Seit 2011 fördert er die Eintracht-Keeper, hat viel gesehen und noch mehr zu berichten. Heute spricht Petz über alte Bekannte, neue Herausforderungen, Rönnow und vieles mehr.

Moppes, den Beruf Torwarttrainer hast du dir wahrscheinlich als Kind nicht ins Poesiealbum eingetragen. Wie kamst du dazu?
Leider hatte ich kein Poesiealbum (lacht). Die Entwicklung hat schon zu meiner aktiven Zeit angefangen. Damals gab es die Funktion des Torwarttrainers in der heutigen Form noch gar nicht. Deshalb habe ich das Training für die Torhüter übernommen, und habe etwa Stephan Kuhnert, der heute in Mainz Torwarttrainer ist, oder Tom Eilers, trainiert. Gleichzeitig habe ich angefangen, die A-Jugend als Torwart- und Cheftrainer zu übernehmen.

Wie würdest du deine Philosophie beschreiben?
Entscheidend ist für mich, dass ich eine Entwicklung sehe. Die Torhüter, die zu uns stoßen, sind überwiegend bereits gut ausgebildet, weshalb es in meiner Arbeit eher um Details geht. Die Grundlage bildet immer die körperliche Fitness, die ich durch meine Methoden gezielt fördere. Hinzu kommt, dass sich der Fußball im Laufe der Zeit natürlich verändert. Dazu gehört, dass die Keeper mit dem rechten wie dem linken Fuß etwas anzufangen wissen. Dahingehend erfahren die Jungs bereits in den Leistungszentren eine gute Schule. Unabhängig von den Stärken und Schwächen jedes Einzelnen ist es mir wichtig, diese offen anzusprechen. Ich möchte die Philosophiefrage auch nicht zu hoch hängen, weil jeder Torhüter individuell ist und innerhalb eines vorgegebenen Rahmens unterschiedliche Schwerpunkte benötigt.

Welche wären das in Bezug auf die vier aktuellen Eintracht-Torhüter?
Generell möchte ich jeden ganzheitlich verbessern. Am wichtigsten ist am Ende immer, dass die Jungs auf dem Platz ihre Leistung abrufen, wozu eine gewisse mentale Stärke gehört.

Gutes Stichwort: Wie nimmst du die Entwicklung von Frederik Rönnow wahr?
Zunächst ist Freddy ein super Mensch, der keine einfache Situation hinter sich hat. Als er im Sommer 2018 zu uns gestoßen ist, war er gleich mal fünf Wochen verletzt. Das ist gerade für einen neuen Torhüter, der die Bundesliga noch nicht gekannt hat, nicht optimal. Ich muss einen Torwart sechs Wochen am Stück sehen, um mir ein Bild von ihm machen zu können. Das war bei Freddy leider nicht der Fall. Zum Glück ist er nach der Sommerpause verletzungsfrei geblieben. Was jetzt Kevins Pech war, ist auf der anderen Seite Freddys Glück, um zu zeigen, was in ihm steckt. Es tut ihm gut zu wissen, dass er über einen längeren Zeitraum gesetzt ist. Wenn die Spiele dann so laufen wie zuletzt, ist das zusätzlich gut für sein Selbstvertrauen. Für mich gilt die Faustregel, dass ein zuvor verletzter Torhüter fünf Spiele benötigt, um wieder in einen Rhythmus zu kommen. Doch erst, wenn nach 20 oder 25 Spielen der Alltag wieder einkehrt, zeigt sich, wer sich dauerhaft auf einem Toplevel bewegt.

Würdest du sagen, dass die Beziehung zwischen Torwarttrainer und Torhüter eine besondere ist?
Schon, und das hat nicht zuletzt mit der Besonderheit der Position zu tun. Als Torhüter kannst du 89 Minuten gut spielen. Unterläuft dir am Ende aber der entscheidende Fehler, bist du im schlimmsten Fall auf einmal für alle der Fliegenfänger. Zumal der Torwart heutzutage noch viel mehr ins Spiel eingebunden ist und quasi die Rolle des früheren Liberos übernommen hat. Dennoch bleiben wir natürlich während des Mannschaftstrainings in weiten Teilen unter uns. Mir gefällt, dass alle vier zusammenhalten und sehr respektvoll miteinander umgehen. Wenn sich jemand nicht gut fühlt, können wir immer darüber sprechen. Wie eingangs erwähnt, ist mir dabei die Klarheit in den Aussagen wichtig. Das ist nicht immer einfach, aber so weiß jeder, woran er ist.

Wie hat sich das Torwarttraining im Vergleich zu früher gewandelt?
Es steckt sicher eine wesentlich größere Planung dahinter, als nur flache und hohe Schüsse zu trainieren. Heute sind die Abläufe kürzer, die Aktionen mit Ball sind weniger, dadurch ist die Konzentration während den einzelnen Abläufen höher. Ich versuche, alle Torhüter immer einzubinden, damit immer alle beschäftigt sind und nicht abschalten. Auch gesamtheitlich investieren die Jungs von sich aus mehr, gehen etwa selbständig in den Kraftraum und achten auf ihre Ernährung. Unsere Spieler sind auch Athleten, fast wie Turner.

Was sind die schönsten Erfahrungen, die du in deinem Beruf machen durftest?
Da muss ich nur auf den Test gegen Sandhausen blicken, wo Daniel Idschdonat, den ich einst selbst trainiert habe, heute Torwarttrainer ist. Dasselbe gilt für Zsolt Petry bei Hertha BSC, David Yelldell zuletzt in Großaspach, Sead Ramovic oder Stephan Kuhnert in Mainz, die von Spielern zu Kollegen geworden sind.

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