Das Mind Lab der IMG Academy geht mit seinen Talenten von klein auf neue Wege. Drei Frankfurter Routiniers haben sich die schöne, neue Welt genauer angesehen.

Im Senckenberg Museum läuft seit einigen Jahren das Projekt, das nachgestellte Gehirn von Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel in XXL-Version begehbar zu machen. Auch abseits der Naturwissenschaften schreitet die Evolution des Fußballs weiter voran. Nachdem alle Systeme und Gegensysteme erfunden scheinen, sich die Akteure immer bewusster als Athleten wahrnehmen, dahingehend trainieren und sich entsprechend ernähren, liegt für viele Experten der Schlüssel des Erfolges vor allem im Bereich Schnelligkeit: In den Beinen sowieso, aber immer öfter auch im Kopf.

Die modernen Zeiten haben längst in der IMG Academy Einzug gehalten. Das Ausbildungs-, Sport-, und Forschungsinstitut, auf dessen Gelände die Eintracht bis vergangenen Dienstag den ersten Teil des Wintertrainingslagers abgehalten hat, schult bewusst die Nachwuchshoffnungen von heute für die Anforderungen von morgen.

Elitetalent trifft Nationalheld

Einer davon ist Hosei Kijima, der mit zwölf Jahren aus seiner japanischen Heimat in nach Bradenton gewechselt ist und in diesem Jahr mit 17 Jahren sein Studium beginnt. Zum Abschluss seines Wirkens kam das Elitetalent am Montag zu einem unverhofften Abschiedsgeschenk der besonderen Art, als sich drei Frankfurter Profis nach der Vormittagseinheit das fußläufig zum Trainingsgelände erreichbare Mind Lab genauer ansehen wollten: David Abraham, Jan Zimmermann – und zur Überraschung Kijimas Nationalheld Makoto Hasebe.

Die SGEagles erhielten von Ryan Ingalls, seit 2015 Mentalcoach an der IMG Academy, einen Crashkurs in Sachen Gehirntraining, einhergehend mit anschaulichen Beispielen, inwiefern gewisse Übungen im Wettkampf einen Vorteil verschaffen können.

Subjektive Eindrücke wissenschaftlich belegt

An der ersten Station sollten die Sportler vor einem kreisförmigen Feld, entfernt vergleichbar mit einer Dartsscheibe, in unregelmäßigen zeitlichen Abständen aufleuchtende Knöpfe betätigen, innerhalb von 30 Sekunden so viele wie möglich. Je niedriger in der Auswertung der ermittelte Quotient, desto ausgeprägter die Reaktionsstärke des Probanden, wie Ingalls erklärt. Die Methode fördere die Gabe, durch peripheres Sehen viele Spielsituationen auch außerhalb des eigentlichen Blickfeldes wahrzunehmen und geistesgegenwärtig zu handeln. Besonders auf Zack präsentierte sich Hasebe mit einem Wert von 0,68, was für Kijma nur bedingt überraschend kam. So gehöre der älteste aktuelle Eintracht-Profi zwar nicht mehr zu stärksten Sprintern, was der Routinier aber mit gedanklicher Geschwindigkeit wettmache.

Tempo war auch beim zweiten Tool ein Thema. „Sicherheitspässe oder Direktspiel?“, fragt Ingalls die interessierten Gäste mehr rhetorisch nach deren Erfolgsrezept. Eindeutig letzteres, war die einstimmige Antwort, um automatisch zum zur bewältigenden Herausforderung zu kommen. So steige damit nämlich automatisch die Fehlerquote. Ein in Kauf zu nehmendes Risiko, erst recht, wenn der Betroffene den richtigen Umgang damit lerne. „Nach einer missglückten Aktion halte ich kurz inne, atme durch, hake die Situation ab und mache weiter“, erklärt Zimbo, selbst angehender Torwarttrainer, seinen Umgang mit Fehlern. Was im Prinzip auch effektiv ist, wie Ingalls bestätigt, aber im Spielfluss von möglichst kurzer Verweildauer sein sollte.

Schneeballeffekt vorbeugen

Der Mut zu Fehlern lässt sich auf vielfältige Weise simulieren. Etwa durch eine vorgegebene Reihenfolge von fünf Farben, die in abwechselnder Kombination vor den Spielern aufleuchteten, welche diese – natürlich unter Zeitdruck – richtig drücken sollten. Vertipper dabei fast vorprogrammiert, entscheidend war der Umgang damit: ärgern oder weitermachen. Je größer die Differenz von richtig und falsch betätigten Lampen, desto größer der Einklang von Schnelligkeit und Sicherheit. Ingalls hofft, mit derlei Maßnahmen einem sportlichen Schneeballeffekt vorzubeugen, wie er ausführt: nämlich sich nicht beirren zu lassen und im schlimmsten Fall aus Hektik Folgefehler zu produzieren.

Hartnäckigkeit statt Hadern durch den „Focus Drill“. Tugenden, die Körbel seinerzeit naturgegeben zum Rekordbundesligaspieler werden ließen – und dank der technologischen Entwicklung für jeder Mann und Frau erlernbar sind.

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