Der Erfolg ist vermeintlich bei Bayer Leverkusen zurückgekehrt. Aber auch das Verletzungspech. Gemischte Gefühle vor einem wichtigen Spiel um die Plätze in den europäischen Wettbewerben gegen die Eintracht am Samstag um 15.30 Uhr.

Jetro Willems will nach seiner starken Leistung gegen Hoffenheim auch gegen Leverkusen glänzen.
Jetro Willems will nach seiner starken Leistung gegen Hoffenheim auch gegen Leverkusen glänzen.

Es hätte ein noch schönerer Abend für Leverkusen am vergangenen Montag in Leipzig werden können: Die Elf von Heiko Herrlich brannte nach dem frühen Rückstand ein Feuerwerk gegen die Europa League Viertelfinalisten ab: Nach 0:1 stand es am Ende 4:1 für Bayer. Nach den eher enttäuschenden Auftritten beim Rhein-Derby in Köln (0:2) und der Nullnummer gegen Augsburg ein echtes Ausrufezeichen.

Herrlichs Sorgenfalten

Bitter für die Werkself, dass sich gleich zwei wichtige Defensivstützen in Sachsen verletzt haben: Linksverteidiger Wendell zog sich einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk zu und kommt frühestens im Mai zurück. Und auch Sven Bender, der den Abwehrverbund mit Zwillingsbruder Lars zuletzt dichthielt, plagen Schmerzen im Sprunggelenk. Der Einsatz von "Manni" gegen die Eintracht steht auf der Kippe. Erfahrene Leute also, die den filigranen Technikern wie dem gerade zu Jahresbeginn überragenden Jamaikaner Leon Bailey oder den deutschen Nationalspielern Julian Brandt und Kevin Volland den Rücken freigehalten haben, werden nun schmerzlich vermisst.

Taktisch variabel auch ohne Alario

Immerhin glänzte die Bayer-Elf zuletzt wieder mit taktischer Flexibilität, spielte jüngst in Leipzig mal wieder im 3-4-3-System, trotz des Fehlens von Mittelstürmer Lucas Alario. Der Angreifer fehlte rotgesperrt und wird auch gegen die Eintracht noch pausieren müssen. Vier Tore wie zuletzt in Leipzig waren der Werkself seit mehr als acht Wochen, dem 4:2 gegen Bremen nach Verlängerung im DFB-Pokal, nicht mehr gelungen. Apropos DFB-Pokal: Dort muss Leverkusen wie Frankfurt auch unter der Woche ran, die Hürde Bayern München könnte größer nicht sein. Bayers Woche der Wahrheit rundet das Match am übernächsten Wochenende gegen Borussia Dortmund ab.

Geballtes Offensivpaket

Ungeachtet des schweren Programms hat Bayer in diesem Jahr wieder das gezeigt, was man von den Rheinländern auch erwartet: Attraktives Offensivspiel gespickt mit schnellen Umschaltaktionen. Mit Ausnahme einer Delle vor dem 4:1 in Leipzig ist es dem ehemaligen Torjäger Heiko Herrlich überdies gelungen, der Mannschaft wieder Konstanz einzuhauchen. Ein Jahr ohne Europapokal konnte der Champions-League-Finalist von 2002 ertragen - mehr soll es aber nicht sein. Zumal mit Keeper Bernd Leno, Jonathan Tah, den Bender-Zwillingen, Benjamin Henrichs, Kai Havertz, Karim Bellarabi, Brandt und Volland fast ein Dutzend deutscher Spieler stehen, die schon einmal für die Nationalmannschaft gespielt haben. Eine erfolgreiche Woche mit den Partien gegen Frankfurt, Bayern und Dortmund ist quasi einhergehend mit einem guten Bewerbungsschreiben hinsichtlich eines WM-Platzes für das Turnier in Russland.

Drei im Fokus

Julian Brandt: Jung, und doch so erfahren

Als Raucher ist Youngster Julian Brandt aus Bayers Offensive nicht bekannt. Deshalb war der vermeintliche Zigaretten-Jubel von Leipzig mit Kai Havertz schnell Schall und Rauch. Der 21-Jährige legt eine erstaunliche Souveränität an den Tag, nicht zuletzt gefördert durch drei große Turniere: U-19-Europameister 2014, Finalist im Endspiel der Olympischen Spiele 2016 und Confed-Cup-Gewinner 2017: Brandt, dem am Montag in Leipzig erstmals in einem Spiel drei Assists gelangen, gehört die Zukunft. Umso wichtiger für Bayer, dass der Blondschopf seinen Vertrag unter der Woche verlängert hat.

Jonathan Tah: Starkes Zeichen pro Bayer

Jonathan Tah, der in der Jugend beim Hamburger SV ausgebildet wurde, stand vor der EM 2016 in den Schlagzeilen, als er kurz vor Beginn des Turniers in Frankreich für den am Knie verletzten Antonio Rüdiger nachrückte. Das große Vorbild des kantigen Innenverteidigers ist Jerome Boateng, mit dem er allerdings in den nächsten Jahren nur in der Nationalmannschaft zusammenspielen könnte: Der Abwehrmann mit Top-Zweikampfwerten (70 Prozent gewonnene Duelle) hat kürzlich seinen ohnehin bis 2020 laufenden Vertrag noch einmal um drei weitere Jahre verlängert.

Sven Bender: Robustheit mit Köpfchen

Sven Bender ist schon bei den Münchner Löwen oder Borussia Dortmund als Kämpfernatur und Abräumer aufgetreten, nun verleiht Sven Bender Bayer gemeinsam mit Bruder Lars Stabilität, die in der Vorsaison ein wenig abhandengekommen schien. Ein Ausfall am Samstag wäre bitter, schließlich ist "Manni", der in knapp zwei Wochen 29 wird, nach Jonathan Tah zweitbester Zweikämpfer der Werkself mit 60 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Bemerkenswert und ein Zeichen von guter Antizipation, dass der Silbermedaillengewinner von Rio noch nie in seiner Karriere Rot gesehen hat bzw. gesperrt war.

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