Am Samstag, 11 Uhr, startet die U17 beim SV Darmstadt 98 in die Saison. Zuvor spricht Chefcoach Fießer über Erfahrungswerte, Ideen, seine Philosophie und vieles mehr.

Jan Fießer ist seit dieser Saison offiziell Cheftrainer der U17.
Jan Fießer ist seit dieser Saison offiziell Cheftrainer der U17.

Jan, hinter euch liegt die stärkste Saison einer Eintracht-U17 seit der Meisterschaft 2010. Wie fällt dein Fazit aus?
Faktisch trifft das mit Sicherheit zu und spiegelt nicht zuletzt den Entwicklungsstand der Jungs wieder, die als Mannschaft aufgetreten und als solche verteidigt haben. 15 Spiele ohne Gegentor haben nichts mit Glück, sondern harter Arbeit zu tun und ist in der B-Junioren-Bundesliga außergewöhnlich. Darüber hinaus hat die Mannschaft über die Saison hinweg einen extremen Willen entwickelt.

Zeitweise fünf 1:0-Siege in Folge hatten schon fast etwas Erwachsenes, oder?
Das hatte aber nichts damit zu tun, dass wir uns hinten reingestellt hätten. Wir attackieren den Gegner sehr früh, lagen in der Vorsaison dahingehend mit Augsburg an der Spitze. Allerdings haben wir verpasst, das zweite Tor nachzulegen, weil wir fast immer die bessere Mannschaft waren.

Welche neuen Herausforderungen bringt die neue Rolle als offizieller Cheftrainer mit sich?
Im Vergleich zum Interimsstatus eigentlich wenig. Grundsätzlich bin ich natürlich jetzt für die Entwicklung der Mannschaft verantwortlich, um sie idealerweise auf das Level zu führen, auf dem wir am Ende der Runde waren. Die Umstände sind nun andere, weil ich zuvor auf der guten Arbeit von Frank Leicht aufbauen konnte. Die Mannschaft war fit und kannte die Abläufe. Wenngleich ich hinsichtlich des Spielaufbaus ein paar Dinge verändert habe und dies in der neuen Saison fortführen werde.

Was konkret?
Das war etwa bei unseren zwei Turnieren, dem Bundesliga Cup und Euro Youth Cup, sowie der Generalprobe gegen Bayern Alzenau (11:0; Anm. d. Red.) erkennbar, als uns einige Gegner früh stören wollten, es aber nicht geschafft haben, weil wir uns oftmals spielerisch aus der Bedrängnis befreien konnten. Das funktioniert schon sehr gut, die Jungs trauen sich, Fußball zu spielen, fordern den Ball und verfügen über ein gutes Pass- und Positionsspiel. Das fängt schon bei den Torhütern an. Mit Jannik Horz und Amar Dzevlan haben wir gleich zwei technisch starke Keeper, das ist ein großes Plus. Für den Stand der Vorbereitung sind wir schon relativ weit, haben aber in allen Bereichen noch Luft nach oben.

Du hast Dzevlan angesprochen, mit Emir Comor kam zudem ein Innenverteidiger. Welchen Eindruck hast du von den zwei Neuzugängen?
Insbesondere Amar hat sich sehr schnell akklimatisiert, ist ein hervorragender Torhüter. Leider hat er sich am Montag am Knie verletzt, mit Jannik verfügen wir wie gesagt über einen gleichwertigen Torwart. Emir Comor benötigt noch etwas Zeit, um sich an das höhere Tempo und die größere Intensität im Training zu gewöhnen. Aber ich bin guter Dinge, dass es wir das hinkriegen, zumal er sich ebenso schnell integriert hat.

Ihr habt in der vergangenen Saison die wenigsten Gegentore zugelassen, der nachrückende U16-Jahrgang in der Hessenliga ebenso. Ein Fingerzeig für die Zukunft?
Wir arbeiten zumindest daran. Ich sehe aktuell noch Probleme, die wir beheben müssen. Die Zahlen des Vorjahres zu bestätigen, würde sehr schwer, trotzdem nehmen wir uns natürlich vor, so oft wie möglich zu Null zu spielen.

Welche neuen Maßnahmen gibt es mit Blick auf die zunehmende Verzahnung mit der U16?
Das hat schon im gemeinsamen Trainingslager angefangen, als wir pro Woche mindestens eine Einheit zusammen absolviert haben. Die größeren Gruppen hatten den Vorteil, als komplettes Team Abläufe bei eigenem oder gegnerischem Ballbesitz einzustudieren. Es bringt einen extremen Mehrwert mit sich, im Elf-gegen-elf verschiedene Spielsituationen zu simulieren, beispielsweise ein Angriffs- oder Mittelfeldpressing zu überspielen. Eine bessere mannschaftstaktische Trainingsform gibt es in meinen Augen kaum. Das hat sich bei den Turnieren ausgezahlt, als wir schon wesentlich mehr Automatismen entwickelt hatten als unsere Gegner.

Wie gestaltet sich kurz vor dem Start die Personalsituation?
Nicht gut, weil sechs Spieler angeschlagen sind, Giorgos Pontikou bei der Nationalmannschaft in Zypern und Emir Comor noch nicht spielberechtigt ist. Somit stehen mit aktuell 13 Feldspieler zur Verfügung, weshalb wir für den Auftakt in Darmstadt drei U16-Spieler dazu nehmen werden.

Üblicherweise setzt das Nachwuchsleistungszentrum im U19- und U17-Bereich auf lizenzierte Fußballlehrer. Ist das ein weiteres persönliches Ziel von dir?
Das ist noch ein weiter Weg, aber sicher erstrebenswert. Deshalb bin ich den Verantwortlichen um Marco Pezzaiuoli, Armin Kraaz und Holger Müller auch unheimlich dankbar für die Chance, die sie mir geben. Ich weiß, dass das nicht alltäglich und zugleich ein Zeichen ist, dass ich in der Vergangenheit gute Arbeit abgeliefert habe. Wie eingangs erwähnt, war die Maschine in der Schlussphase 2018/19 schon am Laufen, jetzt bin ich dafür zuständig, dass sie wieder ins Laufen kommt.

Mit welcher Spielphilosophie möchtest du das erreichen?
Dazu gehört ein extrem hohes Pressing mit möglichst vielen Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Daran wird sich nichts ändern. In der Abwehr verlange ich eine gute Restverteidigung. Bei Ballgewinn spielen wir immer in die Tiefe. Sollte der Gegner geordnet stehen, möchte ich wiederum einen sauberen Spielaufbau sehen. Dazu gehört eine hohe Laufbereitschaft und keine Angst, den Ball haben zu wollen. Die Kunst wird es sein, die Balance zwischen diesen beiden Stilen zu finden.

Welches Fazit würdest du gerne am Saisonende über euch lesen?
Die U17 von Eintracht Frankfurt bestätigt die Vorsaison. Das gilt für unsere Interpretation von Fußball, unsere Mentalität auf und neben dem Platz, insbesondere körperlich an sich zu arbeiten, sowie das sportliche Abschneiden.

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