Mit dem zweitschnellsten Treffer der Frankfurter Bundesligageschichte sichert sich die Eintracht die ersten drei Saisonzähler und stellt dabei einen alten Vereinsrekord ein.

Der erste Treffer ging am Sonntagnachmittag an die TSG Hoffenheim. Weil deren Kapitän Kevin Vogt gegen David Abraham die Platzwahl gewann, mussten oder durften – je nach Auslegung – die Adler in der ersten Halbzeit auf ihre Nordwestkurve stürmen. Rückblickend vielleicht ein Wink des Schicksals. Als befänden sich die Hessen wie in der vergangenen Rückrunde gegen denselben Gegner in der Schlussphase in Rückstand, gab es mit dem ersten Anstoß nur den Weg nach vorne. „Wir wollten draufgehen, das ist genau das, was uns liegt“, meinte hinterher Kevin Trapp. Die erste von zehn Ecken war die Folge. Es blieb die einzige zielführende, als der kurz angespielte Filip Kostic eine Flanke auf Höhe des Elfmeterpunktes schlug und Martin Hinteregger nach 36 Sekunden im Stile eines Vollblutstürmers zum 1:0 vollstreckte. Nebenbei ist die 36 die langjährige Lieblingsnummer des Österreichers, der noch drei Tage zuvor gegen den FC Vaduz für Marco Russ ins Spiel gekommen war, nachdem sich der 34-Jährige in der Nähe der Einschussstelle die Achillessehne gerissen hat. Was Captain Abraham und Timothy Chandler nach dem Schlusspfiff zum Anlass nahmen, das Trikot mit der Nummer 23 des Eigengewächses vor den Zuschauern auszubreiten.

Zurück zum nach Alex Meier, der 2012 gegen Greuther Fürth nach 21 Sekunden getroffen hatte, schnellsten Tor der Frankfurter Bundesligageschichte, welches gewissermaßen das vorherige Duell der beiden Clubs konterkarierte. Noch im März hatte Goncalo Paciencia nach 95 Minuten und 34 Sekunden den zweitspätesten Treffer der Historie des hessischen Traditionsvereins besorgt.

Lob vom Gegner

Mit der Ausnahme, dass der Portugiese in der Sturmspitze für Ante Rebic weichen musste, erinnerten viele Schemen stark an das Hinspiel beim FC Vaduz, als die Führung der gleichen Eckballvariante entsprungen war. In Liechtenstein hatte Adi Hütter erstmals eine Art 3-4-2-1 ausprobiert und den Gastgeber seinerzeit durchaus überrascht, wenngleich das 5:0 beim Schweizer Zweitligisten wenig Aussagekraft über das tatsächliche Leistungsvermögen gegeben hatte.

Das war gestern anders, wenngleich manche Werte paradox erscheinen mögen. Die Eintracht lief knapp zwei Kilometer weniger, brachte nur etwa zwei Drittel ihrer Pässe an den Mann, hatte knapp ein Drittel Ballbesitz und gewann weniger Zweikämpfe. Aber: Gelangte Frankfurt an die Kugel, war ein Torabschluss nicht weit. Insgesamt 17 Schüsse können sich sehen lassen. Dagegen gab es für die Kraichgauer kaum ein Durchkommen, von zehn Schüssen landete überhaupt nur einer auf dem Kasten. „Es war nicht immer möglich, Räume zu finden, weil Frankfurt das sehr gut gemacht hat“, befand auch Hoffenheims Coach Alfred Schreuder.

Startrekord eingestellt

Was auch insofern bemerkenswert war, weil die TSG in der vergangenen Spielzeit als einzige Mannschaft in jedem Auswärtsspiel getroffen hatte, während die Eintracht in den vorangegangenen 256 Heimspielminuten in der Bundesliga torlos geblieben war. „Nach 15 Minuten haben wir es nicht mehr so gut gemacht und standen zu tief“, sah Chefcoach Adi Hütter dennoch Steigerungsbedarf. Auch dass der vierte heimische Auftaktsieg in Serie dann nicht früher in trockenen Tüchern war, war freilich nicht im Sinne des Gastgebers. „Bei Ballbesitz hätten wir es besser machen können“, analysierte Gelson Fernandes, der erst neben Dominik Kohr und nach einer Stunde an der Seite von Sebastian Rode abräumte. Die zweite Einwechslung nach 70 Minuten war wiederum als eindeutiges Signal zu deuten, als mit Paciencia ein zweiter Angreifer das Feld betrat. „Wir müssen früher das 2:0 machen“, bekräftigte auch Hütter.

So oder so stand am Ende der sechste Sieg im sechsten Pflichtspiel 2019/20, womit die Eintracht nebenbei einen Startrekord aus der Saison 1997/98 eingestellt hat ­– und sich in diesem Zusammenhang am Sonntagabend innerhalb einer Stunde gleich mit drei Wettbewerben konfrontiert sah. So vermengte sich die Nachbetrachtung des Bundesligastarts mit dem Ausblick auf die Play-offs gegen Strasbourg sowie der Auslosung der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen St. Pauli. Oder anders gesagt: Im Optimalfall warten bis Weihnachten noch 25 Spiele. Der Kraftakt hat begonnen.

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