Drei Jahrzehnte konnte die Eintracht keine Trophäe mehr erringen. Am Samstag wurde dieser Titeldurst gestillt. Mit einer kämpferischen und taktischen Meisterleistung bezwang die SGE den haushohen Favoriten.

Stunden nach Abpfiff schunkelten und sangen tausende Eintracht-Anhänger noch immer im Berliner Olympiastadion. Sie klatschten sich ab, machten Erinnerungsfotos, die meisten hatten Freudentränen in den Augen. Zuvor standen rund 30.000 Frankfurt-Supporter wie ein zwölfter Mann hinter ihrem Team. Und sie erlebten einen Abend, der in die Vereinsgeschichte eingeht. Der Abend, an dem die Sehnsucht nach einem Titelgewinn gestillt und lange, intensive Arbeit phänomenal belohnt wurde.

Es hat alles gepasst

Es war im Vorhinein schon klar, dass wirklich viel zusammenkommen musste, wenn die Eintracht dem FC Bayern München im DFB-Pokalendspiel schlagen wollte. Sie mussten zuallererst gut verteidigen, und das taten sie. Zwar hatte der amtierende Meister haufenweise Ballbesitz (teilweise über 80 Prozent), wusste aber nicht viel damit anzustellen. Die SGE stellte das Zentrum geschickt zu, verschob sehr gut, weshalb die Bayern nur stellenweise über die Flügel gefährlich wurden. Sie mussten effizient vor dem Tor sein, und das waren sie. Ante Rebic machte aus zwei Chancen zwei Tore. Mijat Gacinovic hatte bei seinem Treffer zum 3:1-Endstand keine Mühe mehr, als das halbe Stadion ihn zum Erfolg schrie. Und sie brauchten hier und da auch das nötige Quäntchen Glück, und das hatten sie. So traf Robert Lewandowski in Durchgang eins nach seinem Freistoß nur die Latte, und auch Mats Hummels scheiterte nach dem Seitenwechsel am Aluminium. Das Resultat: eine etwas glückliche, aber keineswegs unverdiente Niederlage. Die Eintracht brachte an einem großen Abend eine großartige Leistung. Ganz nebenbei beendete Sportvorstand Fredi Bobic eine unglaubliche persönliche Negativserie gegen die Bayern, in zuvor 37 Anläufen als Spieler und Verantwortlicher hatte er nicht gewonnen.

Taktische Meisterleistung

Als Cheftrainer Niko Kovac mit Emotionen überschüttet und überwältigt von den Gefühlen den Pott in die Hand nahm, war die Gefühlsachterbahn auf dem Höhepunkt angelangt. Der scheidende Coach reckte den Pokal vor der vollbepackten Ostkurve des Olympiastadions in die Höhe. Ein Wahnsinnsbild! "Ich möchte mich bei allen einfach bedanken: Meinem Team, den Spielern, den Fans. Es ist das Highlight zweier ganz großen Jahre bei Eintracht Frankfurt. Ich habe dem Verein viel zu verdanken", sagte Kovac. Apropos verdanken: Niko Kovac brillierte mit einer taktischen Meisterleistung, die die Bayern vor große Probleme stellte. Ziel war es, das Zentrum zu verdichten und die Bayern so auf die Außen zu zwingen. Teilweise drei Sechser mit Makoto Hasebe, Omar Mascarell und Jonathan de Guzman machten das vorzüglich. Aber auch Marius Wolf und teilweise auch Ante Rebic nahmen lange Wege im Rückwärtsgang auf sich, um auf den Außen auszuhelfen, was fast über die gesamte Partie gut funktionierte.

Rebic rockt Berlin

Beeindruckend war aber nicht nur die taktische Leistung des Cheftrainers, sondern auch die Performance von Ante Rebic - nicht nur wegen der zwei Tore. Der flinke Angreifer war im April und Mai vier Wochen aufgrund eines Muskelfaserrisses außer Gefecht, kam lediglich beim letzten Saisonspiel auf Schalke zu einem Einsatz. Nur eine Woche später macht der Rekonvaleszent - als wäre nichts gewesen - in Berlin ein Wahnsinns-Spiel. Rebic war an fast allen gefährlichen Offensiv-Szenen beteiligt, erzielte das zwischenzeitliche 1:0 mit einer genialen Coolness und rannte beim 2:1 dem Weltklasse-Verteidiger Mats Hummels einfach weg, um die Kugel an Torwart Sven Ulreich vorbei zu stecken. Rebic stellte mit seinem Galaauftritt drei Dinge sicher: einen dicken Eintrag in den Geschichtsbüchern, einen Starterplatz in der UEFA Europa League für die Eintracht nächste Saison und einen gestillten Titeldurst! Ja, es ist wahr: Eintracht Frankfurt ist DFB-Pokalsieger 2018!


Teilen
Funktionen