An den 21. Juni 1975 werden sich die älteren Eintracht-Fans gerne erinnern: das Team von Dietrich Weise holte den DFB-Pokal – in Hannover, heute wieder Spielort.

Körbel schießt Eintracht zum Pokalsieg 1975
Körbel schießt Eintracht zum Pokalsieg 1975

21. Juni 1975. Hannover. 35 Grad im Schatten. Und schon Probleme auf der Hinfahrt. Zumindest für die Spielerfrauen, denn deren Bus blieb unterwegs liegen. Doch zumindest Letzteres sollte die Mannschaft nicht stören, und über die Hitze sagte Jürgen Grabowski vorher trocken: „Wir sind die einzige Mannschaft, die auch mit Sonnenstich spielen kann.“

Letztlich sollte die Partie gegen den MSV Duisburg im Niedersachsenstadion aber zu einem Zeitpunkt entschieden werden, als ein Gewitterschauer die Gemüter etwas runtergekühlt hatte. Grabowski: „Der Regen machte uns wieder frisch, wir brauchten den toten Punkt nicht zu überwinden“. Die favorisierten Frankfurter hatten sich lange Zeit schwer getan, waren die bessere Mannschaft, doch vor der Pause sollte noch nichts Zählbares auf der Anzeigetafel zu vermelden sein. Nach dem Regenschauer wurde die Entscheidung in der 57. Minute erzielt. Hier ein Auszug aus einem Spielbericht: Den folgenden Einwurf gibt Grabowski zu dem heranstürmenden Reichel, der im Sprint eine Ecke erzwingt. Die tritt Grabowski hoch nach innen, wo Linders an Hölzenbein nicht vorbei kommt und Körbel gemeinsam mit Dietz den Ball verpasst. Der Ball prallt auf den Boden und dort von Schneiders Schienbein zu Hölzenbein, der im Fallen das Leder noch aufs Tor spitzeln kann. Linders ist ausgerutscht und immer noch am Boden, kann das Leder jedoch mit dem linken Unterschenkel am Überqueren der Torlinie hindern. Im hohen Bogen springt der Ball zurück, Schneider will eingreifen, doch er rutscht erneut aus, während Körbel schneller schaltet als Bella und den Ball zwischen dem Verteidiger und Linders aus kurzer Distanz volley ins Tor hämmert. Neben dem linken Pfosten schlägt die Kugel ein, die Eintracht führt 1:0. Ein Tor wie bestellt. Und tatsächlich hatte Trainer Weise in der Pause seinem Vorstopper mit auf dem Weg gegeben: "Karl-Heinz, Sie haben ja heute keinen direkten Gegenspieler, weil Worm gegen Grabowski spielt. Jetzt müssten Sie eigentlich nach vorne gehen und ein Tor erzielen." Zwölf Minuten hat Körbel nur benötigt, um den "Auftrag" des Trainers gehorsam auszuführen.

Es sollte das einzige Tor an jenem 21. Juni bleiben, die Eintracht hatte nach einer langen Saison den DFB-Pokalsieg verteidigt. Dietrich Weise hatte schon vor dem Spiel gesagt: „Die Kondition der Mannschaft hat ihre letzte Grenze erreicht“. Doch für Körbel, Hölzenbein, Grabowski, Nickel, Trinklein und Co. reichte es vor 43.000 Zuschauern noch zu einer letzten Energieleistung.

Einer, der mit seiner Leistung gar nicht zufrieden war, ist der damals am Knie lädierte Bernd Hölzenbein. „Ich habe nicht gut gespielt. Das sieht man auch auf den Bildern nach dem Spiel, ich habe bedröppelt dreingeschaut“, sagt er heute. Schwamm drüber, Hauptsache gewonnen.

Hölzenbein war auch bei den beiden bislang einzigen Pokalduellen zwischen Hannover 96 und Eintracht Frankfurt in der Saison 1972/73 dabei. Damals gab es noch Hin- und Rückspiel in der ersten Runde, die kurz vor Weihnachten 1972 ausgetragen wurde. Die Eintracht verlor in Hannover 0:1 und kam nach einem 4:2 zehn Tage später im Waldstadion noch weiter. Hölzenbein traf mit einem Schlenzer zum 3:1 und per Kopf zum 4:2. Das zwischenzeitliche 1:1 für Hannover hatte übrigens ein gewisser Willi Reimann erzielt, Trainer bei unserer SGE zu dieser Zeit war Erich Ribbeck.

42 Jahre nach dem Pokalsieg ist die Eintracht heute wieder in Hannover für ein DFB-Pokalspiel zu Gast. Und gegen einen 1:0-Sieg hätte sicherlich niemand etwas einzuwenden.




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