Im Interview sprechen Thomas Broich und Jerome Polenz über ihre neue Aufgabe, die Anfänge ihrer Freundschaft und ihre Ziele mit der Eintracht.

Wie sind eure ersten Gefühle als Neu-Adlerträger?
Jerome Polenz: Das ist für uns natürlich eine große Ehre. Wir freuen uns unglaublich auf die Aufgabe und darauf, die Jungs fußballerisch und menschlich nach vorne zu bringen. Das wird eine spannende Zeit!

Wie kam der Kontakt zur Eintracht?
Thomas Broich: Eigentlich kam das ein bisschen zufällig. Wir sind beide derzeit als Analysten im Fernsehen aktiv. Zudem werkeln wir gerade an mehreren Fronten und haben beispielsweise diverse Hackathons [Anm. d. Red.: Soft- und Hardware-Entwicklungsveranstaltungen] mit dem DFB bestritten. Dadurch ergeben sich immer Schnittstellen mit anderen Experten aus dem Fußballgeschäft, die man zum Beispiel auf Veranstaltungen trifft. Da kamen wir mit Sebastian Zelichowski ins Gespräch und haben uns auf Anhieb auch super untereinander und später mit Fredi verstanden. Wir sind ein paar Mal nach Frankfurt gekommen und haben beim Training zugeschaut. Wir haben von Anfang an gemerkt, dass das richtig gut passen könnte.

Was verbindet ihr mit der Eintracht?
Polenz: Da sind bei mir vor allem die Kindheitserinnerungen noch sehr präsent, gerade in der Zeit mit Anthony Yeboah und Co. Damals war die Eintracht eine Macht und ich glaube, dass der Verein gerade auf dem Weg ist, an diese Zeiten anzuknüpfen. Dabei wollen wir gerne mithelfen und den Jugendbereich persönlich weiterentwickeln. Wir hoffen, dass wir den Jungs einiges mit auf den Weg geben können.
Broich: Wir gehören tatsächlich noch zu der Generation, die „Zeugen Yeboahs“ waren (lacht). Seitdem hat sich viel getan. Ich habe sogar mit dem SV Wacker Burghausen in der Zweiten Liga gegen die Eintracht gespielt. Auf jeden Fall gibt es ein paar frühe Erinnerungen an die SGE.

„Gute Chemie kommt nicht von ungefähr“

Wie habt ihr den Verein in der jüngeren Vergangenheit wahrgenommen?
Polenz: Die Eintracht hat sich auf jeden Fall sehr positiv entwickelt. Ich denke, das hängt auch mit den handelnden Personen zusammen. Fredi Bobic, Sebastian Zelichowski und alle anderen haben in Frankfurt unglaublich viel bewegt. Das sieht man nicht nur an den Erfolgen, sondern auch an den Strukturen im Verein. Das hat uns auch von Anfang an sehr zugesagt. Hier arbeiten absolut verbindliche Leute und das wissen wir sehr zu schätzen. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir sofort eine so gute Chemie hatten. Wir sind sehr froh, zukünftig ein Teil dieses Vereins zu sein.

Hattet ihr schon Kontakt mit Andi Möller, dem Leiter des Leistungszentrums?
Broich: Am Anfang war er noch nicht dabei, da ging das Ganze vorwiegend über Matthias Borst, Sebastian Zelichowski und Marco Pezzaiuoli. Wir haben schnell gemerkt, dass wir fußballerisch voll auf einer Wellenlänge sind. Dann kam Andi dazu und hat uns nachhaltig für das ganze Projekt begeistert. Er ist voller Tatendrang, hat viele Ideen und hat uns signalisiert, dass er große Lust darauf hat, dass wir dort mitmischen. Wir haben uns über die Zukunft unterhalten und besprochen, wie wir das alles angehen und konzipieren wollen. Ich habe das Gefühl, wir legen im Grunde schon los.

Habt ihr euch Ziele gesetzt, die ihr mit der U15 erreichen wollt?
Polenz: In erster Linie geht es darum, dass die Jungs eine tolle fußballerische Ausbildung bekommen. Wichtig ist aber auch, dass sie in der Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden. Das sind unsere vorrangigen Ziele. Wenn dann noch der eine oder andere Erfolg hinzukommen sollte, ist das ein Bonus.
Broich: Es ist sehr wichtig, diesen Spagat hinzubekommen. Wir treten den Job an, um den Jungs zu sagen: „Wir möchten, dass ihr so geile Kicker werdet, dass ihr echt die Chance habt, mit dem Fußball euer Geld zu verdienen.“ Auf der anderen Seite dürfen wir niemals die Tatsache vergessen, dass das für viele nicht der Fall sein wird. Wir haben auch viele Fehler gemacht in unserer Karriere und vielleicht können wir den ein oder anderen davor bewahren, eben diese Fehler zu wiederholen. Es ist wichtig, eine gesunde Einstellung zum Leben zu entwickeln und eine top fußballerische Ausbildung gewährleistet zu bekommen.

Wie blickt ihr auf eure aktive Karriere zurück?
Polenz: Mit gemischten Gefühlen. Je älter man wird und je mehr Erfahrungen man sammelt, desto eher sieht man, welche Fehler man gemacht hat und welche Dinge nicht optimal gelaufen sind. Trotzdem tragen die ganzen Fehler aus jungen Jahren dazu bei, dass man sich als Mensch entwickelt. Wir haben sehr viele Erfahrungen auf negative Art und Weise machen müssen, aber auch dürfen. Je mehr Erfahrungen du machen kannst, desto größer ist die Chance, dass du dich weiterentwickelst.

„Kicken und Spaß haben“

Wie wird unsere U15 von eurem Taktik-Know-how profitieren?
Broich:
Das ist die große Frage (lacht). Natürlich haben wir den Kopf voller Ideen, aber wir stehen dann auch zum ersten Mal auf dem Platz. Es ist aber völlig klar, dass wir die Jungs nicht erschlagen wollen. Im Idealfall lernen sie das ein bisschen impliziert. Ich persönlich habe lange Fußball gespielt, ohne eigentlich richtig zu verstehen, wie das alles abläuft. Da war viel improvisiert, aus dem Bauch heraus. Ich denke, dass sich der Fußball in den vergangenen Jahren extrem verändert hat und sehr komplex geworden ist. Und ich hoffe, dass wir das gut vermitteln können. Klar wollen wir mit Videos arbeiten, wir haben auch unsere taktischen Prinzipien. Aber im Vordergrund steht bei 15-Jährigen, dass sie einfach kicken und Spaß haben sollen. Im besten Fall merken sie gar nicht, was sie da eigentlich lernen.

Jerome, du hast mal gesagt, dass du den Fußball in Australien erst richtig kennengelernt hast. Was hat es damit auf sich?
Polenz:
Das ist bei mir ähnlich, wie es Thomas gerade beschrieben hat. Ich habe vorher auch immer nur Instinkt-Fußball gespielt. Ich hatte das Glück, dass ich mit Tony Popovic einen sehr guten Trainer hatte, der uns den Fußball sehr strukturiert erklärt und viel mit Video-Analysen gearbeitet hat. Er hatte einen Plan, hat uns gezeigt, wo wir sind und wo wir hin wollen. Er hat uns Schritte vorgegeben und dadurch hat man gemerkt, wie der Fußball eigentlich strukturiert ist. Das hat uns Spielern unglaublich geholfen. Deshalb wollen Thomas und ich dort ansetzen.

Ihr seid seit einigen Jahren ein Duo. Wann seid ihr euch denn das erste Mal begegnet?
Broich:
Im Endeffekt sind wir uns erstmals als Gegenspieler in Australien begegnet. Das war für mich persönlich nicht so schön. Für mich lief es damals überragend, ich hatte dort die schönste Zeit meiner Karriere. Wir haben ein Spiel nach dem anderen gewonnen und dann kam plötzlich Jerome und hat sich den Western Sydney Wanderers angeschlossen, die uns direkt im ersten Jahr den Titel geklaut haben. Und er hat mir im direkten Duell auch noch komplett den Zahn gezogen. Das heißt, ich mochte ihn zuerst überhaupt nicht (lacht). Er war so ein geschniegelter Typ mit Haarband und kam in den Medien mit seinen Sprüchen so ein bisschen arrogant rüber. Da war er gar nicht mein Fall. Dann habe ich ihn aber als Fußballer schätzen gelernt und irgendwann ist er bei uns in Brisbane gelandet. Als Mitspieler habe ich seine menschlichen Qualitäten kennenlernen dürfen. So hat es nicht lange gedauert, bis Jerome und seine Frau bei meiner Frau und mir eingezogen sind. Wir hatten damals eine ziemlich große Wohnung am Stadtrand von Brisbane, da war zu viel Platz. Deshalb haben wir daraus eine Fußball-WG gemacht. Wir haben Tag und Nacht nur auf dem Platz gestanden und trainiert oder über Fußball diskutiert. So ist das alles ins Rollen gekommen.
Polenz: Ich habe das ähnlich empfunden. Als ich zu den Western Sydney Wanderers kam, war das ein komplett neu gegründeter Verein. Unser Trainer hat immer davon gesprochen, dass die Meisterschaft das Ziel ist. Alle Spieler haben gedacht, dass das unmöglich ist. Der Trainer hatte aber einen ganz klaren Plan und aus irgendeinem Grund sind wir tatsächlich im ersten Jahr Meister geworden. Und Brisbane Roar, der Verein, bei dem Thomas unter Vertrag stand, war unser größter Konkurrent. Wir haben es aber geschafft, sie zu besiegen. Ich glaube, dass Thomas noch ein Andenken von mir aus dem zweiten Spiel hat. Da habe ich ihm leider die Nase gebrochen.

Thomas, es gab eine Zeit, in der du niemals gedacht hättest, nach deiner aktiven Karriere noch etwas mit Fußball zu tun zu haben. Wie kommt es, dass du jetzt auf einmal Trainer wirst?
Broich:
Bei mir ging es auch mit meinem Trainer in Australien los. Er hat es verstanden, mir den Fußball so zu erklären, dass meine Augen ganz weit aufgegangen sind. Ich habe auch auf dem Platz gespürt, wie einfach Fußball sein kann. Es ging um bestimmte Rotationen und Prinzipien auf dem Feld, die heutzutage völlig selbstverständlich sind. Aber zur damaligen Zeit war das noch nicht der Fall. Da hat man versucht, aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Wenn du dann auf einmal merkst, dass du taktisch total überlegen sein kannst, weil das Spielverständnis bei allen viel größer ist, dann bist du total angefixt. Damals wusste ich: wenn das möglich ist, dann will ich das auch erleben.

„Es wird immer hart diskutiert“

Habt ihr schon über eine Aufgabenteilung gesprochen?
Broich:
In meiner Wunschvorstellung kümmert sich Jerome um die Defensive, sodass ich mich den „schönen“ Seiten des Fußballs widmen kann (lacht). Nein, wir begegnen uns komplett auf Augenhöhe. Wir haben unterschiedliche Ansätze, deshalb sind wir auch nicht immer einer Meinung. Egal welchen Ansatz wir am Ende wählen, er wird hart ausdiskutiert.

Konntet ihr schon Erfahrungen mit Kids im Fußball-Bereich sammeln?
Polenz
: Ich habe ein sechswöchiges Praktikum bei Werder Bremen gemacht und wir waren auch bei Leverkusen mal eine Weile dabei. Ein paar Erfahrungen haben wir also schon gesammelt. Aber wir haben noch nie eine Mannschaft hauptamtlich geleitet.

Worauf freut ihr euch bei der Eintracht am meisten?
Broich: Ich freue mich auf einige Sachen. Ich habe das Gefühl, dass hier gerade eine Dynamik entsteht. Es ist schon eine große Bereicherung, ein Teil davon zu sein. Außerdem haben Kids eine geile Energie. Wer bei der U15 von Eintracht Frankfurt spielt, der hat es echt drauf. Sie wollen lernen und sie wollen Profis werden. Ich habe in Brisbane und Leverkusen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Mir hat es unglaublich viel gegeben, die Freude und Begeisterung zu spüren.

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