Der Anfang für Union Berlin war beschwerlich. Doch aktuell lässt das 56. Mitglied der Bundesliga sogar Stadtnachbar Hertha BSC hinter sich.

Situation

Union Berlin spielt in dieser Saison zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte erstklassig und  übertrifft bisher die Erwartungen vieler Fans und Experten. Mit 26 Punkten aus 22 Spielen haben die Eisernen nicht nur neun Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz, sondern stehen dank der besseren Tordifferenz in der Tabelle auch noch vor dem punktgleichen Stadtrivalen Hertha BSC. Damit hat der Neuling bereits jetzt große Schritte im Kampf um den Klassenerhalt gemacht. Die meisten Punkte (18) holte Union allerdings im eigenen Stadion, auswärts sprangen je zwei Siege und Unentschieden heraus. Mit acht Punkten liegt Union in der imaginären Auswärtstabelle auf Platz 15 – nur die Eintracht, Köln (beide sieben) und Düsseldorf (sechs) sammelten weniger Zähler in der Fremde.

Formkurve

Die Eisernen sind wechselhaft in die Rückrunde gestartet. Aus den ersten fünf Spielen stehen zwei Siegen drei Niederlagen gegenüber. Allerdings: Die drei Niederlagen setzte es allesamt gegen die Champions-League-Teilnehmer Leipzig, Dortmund und Leverkusen. Nach der 0:5-Pleite in Dortmund am 20. Spieltag quälte sich Union im DFB-Pokal zu einem knappen 1:0-Sieg in Verl und zog somit ins Viertelfinale ein, wo erneut Bayer Leverkusen wartet. Beim Gastspiel in Bremen am 21. Spieltag konnte Union zuletzt einen 2:0-Sieg einfahren, das Heimspiel am vergangenen Wochenende ging knapp mit 2:3 gegen Bayer Leverkusen verloren. Besonders über die Art und Weise dürften sich die Köpenicker anschließend geärgert haben: Das Team von Urs Fischer gab deutlich mehr Torschüsse ab, erzielte in der 87. Minute noch den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleichstreffer und fing sich erst in der Nachspielzeit das spielentscheidende Gegentor.

Trainer

Urs Fischer ist einer von aktuell drei Schweizer Bundesligatrainern. Berlin-Köpenick ist seine erste Station in Deutschland. Von 2015 bis 2017 war er Chefcoach beim FC Basel, mit dem er in seinen zwei Saisons zwei Mal Schweizer Meister und ein Mal Schweizer Cupsieger wurde. Im Sommer 2018 übernahm der 54-Jährige nach einjähriger Pause Union Berlin und schaffte in seiner ersten Saison direkt den Aufstieg in die Bundesliga. Seinerzeit traf er mit Basel und Thun acht Mal auf Adi Hütter, den er vier Mal zu bezwingen vermochte. Seit dem Hinspiel in der Bundesliga ist die persönliche Trainerbilanz zwischen Fischer und Hütter mit je vier Siegen ausgeglichen.

Taktiktafel

35 Gegentore bedeuten unter allen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte bislang die wenigsten. Nur zwei Mal setzte es mehr als drei Gegentreffer in einer Partie – und das am ersten Spieltag in Leipzig sowie am 20. Spieltag in Dortmund. Zu Beginn der Saison wirkten die zunächst in einer Viererabwehrkette angeordneten Köpenicker noch anfällig, nach der Umstellung auf Dreier- beziehungsweise Fünferkette stabilisierte sich die Defensive aber schnell. Auffällig: Sechs der acht Union-Siege gelangen ohne Gegentor. Die Mannschaft von Urs Fischer ist immer mal wieder für eine taktische Neuerung gut, bleibt aber in der Regel dem 3-4-3 oder 3-4-2-1 treu. In den vergangenen drei Bundesligapartien in Dortmund, in Bremen und gegen Leverkusen setzte Coach Fischer möglichst auf dieselbe Startelf: Die Dreierkette bildeten Subotic, Schlotterbeck und Friedrich. Letzterer musste gegen Bremen jedoch aufgrund einer Gelbsperre von Hübner ersetzt werden. Im Mittelfeld vertraut Fischer aktuell auf Robert Andrich und Christian Gentner. Gegen die Eintracht muss sich Unions Trainer allerdings auf der rechten Seite etwas einfallen lassen, weil Christopher Trimmel gelbgesperrt fehlt. Alternativ könnten Julian Ryerson oder Ken Reichel ins Team rücken.

Personalunabhängig verfahren die Akteure nach einfachen Prinzipien, indem sie die kurzen Passwege des Gegners zustellen, um selbst mit langen Schlägen zum Torerfolg zu kommen, wofür sich die Halbstürmer Marius Bülter und Yunus Malli meist sehr breit positionieren, um den physisch überlegenen Innenverteidigern aus dem Weg zu gehen. Und dann gibt es noch Sebastian Andersson…

Spieler im Fokus: Sebastian Andersson

Der gebürtige Schwede ist mit seinen acht Saisontreffern aktuell der erfolgreichste Torschütze der Berliner. Zwar wartet er seit nunmehr acht Spielen auf einen eigenen Treffer, ist aber aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Zusammen mit Torwart Rafal Gikiewicz ist er der einzige Spieler, der bislang in allen 22 Bundesligapartien zum Einsatz kam. Vor allem bemerkenswert: Der 1,90 Meter große Stürmer ist nicht nur torgefährlich, sondern gewinnt auch die meisten Kopfballduelle (185) sowie die meisten Zweikämpfe (357) der Liga. Gegen die Eintracht spielte Andersson bisher ein Mal – bei der 1:2-Niederlage im Hinspiel stand er über 90 Minuten auf dem Platz, blieb aber ohne Torbeteiligung. Möge es so bleiben.

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