerksam wurde und Dabbur verpflichtete. Nach etwas mehr als zwei Jahren in der Schweizer Super League sicherte sich der FC Salzburg dessen Dienste. Zwischenzeitlich wurde er nochmal an die Grasshoppers verliehen, schließlich konnte er sich bei Salzburg aber durchsetzen.

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