Für den gelungenen Neujahrsstart bedurfte es wahrlich keiner Wunderdinge. Doch die entscheidenden Maßnahmen hatten Hand, Fuß – und einmal mehr Kopf.

Sie durften. Den der Tradition bewussten und verpflichtenden mitgereisten Eintracht-Fans blieb es vergönnt, kurz vor dem Anpfiff per Transparent an die vor über 60 Jahren errungene einzige Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu erinnern. Für die Fußballer gibt es wiederum seit dem Jahreswechsel, dem Wintertrainingslager in Florida und spätestens mit dem Rückrundenstart am Samstag bei der TSG Hoffenheim nur eine Blickrichtung: vorwärts!

So jenes glanzvolle Kapitel von 1959 nach nahezu der Hälfte der bald 121-jährigen Vereinsgeschichte Bestand hatte, möchten die Adlerträger ihrerseits in der zweiten Saisonhälfte eher klettern als abrutschen - mit bewährten Mitteln und modifizierter Taktik. Kaum mehr überraschend setzte Adi Hütter wie bereits am 17. Spieltag beim SC Paderborn und im einzigen Test gegen Hertha BSC auf ein eher konservatives und weniger Spektakel, aber auch weniger Lücken versprechendes 4-2-3-1-System. Wobei der Begriff „neu“ relativ zu sehen ist. Das Innenverteidigerduo David Abraham und Martin Hinteregger lernte bis zu ihrem Wechsel in die Mainmetropole fast keine andere Anordnung als die Viererabwehrkette kennen, der umgeschulte Evan Ndicka überzeugte als linke Absicherung mehrfach in den französischen U-Nationalteams, und Almamy Toure zog als Rechtsverteidiger 2016 mit der AS Monaco ins Halbfinale der UEFA Champions League ein. Auch die Doppelsechs mit Djibril Sow und Sebastian Rode zahlte sich aus. Der Schweizer mit 12,8 Kilometern und der Hesse in seinem 150. Pflichtspiel für die SGE mit 12,5 Kilometern waren die beiden laufstärksten Akteure auf dem Sinsheimer Rasen.

Unter Beobachtung

„Ich habe eine tolle und sehr disziplinierte Mannschaftsleistung gesehen. Wir haben die Seiten gut zugemacht“, sah sich Adi Hütter nach seinem vierten Sieg im vierten Aufeinandertreffen mit der TSG, die damit in der Bundesliga der Lieblingsgegner des Cheftrainers ist, in seiner Auf- und Umstellung bestätigt, ohne dabei in allzu großen Überschwang zu verfallen: „Wir werden das Ganze weiter beobachten“, bleibt dem Österreicher „wichtig, verschiedene Systeme zu beherrschen.“ Um sowohl auf den jeweiligen Gegner, als auch die eigene Personalsituation die richtigen Antworten zu haben. In diesem Zusammenhang erscheint als bemerkenswerte Randnotiz, dass beiden Seiten die in der Hinrunde passsichersten Akteure nicht zur Verfügung standen: Auf der einen Seite der nach Bremen verliehene Kevin Vogt (94,4 Prozent), auf der anderen der am Morgen seines 36. Geburtstages erkrankte Makoto Hasebe (89,8 Prozent), die beiden etatmäßigen Liberos der Kontrahenten.

Aber wie schon der selige Jörg Berger wusste: „Ich höre immer Dreierkette, Viererkette. Es gibt auch Perlenkette. Man soll das spielen, was man kann.“ Und das war am 18. Spieltag schnörkelloser Umschaltfußball. Die TSG Hoffenheim, die mit neun Gegentreffern konteranfälligste Mannschaft der Hinrunde, verzeichnete zwar 65 Prozent Ballbesitz, Frankfurt aber 13:12 Torschüsse. „Wir haben wieder wesentlich vertikaler und schneller nach vorne gespielt“, freute sich Coach Hütter über eine Annäherung an einstige Ideale. Auch TSG-Trainer Alfred Schreuder erkannte: „Defensiv hatten wir weniger Probleme, außer wenn Frankfurt schnell umgeschaltet hat.“ Weshalb die scheinbar verfluchten Badener nun schon zum elften Mal am Stück nicht zum Rückrundenauftakt gewinnen konnten. Hierbei sei aber auch eine weniger berauschende SGE-Serie nicht verschwiegen. Die Adlerträger sind im zehnten Saisonspiel in Folge nicht ohne Gegentor geblieben, dafür aber bekanntlich nach einem Punkt in sieben Partien erstmals wieder ohne Punktverlust, zumal auswärts. Einen (dreifachen) Punktgewinn hatte Frankfurt bis dato nur Ende September bei Union Berlin eingefahren – als sich Kevin Trapp in der Nachspielzeit an der Schulter verletzte. Zwischen den beiden einzigen Auswärtssiegen und der Rückkehr des Nationaltorhüters einen Zusammenhang herzustellen, wäre zwar mehr als gewagt. Fest steht aber, dass der 29-Jährige trotz Kaltstarts bei zu Beginn leichtem Schneefall schon wieder der bekannte Rückhalt war und hielt, was zu halten war. „Ich freue mich über meine heutige Rückkehr und bin noch glücklicher, weil wir heute gewonnen haben“, bekundete Trapp.

„DNA, die uns ausmacht“

Eigentlich weniger erstaunlich als das Blitzcomeback war, dass Frankfurt einmal mehr ein Kopfballtor fabrizierte, schon das siebte in dieser Spielzeit. Bemerkenswert war eher der Schütze, der zum rechten offensiven Mittelfeldspieler umfunktionierte Timothy Chandler schraubte sich nach einer Stunde in schwindelerregende Höhen und nickte nach Flanke von Flügelpendant Filip Kostic zum 2:1-Siegtreffer ein, seinem ersten Erfolgserlebnis seit dem 19. Februar 2018. „Vielleicht hatte er Sprungfedern in den Schuhen“, witzelte im Hütter im Anschluss.

Tags zuvor hatte der Fußballlehrer ganz rational vorgerechnet, dass die Eintracht bis zum zehnten Spieltag einen Torschnitt von 2,1 zu 1,5 verbuchte hatte. Diesem Maßstab kamen die Hessen wieder kopfballungeheuerlich nah, wenngleich in der Schlussphase sogar mehrfach die Vorentscheidung möglich war. Für Sportvorstand Fredi Bobic einerlei: „Wir haben die DNA gezeigt, die uns ausmacht und die wir brauchen, um erfolgreich zu sein. Jetzt müssen wir weitermachen. Am Samstag kommt Leipzig.“ Und dann ein mit sieben Begegnungen vollgepackter Februar, die Bremen-Partie am 1. März ist das dann achte Spiel in 30 Tagen. Ein Anfang ist gemacht.

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