Das Aus in der UEFA Europa League ist abgehakt, dafür betrat Leipzig im DFB-Pokal zuletzt Neuland. Damit rast der Tabellenvierte auf zwei Spuren einem Ziel entgegen: Europa.

Situation

Nachdem die Hinrunde mit der Qualifikationsphase für die UEFA Europa League so früh wie beschwerlich begann, befindet sich Leipzig seit Ende des Jahres mit Tabellenplatz vier auf Kurs UEFA Champions League. Die gewünschte Rückkehr zum stilbildenden Powerfußball nimmt immer mehr Konturen an, was vor allem der Blick auf das verbesserte Spiel gegen den Ball verdeutlicht: 18 Gegentore sind gemeinsam mit Borussia Mönchengladbach die wenigsten.

Die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg hat sich in den vergangenen Wochen nicht unbedingt verkleinert. Auch wenn das Aus in der Gruppenphase der UEFA Europa League nicht geplant war, erleichtert dieser Umstand zwangsläufig den Fokus aufs nationale Tagesgeschäft. Und auf zwei Hochzeiten tanzen die Sachsen nach wie vor. Durch das 1:0 über den VfL Wolfsburg steht Leipzig erstmals in seiner Geschichte im Viertelfinale des DFB-Pokals.

Damit selbst die marginale Doppelbelastung nicht zum Hemmschuh wird, verpflichteten die Verantwortlichen in der Winterpause drei neue Spieler: Mit Tyler Adams aus New York und Amadou Haidara aus Salzburg bediente sich der Brauseklub jeweils bei seinen Projektbrüdern, um die Mittelfeldzentrale zu stärken. Wenngleich Haidara zumindest bis April mit einer Knieverletzung ausfallen wird.

Dafür wissen die Pressingmonster seit kurzem wieder ein dickes Faustpfand in ihren Reihen, weil Offensivstark Emil Forsberg nach langwieriger Krankengeschichte wieder zur Verfügung steht. Für dessen Paradeposition im linken offensiven Mittelfeld hat Leipzig im Januar zudem das Talent Emile Smith Rowe vom FC Arsenal ausgeliehen.

Formkurve

Dagegen lichteten sich am Wochenende die hintersten Reihen. So wird Ibrahima Konaté wegen einer Gelbsperre und Dayot Upamecano weiter verletzt ausfallen. Was insofern bitter für den Vizemeister von 2017 ist, weil die defensiven Abwehrkräfte der Hausherren zuletzt nicht nur in ihrer Kernkompetenz überzeugten, sondern auch Torjägeraufgaben übernahmen. Beim 3:0-Erfolg in Hannover gelangen Leipzig erstmals drei Treffer durch Verteidiger – zwei Mal Willi Orban per Kopf, ein Mal Marcel Halstenberg per Elfmeter. Beim 4:0-Sieg in Düsseldorf war jener Konaté zur Stelle. Die damit einhergehenden vier Standardtreffer suchen 2019 ihresgleichen. Als wären jene zwei ungefährdeten Auswärtsdreier nicht schon bemerkenswert genug, gelangen zwei Siege in der Fremde in Folge zuletzt am siebten und achten Spieltag 2017. Inklusive des Pokals blieb der Gastgeber in den vergangenen drei Begegnungen nun ohne Gegentreffer. Grundsätzlich zeichnet das gesamte Team eine immense Einsatzbereitschaft aus. Leipzig ist in der Bundesliga die Mannschaft mit den meisten Zweikämpfen.

Trainer

Nachdem Julian Nagelsmann als Wunschlösung erst 2019 zu bekommen ist, hat sich Sportdirektor Ralf Rangnick kurzerhand selbst hinters Steuer gesetzt. In der Doppelfunktion hatte der 60-Jährige bereits 2015/16 den Bundesligaaufstieg geschafft.

Das deutsche Oberhaus ist dem Fußballidealisten aus früheren Tätigkeiten in Stuttgart, Hannover, Schalke oder Hoffenheim bekannt wie seine Westentasche. Der Gründervater des RB-Stils, den er seit 2012 gleichzeitig in Salzburg implementierte, gilt seit jeher als innovativer und detailversessener Vertreter seiner Zunft.

Taktiktafel

Die Doppelspitze ist quasi in der Vereinssatzung verankert. Dahinter lässt Rangnick vornehmlich mit je zwei defensiven und offensiven Mittelfeldakteuren agieren. Eine Option zum 4-2-2-2 ist immer auch das 4-1-2-1-2 mit einer Raute im Mittelfeld. Systeme mit drei Innenverteidigern oder drei Mittelstürmern abhängig vom Gegner nicht undenkbar. Unabhängig von der zahlenmäßigen Anordnung steht das aggressive Pressing und Gegenpressing der Bullen über allem. Bei gegnerischem Ballbesitz ergreift zumeist der ballnahe Zehner die Initiative, um den durch die Seitenauslinie räumlich beschränkten Außenverteidiger unter Druck zu setzen. Bei Ballgewinn erfolgt sofort das vertikale Spiel in die Spitze, Torabschluss nach wenigen Sekunden inklusive.

Spieler im Fokus: Willi Orban

Der jüngste Doppelpack von Willi Orban in Hannover war aus dreierlei Sicht bemerkenswert. Erstens: Noch nie waren einem Leipziger zwei Kopfballtreffer in einem Spiel gelungen. Zweitens: Noch nie hatte der Innenverteidiger zuvor selbst zwei Mal in einem Match genetzt. Drittens: Lange hatte der Kapitän nicht mehr so um einen Startplatz kämpfen müssen wie in dieser Saison, in der im Ernstfall das französische Tandem Konaté/Upamecano gesetzt ist. Orban saß in dieser Bundesligaspielzeit acht Mal 90 Minuten auf der Bank, das war öfter als in seinen vorherigen zwei Jahren in Leipzig zusammen.

Dabei ist der (Stellen-)Wert des 1,86-Meter-Kraftpakets im Team und Klub unbestritten. So überschaubar seine Einsatzzeiten zuletzt auch waren – drei Saisontore sind die meisten aller Verteidiger im deutschen Oberhaus 2018/19. Ohnehin ist seine Quote von neun Buden in 66 Spielen seit seinem Wechsel vom Heimatklub 1. FC Kaiserslautern überdurchschnittlich. Nach den Ausfällen im Defensivzentrum ist der frühere deutsche U21- und aktuelle ungarische A-Nationalspieler wichtig wie lange nicht. Als Abwehrchef, Führungsfigur – und Torjäger.

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