Die Arbeitswoche begann mit einem Dämpfer, weil alte Muster wiederkehrten. Im Schlechten, aber auch im Guten.

Verlass war nämlich einmal mehr auf die ruhenden Bälle, auch wenn das 1:0 nach einer Ecke auf Umwegen zustande kam. Der Einschuss von Martin Hinteregger war bereits der fünfte von der Eckfahne initiierte Saisontreffer. Ebenfalls eine Handvoll Standardtore stehen in der UEFA Europa League zu Buche, in der die Hessen anteilig mit 83 Prozent sogar am gefährlichsten – manche würden sagen: abhängigsten – aller Wettbewerber sind.

Doch weil vier Tage nach dem Triumph in der Hauptstadt Englands in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt nicht auf alle Frankfurter Naturgesetze eintraten, bleibt der Auswärtsfluch in Mainz nach dem zwölften sieglosen Bundesligaspiel am Rhein bestehen. Diesen brechen zu wollen, war Adi Hütter im Nachgang sichtlich anzumerken. „Wir wollten Geschichte schreiben, waren auf einem guten Weg, sind in Führung gegangen, haben uns dann aber um die Früchte unserer Arbeit gebracht“, befand der Cheftrainer, wohl wissend, dass die optimistische Handhabe eigener Eckbälle nicht nur zum Dosenöffner, sondern kurz vor der Pause auch zum Bumerang gereichte.

Ecke hat’s gegeben, Ecke hat’s genommen

„Kein Vorwurf an Dominik wegen der Roten Karte, wir haben die Ecke im Verbund schlecht verteidigt“, erstickte Sebastian Rode sämtliche Diskussionen um den Platzverweis gegen den für André Silva in der Startelf stehenden Kohr im Keim. Auch Hütter bemängelte „die fehlende Absicherung.“ Der Chefcoach übertrug in Abwesenheit von David Abraham (gesperrt), Makoto Hasebe (krank) und Gelson Fernandes (Bank) eben Rode die Kapitänsbinde, die der Mittelfeldmotor erstmals seit dem 20. April 2013, seinerzeit beim 1:0 über den FC Schalke 04, von Beginn an trug. Überhaupt war es bemerkenswert, dass sich die Frankfurter Formation ausschließlich aus U30-Spielern zusammensetzte, auch die eingewechselten Lucas Torró und Mijat Gacinovic sind erst Mitte 20.

Dass ein Mann mehr oder weniger aber nicht ausschlaggebend sein muss, zeigten die vergangenen Wochen: Mainz gewann auch in Unterzahl in Hoffenheim, während Frankfurt sowohl in Unter- als auch in Überzahl in Freiburg und gegen Wolfsburg unterlag. „Die Platzverweise tun uns weh“, sagte Hütter dennoch, gleichzeitig darauf hinweisend, dass die Gegentore besser zu verteidigen gewesen wären. Weshalb am Ende nach fünf ungeschlagenen Spielen nicht nur die erste einträchtige Niederlage an einem Montagabend, sondern auch die erste Partie, welche die Hessen in dieser Spielzeit nach eigener Führung noch verloren haben.

Willkommen im Niemandsland

Wenngleich sie die Partie längst nicht verloren gaben. Wir sind am Ende nochmal in Hektik verfallen, weil die Eintracht nie aufgegeben und selbst in Unterzahl alles nach vorne geschmissen hat, zollte M05-Coach Achim Beierlorzer der Moral der nach dem Seitenwechsel und der Einwechslung von Lucas Torró für Goncalo Paciencia ohne gelernten Stürmer agierenden Adlerträger großen Respekt. „In den letzten 20 Minuten waren wir die bessere Mannschaft und haben Pressing und Wille entgegengesetzt“, meinte auch der belebende Gacinovic, dem die ausgelassenen Möglichkeiten zum Schluss bewusst waren. Am Eifer mangelt es ja grundsätzlich nicht: 210 Torschüsse sind die meisten nach den Bayern.

Dagegen empfängt die Eintracht am Freitag die gebeutelte Hertha im berüchtigten Niemandsland. Worüber sich die Hessen aber nur bedingt den Kopf zerbrechen wollten. „Gegen eine gute Mainzer Mannschaft zu verlieren, kann immer passieren. Die Niederlage gegen den VfL Wolfsburg ärgert uns mehr“, blieb Rode nach der dritten Bundesliganiederlage in Folge einordnend sachlich. Oder um es mit Danny da Costa zu nehmen: „Zum Glück geht es am Freitag schon weiter.“

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