Die Partie gegen den VfL Wolfsburg stand Spitz auf Knopf. Erstmals seit Ende September gaben Nuancen den Ausschlag gegen die Eintracht.

Es ist eine Binsenweisheit, dass mit fortschreitender Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass eine Serie einmal reißt, steigt. Auch wenn die Situation am Sonntagabend vor heimsicher Kulisse dann nicht gerade eingeplant war. Trotz oder gerade weil statistisch nachgewiesene personifizierte Sieghindernisse wie VfL-Coach Bruno Labbadia oder die Innenverteidiger John Anthony Brooks und Robin Knoche in dieser Saison wenig Aussagekraft besaßen, wie die Erfolge gegen die vermeintlichen Angstgegner VfB Stuttgart und FC Augsburg bewiesen hatten, als jeweils in der ersten Halbzeit die Begegnung auch in die andere Richtung hätte kippen können.

Ähnlich verhielt es sich gegen die Wölfe, allerdings diesmal gegenteilig: „In den ersten 25 Minuten hatten wir die Partie sehr gut im Griff, das Tor fiel dann ein wenig entgegen dem Spielverlauf“, befand Adi Hütter im Anschluss an ein Aufeinandertreffen, während welchem die Hessen in den meisten entscheidenden Disziplinen wie angekommener Pässe (240), Ballbesitz (54 Prozent), gewonnener Zweikämpfe (54 Prozent) und Torschüsse (13:12) ungewohnt oft die Nase vorn hatte. Gerade mit Blick auf letzteren Bereich waren sich die Hessen womöglich selbst ihr größter Feind.

Nicht am Limit

Denn auch wenn die Gäste taktisch clever das Zentrum verdichteten und die einträchtige Angriffsreihe somit immer wieder mal in der Luft hing, galt es in den vergangenen Monaten doch als Qualitätsmerkmal, aus wenigen Chancen maximalen Ertrag zu schaffen. Als extremstes Bespiel dienen etwa die nicht weniger knappen Siege bei Olympique Marseille und der TSG Hoffenheim, als die Kraichgauer sogar zweimal Aluminium getroffen hatten. Ein Schicksal, das in der stürmischen Anfangsphase auch Jonathan de Guzman ereilt hatte. Auch gereichte der Videobeweis beim Foul an Ante Rebic zum Nachteil, während – man nehme das DFB-Pokalfinale – die Eintracht auch schon Profiteur der technischen Neuerung gewesen war. Wölfe-Coach Labbadia erkannte hinterher an: „Klar ist, dass man gegen eine so starke Eintracht immer ein Quäntchen Glück benötigt.“

So sollte eintreten, was Cheftrainer Hütter in der Vergangenheit fast gebetsmühlenartig wiederholt hatte. Rufe seine Mannschaft 100 Prozent ihres Leistungsvermögens ab, werde es für jeden Gegner schwer, wusste der Österreicher. Erreiche sie aber nicht ihr Leistungslimit, sei sie auch von jedem Kontrahenten schlagbar. Was in manchen Phasen der vorangegangenen elf Partien hätte eintreten können, ist nun Realität. Einmal mehr hat die Eintracht nicht enttäuscht, aber eben auch nicht restlos überzeugt. Vor allem in der Entscheidungsfindung - sei es vor dem gegnerischen Gehäuse eine Schleife zu viel oder vor dem eigenen Kasten ein Konzentrationslevel zu niedrig. Dennoch war dem Team wie gewohnt der Erfolgswille nicht abzusprechen, wovon die emotionsgeladene aber nicht unfaire Darbietung zeugte.

Was nach der Dezember-Dämmerung wohl die wichtigste Nachricht ist: Die Mannschaft lebt, lässt ihrem Siegeshunger freien Lauf, muss aber erkennen, dass jeder „schlechte Tag“, wie ihn Gacinovic bezeichnete, in der Bundesliga einer zu viel ist. Und dennoch durfte das auch nach dem Schlusspfiff fantastische Publikum am Ende eine Koproduktion von Vorlagengeber Sébastien Haller und Torschütze Luka Jovic bejubeln. Vom Jäger zum Gejagten – ein Rollenwechsel als wohl größte Herausforderung der vergangenen und bevorstehenden Wochen.


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