Nach einer starken Rückrunde 2017/18 hat der SV Werder Bremen in dieser Saison die obere Tabellenhälfte ins Visier genommen.

Situation

Es sind neue Töne, die man vergangene Woche aus dem sonst so bescheidenen Bremen hörte. "Wir wollen nach Europa", formulierte Werder-Sportchef Frank Baumann außergewöhnlich forsch die Ziele für die neue Saison. "Das ist ambitioniert, aber wir haben bewiesen, dass das unter Florian Kohfeldts Führung kein unrealistisches Ziel ist."

Die fünftbeste Rückrundenmannschaft der Saison 2017/18 - besser als Borussia Dortmund oder Leipzig - hat mittlerweile genügend Selbstbewusstsein gesammelt, um gewagtere Töne anzuschlagen. Hinzukommen sowohl die Vertragsverlängerungen der Stammkräfte Jiri Pavlenka, Niklas Moisander, Ludwig Augustinsson und Milos Veljkovic als auch die Verpflichtung des Rekordtransfers Davy Klaassen. Weil der Trainer mit Yuya Osako und Martin Harnik noch zwei absolute Wunschspieler oben draufbekam, ist der SVW-Kader so prominent besetzt wie lange nicht.

Formkurve

Im DFB-Pokal zeigte sich das Team um den neuen Kapitän Max Kruse in Spiellaune und lieferte eine tadellose Leistung ab. Der Regionalligist Wormatia Worms wurde mit 6:1 abgefrühstückt, bereits zur Pause stand es 5:1 für die Grün-Weißen. Der Heimauftakt gegen Hannover 96 verlief da nicht ganz so geschmiert. Am Ende stand ein 1:1, mit dem der SVW trotz des späten Ausgleichs von Theodor Gebre Selassie nicht so richtig zufrieden war. "Wir haben heute zwei Punkte verloren", bilanzierte der 31-jährige Torschütze nach dem Auftakt.

Trainer

Der 35-Jährige Florian Kohfeldt ist ein Bremer Junge durch und durch. Kohfeldt wuchs in der Nachbarstadt Delmenhorst auf und lernte beim TV Jahn als Torwart das Fußballspielen. Nach der fußballerischen Ausbildung dort wechselte er zum SVW und lief für die U-21-Mannschaft auf - damals noch unter der Leitung von Viktor Skripnik. Da es für eine Profikarriere nicht reichen sollte, entschied sich Kohfeldt für ein Studium und trainierte nebenbei verschiedene Jugendmannschaft von Werder Bremen.

Von 2014 bis 2016 war der Blondschopf Trainerassistent unter Cheftrainer Viktor Skripnik und erlangte in der Zeit den Schein zum Fußballlehrer - als Jahrgangsbester. Der Weg für Kohfeldt war also fast vorprogrammiert: 2016 coachte er die U-23 des SVW in der dritten Liga. Nach der Entlassung von Alexander Nouri vergangene Saison übernahm Kohfeldt dann den Posten des Cheftrainers.

Taktiktafel

Kohfeldt hat ein Faible für das 4-3-3, womit er vergangene Runde schon oft auflief und jetzt auch gegen Worms und Hannover spielen ließ. Allerdings ist diese Bremer-Formation kein klassisches 4-3-3 wie man es kennt. Das System hat einige interessante Kniffe parat: Defensiv wird das 4-3-3 zu einem 4-4-2, wodurch Bremen zwei kompakte Viererketten gegen den Ball aufbaut und immer wieder intensiv nach vorne verteidigt.

Noch interessanter ist das, was Bremen aber mit dem Ball anstellt. Max Kruse hat als eigentlicher Stoßstürmer viele Freiheiten und lässt sich häufig ins Mittelfeld zurückfallen. Die Flügelstürmer Florian Kainz und Osako spielen keine klassischen Außen, sondern ziehen oft in die Mitte zum Tor. Im Mittelfeld versucht Bremen durch die weit aufgerückten Außenverteidiger und die spielstarken Philipp Bargfrede, Maximilian Eggestein und Klaassen spielerisches Übergewicht zu gewinnen.

Spieler im Fokus: Jiri Pavlenka

Im vergangenen Sommer wechselte Jiri Pavlenka als relativ unbekannter Torwart von Slavia Prag an die Weser. In nur einer Saison avancierte der Tscheche mit vielen sehenswerten Paraden zum Publikumsliebling. Der 26-Jährige parierte 2017/18 starke 76% der Bälle auf sein Tor - nach Stuttgarts Ron-Robert Zieler der beste Wert aller Stammtorhüter. Sowohl auf der Linie als auch bei der Strafraumbeherrschung macht der 1,96 Meter große Torhüter eine richtig gute Figur, sodass im Sommer schon fast zwangsläufig das ein oder andere Wechselgerücht um ihn rankte. Diesen erteilte Pavlenka allerdings eine klare Absage und verlängerte stattdessen seinen Kontrakt an der Weser.

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