Mit einem neuen Trainer kommt der FC Augsburg am morgigen Sonntag (18 Uhr) in den Stadtwald. Martin Schmidt soll der zuletzt enttäuschenden Offensive neues Leben einhauchen und die anfällige Defensive stabilisieren.

Situation

Nach dem Duell gegen die strauchelnden Schalker am vergangenen Spieltag empfängt die Eintracht am Sonntag mit dem FC Augsburg nun das nächste Sorgenkind aus dem unteren Tabellendrittel. Die Fuggerstädter haben sich seit ihrem Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2011 trotz finanziell begrenzter Mittel als feste Größe in der Bundesliga etabliert. Gute Transfers, ein unaufgeregtes Management und eine klare Spielidee waren über sieben Jahre hinweg das Erfolgsrezept des FCA. Doch die rosigen Zeiten, in denen man sogar stellenweise ein ernstzunehmender Anwärter für das internationale Geschäft war, sind in dieser Saison vorüber.

Stattdessen kann in dieser Spielzeit von Konstanz keine Rede sein. Nach guten Resultaten und begeisternden Leistungen in der vergangenen Runde ist der Motor in der laufenden Saison mächtig ins Stocken geraten. Mit lediglich 25 Punkten nach 28 Bundesliga-Spieltagen sieht sich der FCA derzeit mit der schlechtesten Bilanz seit sechs Jahren konfrontiert. Nur vier Punkte trennen die Augsburger derzeit vom Relegationsplatz. Das bittere Pokal-Aus gegen Leipzig sowie die 0:4-Pleite gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende veranlasste die Klubführung um Stefan Reuter daher dazu, die Reißleine zu ziehen. Folglich mussten Manuel Baum, der die Mannschaft mehr als zwei Jahre als Cheftrainer begleitete, und sein Trainerteam Anfang dieser Woche die Trainerbank räumen.

Für ihn übernimmt nun der im Abstiegskampf erprobte Schweizer Martin Schmidt, ehemals Coach des 1. FSV Mainz 05 und des VfL Wolfsburg, die sportliche Leitung des derzeitigen Tabellen-15. Eine seiner Hauptaufgaben wird es sein, den Offensivgeist der Augsburger neu zu entzünden, denn besonders vor dem gegnerischen Kasten haperte es zuletzt. So konnten die Fuggerstädter in den vergangenen fünf Spielen nur ein einziges Tor erzielen. Ebenso ist jedoch auch die sonst so massierte Defensive als das altbewährte Herzstück des Augsburger Spiels aus dem Tritt geraten. Dies zeigt sich auch an den Zahlen, denn 54 Gegentore in dieser Saison sind bereits jetzt der Negativrekord in der noch jungen Bundesliga-Geschichte des Vereins.

Auch hier muss Schmidt also einiges umkrempeln. Angesichts eines gut zusammengestellten Kaders scheinen die Probleme lösbar. Michael Gregoritsch, Alfred Finnbogason, André Hahn oder Philipp Max sind bereits längst über den Status des vielversprechenden Talents hinaus und haben ihre Klasse schon mehrfach unter Beweis stellen können. Mithilfe neuer Impulse von der Seitenlinie könnte die Trendwende also schneller kommen als gedacht.

Formkurve

Die Formkurve des FC Augsburg gleicht in dieser Saison einer einzigen Berg- und Talfahrt und ist daher schwierig einzuschätzen. Gegen Abstiegskonkurrent Nürnberg (0:3) sowie gegen Hoffenheim (0:4) hagelte es zuletzt heftige Schlappen. Gerade auswärts tut sich das Team dabei enorm schwer und ist auf fremdem Platz seit neun Spielen sieglos. Ungewöhnlich viele Gegentore auf der einen und Ladehemmungen auf der anderen Seite begleiten das unruhige Auf und Ab. Besonders eine Qualität mahnt aber zur Vorsicht: Erstaunlicherweise blitzte das Potenzial der Fuggerstädter gerade gegen die Top-Teams der Liga auf. Mit einem Sieg gegen den BVB (2:1), einem torlosen Remis gegen Leipzig und einer denkbar knappen Niederlage gegen den amtierenden Meister aus München (2:3) sorgte die Mannschaft zuletzt immer wieder für unerwartete Lichtblicke.

Trainer

Besonders aus seiner Zeit in Mainz (2015 bis 2017) dürfte Trainer Martin Schmidt vielen positiv in Erinnerung geblieben sein. Damals von der zweiten Mannschaft zum Cheftrainer befördert, führte er die Rheinhessen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Europa League. Weniger gut lief es für ihn beim VfL Wolfsburg: Nach nur einem halben Jahr und einer durchwachsenen Bilanz trat der heute 52-Jährige von seinem Amt zurück. Besonders im mentalen Bereich gilt der Schweizer als großer Motivationsexperte, der mit Temperament, Leidenschaft und positiver Ausstrahlung in seiner Ansprache überzeugt. Außerdem steht er für offensiven Tempofußball. Gut vorstellbar also, dass er in Augsburg mit einer ruhigen Vereinsführung im Rücken kurzfristig einen Umschwung einleiten kann.

Taktiktafel

Unter Manuel Baum war es eine besonders giftige und physisch robuste Spielweise, die schon vielen Gegnern in der Vergangenheit Probleme bereitete. Hohes Pressing, blitzschnelles Umschalten und ein schnörkelloser Abschluss – so funktionierte das Augsburger Spiel zu besten Zeiten. Nachdem aber besonders der Defensivverbund zuletzt immer wieder Lücken aufwies, rotierten Baum und seine Co-Trainer häufig durch, ohne jedoch kontinuierlich mehr Stabilität zu finden. Immer wieder durch Verletzungen ausgebremst, ruhen die Hoffnungen in der Offensive auf dem isländischen Torjäger Alfred Finnbogason, der an zwölf der insgesamt 37 Augsburger Treffer direkt beteiligt war.

Spieler im Fokus: Jeffrey Gouweleeuw

Wenn die Gesundheit es zulässt, ist Jeffrey Gouweleeuw kaum aus der Defensive des FCA wegzudenken. Der 1,87 Meter große Verteidiger, der im Durchschnitt 59 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt, verpasste einen Großteil der Rückrunde aufgrund von hartnäckigen Adduktorenproblemen. Seit zwei Wochen steht der Niederländer seinem Team jedoch wieder voll zur Verfügung und ist seitdem wieder eine wichtige Komponente in der sonst fehleranfälligen Abwehr. Gerade deshalb ist der ehemalige U21-Nationalspieler der Niederlande einer der großen Hoffnungsträger im Kampf um den Klassenerhalt.

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