Trainingslager, Kaderplanung, Saisonziele – große Themen, viele Fragen. Sportvorstand Fredi Bobic liefert in der Schweiz Antworten.

Fredi, Eintracht Frankfurt ist dieses Jahr erstmals zur Saisonvorbereitung in der Schweiz. Wie kam es zu dieser Wahl?
Für uns hat sich das angeboten, da der Rahmenterminkalender dieses Jahr mit der Europa-League-Qualifikation nicht unbedingt auf eine große Auslandsreise wie die USA ausgelegt war. Dann ist es natürlich besser, wenn das Trainingslager räumlich näher stattfindet. Und in der Schweiz ist es schön, ich war als Spieler auch oft hier im Trainingslager. Die Bedingungen sind sehr gut. Beim Uhrencup spielen wir gegen zwei attraktive Gegner, gegen den Schweizer Meister BSC Young Boys und gegen den FC Luzern. Das alles passt für unseren diesjährigen Sommerfahrplan gut zusammen.

Wie immer gibt es auch in diesem Sommer wieder zwei Trainingslager, das zweite in Windischgarsten in Österreich. Worauf kommt es in diesem ersten Trainingslager hier in der Schweiz an?
Hier wollen wir erst die Basis schaffen. Wir haben keine Zeit für Experimente, dementsprechend müssen die Spieler 100 Prozent fokussiert sein. Der Konkurrenzkampf wird hoch sein. Wir werden bis zum ersten Pflichtspiel nicht viele Spiele haben. Deshalb werden wir alles daran setzen, dass wir dieses erste Trainingslager optimal nutzen, von der Prävention vor dem Training bis zur Nachbereitung. Wir sind eine große Gruppe mit einigen neuen Spielern. Entsprechend wird es spannend sein, wer sich in dieser Zeit anbieten kann.

Am Mittwoch und Freitag geht es im Rahmen des Uhrencups gegen BSC Young Boys und den FC Luzern. Was erwartest du von den Begegnungen?
Zunächst sind die Ergebnisse für mich zweitrangig. Natürlich willst du in der Vorbereitung gut aussehen, aber die Gegner sind ebenso ambitioniert. Sowohl die Young Boys als auch Luzern sind schon länger in der Vorbereitung und uns somit einen Schritt voraus. Das macht sie für uns zu optimalen Vorbereitungsgegnern. Wir wollen zwei ordentliche Spiele machen, aber die Ergebnisse sind wie gesagt nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir unser variables Spiel, an dem wir arbeiten, schon zeigen können.

Du bist ja auch in regem Kontakt mit unserem Cheftrainer Adi Hütter. Hast du ihm für seine zweite Bundesligasaison etwas Besonderes auf den Weg mitgegeben?
Eigentlich nur, dass es erst einmal zählt, die einfachen Dinge wieder richtig zu machen. Er hat aber genug Erfahrung, um das auch selbst zu wissen. Natürlich sind nach diesem ersten Jahr, in dem vieles überragend lief, die Erwartungen im Umfeld gestiegen. Das macht es nicht unbedingt einfacher. Aber ich glaube, dass unsere Fans einschätzen können, dass es keine einfache Saison wird. Adi weiß, dass er unser volles Vertrauen genießt. Das ist das Wichtigste.

Für dich ist es erneut ein intensiver Sommer. Du hast für die kommende Spielzeit bereits vier neue Spieler verpflichten können. Was kannst du uns über diese Jungs sagen?
Sie sind in ihrer Art ganz unterschiedliche Charakter. Mit Djibril Sow haben wir jemanden verpflichtet, der Schweizer Nationalspieler ist und auch schon seine Erfahrungen in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach sammeln konnte. Damals war er aber noch sehr jung, danach bei den Young Boys hat er einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Aber wir wollen ihn natürlich auch nicht direkt am Anfang unter Druck setzen. Er ist ein Spieler, der unheimlich viele Wege macht in einem Spiel, der fleißig und technisch sehr stark ist. Genauso Dominik Kohr. Ich freue mich, dass wir mit ihm einen deutschen Spieler mit Bundesligaerfahrung verpflichten konnten. Er bringt alles mit, was unsere Eintracht-Mentalität ausmacht. Erik Durm ist ein extrem vielseitiger Spieler, der viele Positionen bekleiden kann. Er freut sich auch unheimlich, hier bei der Eintracht zu sein. Als er das Angebot bekommen hat, war er nach eigener Aussage ganz nervös und auch begeistert von der Möglichkeit, bei Eintracht Frankfurt zu spielen. Er hat unsere Spiele in England verfolgt. Jetzt ist er auch wieder absolut gesund, hat bei Huddersfield 28 Ligaspiele bestritten. Die Erfahrungen, die er in der Premier League in einer für den Klub nicht einfachen Saison sammeln konnte, tun uns sehr gut. Nicht zuletzt natürlich Dejan Joveljic, der noch jung ist, aber unglaublich hungrig, das sieht man in seinen Augen. Er freut sich schon sehr auf das Abenteuer Bundesliga. Gleichzeitig macht er einen sehr gefestigten und reifen Eindruck. Aber natürlich braucht er noch seine Zeit, die wird er bekommen. Ich bin sicher, dass er sehr schnell lernen wird.

Dazu kommt Rodrigo Zalazar, der zunächst verliehen wird.
Rodrigo hat eine überragende U20-Copa-America gespielt, ist mit Uruguay Dritter geworden. Unser Chefscout Ben Manga war vor Ort und zeigte sich hellauf begeistert von dem Jungen. Er hat unheimlich viel Potenzial, ist ein sehr aggressiver Spieler. Aber in seinem Alter müssen wir berücksichtigen, wo er Spielpraxis sammeln kann, auch weil wir auf seiner Position bereits über viele Spieler verfügen. Wir kennen den Trainer von Korona Kielce, Gino Lettieri, sehr gut und wissen Rodrigo bei ihm in guten Händen.

Was kann oder soll aus deiner Sicht in diesem Transferfenster noch passieren?
Es kann schon noch etwas passieren. Wir haben jetzt noch fast zwei Monate, das ist eine lange Zeit. Ich weiß aus Erfahrung, auf welche verrückte Weise sich die Dinge ergeben können. Der Kader ist sehr groß, wir möchten noch drei bis vier Spieler abgeben. Es kann natürlich auch gut sein, dass wir noch den einen oder anderen holen. Wir sind für alles gewappnet.

Wie ist der Stand bei Trapp, Rode und Hinteregger, die in der vergangenen Saison ausgeliehen wurden und nun wieder bei ihren Stammvereinen sind?
Der Stand ist unterschiedlich, aber wir wollen nach wie vor alle drei Spieler halten. Ich hatte bereits ein sehr gutes Gespräch mit Leonardo, dem neuen sportlichen Verantwortlichen von PSG. Aktuell wird Kevin nicht freigegeben. Bei Martin Hinteregger ist es so, dass zwischen dem FC Augsburg und uns gerade Funkstille herrscht. Hinti ist dort ins Training eingestiegen. Vor ein paar Tagen habe ich mit ihm gesprochen, er ist total in der Spur. Aber es ist natürlich kein Wunschkonzert. Unabhängig davon sind wir in der Innenverteidigung gut aufgestellt, etwa mit Evan Ndicka, der ein sehr gutes Jahr gespielt hat. Seppl Rode ist gerade als Spieler von Borussia Dortmund in der Reha. Auch in seinem Fall werden wir die Gespräche in den nächsten Wochen intensivieren.

Du bastelst offensichtlich an einem starken Team. Auf welche Ziele wird der neue Kader ausgerichtet?
Erst einmal ist ein ganz großes Ziel, die Gruppenphase der Europa League zu erreichen. Wir sind es uns und unseren Fans schuldig, dafür alles zu geben. Diese Qualifikation ist aber kein Selbstläufer. Aber mit unseren Fans im Rücken bin ich zuversichtlich. Hinsichtlich der Bundesliga haben wir kein einfaches Auftaktprogramm. Wir werden viele englische Wochen haben und möchten natürlich trotzdem konkurrenzfähig bleiben. Konkurrenzfähigkeit steht über allem! Mit den unteren Regionen der Tabelle wollen wir nichts zu tun haben. In dieser Liga musst du aber immer demütig sein, denn es kann jeden erwischen. Es reicht, mal ein bisschen schlechter drauf zu sein oder einige Verletzte zu haben. Deswegen müssen wir einen konzentrierten Job machen, das werden wir tun. Natürlich wollen wir auch im DFB-Pokal eine Runde weiterkommen, das haben wir zwei Jahre hintereinander bis nach Berlin geschafft. Letztes Jahr haben wir uns eine kleine Auszeit genommen (schmunzelt). Diesmal werden wir vorher schon einige Spiele gehabt haben, diese Ausrede gilt dann nicht mehr.


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