Das 1:2 in Augsburg war die dritte Auswärtsniederlage hintereinander. Obwohl die Eintracht nach der Pause fast wie eine Heimmacht auftrat.

Nach der Ergebnisflaute auf der Zielgeraden der vergangen Saison hat Frankfurt als frühester in die neue Spielzeit gestarteter Bundesligist längst wieder in die Spur gefunden, vor allem international und vor heimischer Kulisse. Auf Bundesligaebene stehen nach vier Spieltagen zwei Heimsiegen zwei Auswärtsniederlagen gegenüber. Der letzte Sieg in der Fremde innerhalb Deutschlands datiert somit weiter vom 6. April, als tief in der Nachspielzeit auf Schalke das 2:1 gelang – eine Woche später entführte der gestrige Gegner FC Augsburg ein 3:1 aus der Commerzbank-Arena. Dabei darf natürlich das spektakuläre 5:3 bei Waldhof Mannheim in der ersten Runde des DFB-Pokals nicht unberücksichtigt bleiben, das die nationalen Reiseschmerzen etwas lindert. In diesem Zusammenhang fällt aber auch ins Auge, dass die Hessen während der vergangenen vier Gastauftritte – Straßburg inbegriffen – fünf Mal in Rückstand gerieten.

Nichtsdestoweniger ist die Einschätzung von Adi Hütter nachvollziehbar, wenn der Cheftrainer sagt: „Insgesamt ist es ärgerlich, ohne Punkte nach Hause zu fahren.“ Weil die Gäste zwar in der ersten Halbzeit zu wenig investierten und letztlich eine ihrer großen Stärken nicht zur Geltung brachten: Während die Adler in der Vorsaison mit 8.386 so viele Sprints anzogen wie kein anderer Bundesligist, waren sie in der Fuggerstadt nicht nur im übertragenen Sinne oftmals einen Schritt zu spät. Die Frankfurter liefen insgesamt sieben Kilometer weniger, im Schnitt 0,4 Km/h langsamer und blieben in sämtlichen anderen vergleichbaren Statistiken zweiter Sieger. Der kurzfristige Ausfall Filip Kostics dient dabei sicher als einzelner Anhaltspunkt, aber nicht als kollektive Ausrede.

Aus Tradition fleißig

Dafür feierte Timothy Chandler wenige Tage nach Unterzeichnung seines neuen Vertrages bis 2022 seinen ersten Startelfeinsatz seit dem 18. April 2018 und zugleich sein 100stes Bundesligaspiel für seinen Heimatverein, der wiederum zum 1.700sten Mal im deutschen Fußballoberhaus antrat. In schöner Tradition gingen am Samstagnachmittag auch die hessischen Hereingaben in der Augsburger Hälfte darnieder, am Ende verzeichneten die Adlerträger ein Flankenverhältnis von 32:1! Überhaupt sammelten die Frankfurter nach dem Seitenwechsel zahlreiche Fleißkärtchen, was auch Hütter honorierte: „Die Reaktion nach der Pause hat mir gefallen.“ Weil die Eintracht endlich ihr Schicksal in die eigenen Hände nahm und gegen sich zurückziehende Hausherren ein Gesamtbild schuf, das sich üblicherweise beim nur 80 Kilometer weiter östlich beheimateten Branchenprimus FC Bayern bietet: 77 Prozent Ballbesitz und zwölf zu – Achtung – null Torschüsse wiesen die Werte in der zweiten Halbzeit aus. Letzteres war den Hessen auswärts seit Beginn der Datenerfassung in der Bundesliga 2004 noch nie gelungen. „Unser Matchplan ist vor allem in der ersten Halbzeit aufgegangen, in der zweiten Halbzeit dann weniger“, gestalteten sich die zweiten 45 Minuten denn nicht unbedingt im Sinne von FCA-Coach Martin Schmidt.

Mehr Masse als Klasse

Als dessen Truppe nach einer Stunde noch immer 2:0 im Front lag, opferte sein Trainerpendant Hütter einen von zwei Abräumern zugunsten eines dritten Angreifers und beorderte Bas Dost für Sebastian Rode auf den Rasen. Damit stand mit dem bei seinem Ex-Verein zur zweiten Halbzeit eingewechselten Dominik Kohr neben den zwei Flügelspielern, drei Stürmern und Spielmacher Daichi Kamada nur noch eine nominelle Absicherung auf dem Feld – die wiederum für die Schlussviertelstunde mit einer beherzten Einzelaktion die Entstehung des Anschlusstreffers erzwang. Torschütze Goncalo Paciencia gilt somit bei sechs Toren und zwei Vorlagen in elf Pflichtspielen als alleiniger Topscorer der Eintracht. Der Portugiese war auch im bayerischen Schwaben einer der Aktivposten, schoss sechs Mal aufs Tor, scheiterte in der Anfangsphase zudem am Aluminium. Landsmann André Silva versuchte es gar sieben Mal, gewann sogar die meisten Zweikämpfe (15) hinter Danny da Costa (16), blieb aber letztlich glücklos. Zum Vergleich: Der schussfreudigste Augsburger Florian Niederlechner versuchte es nur halb so oft – dafür ein Mal sehenswert mit Erfolg.

Dass bei aller nomineller Offensivgewalt am Ende der ganz große Durchbruch und ein Punktgewinn ausblieb, lag auch daran, dass es der Masse manchmal an Klasse fehlte. Zum Teil der Wahrheit der gewaltigen Spielanteile gehört nämlich auch, dass sich viele Ballbesitzphasen im hintersten Mannschaftsteil abspielten: Die mit Abstand meisten Ballkontakte verbuchten die Innenverteidiger Makoto Hasebe (109), David Abraham (102) und Martin Hinteregger (90). Zähler gab es somit keine, aber sicher einige Erkenntnisse. Ohnehin prognostiziert Hütter: „Ich bin sicher, dass wir am Donnerstag ein ganz anderes Spiel sehen werden.“ Wenn nach dem FCA der AFC aus London wartet. In der UEFA Europa League. Zuhause.

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