Thomas Zampach gehörte zur Mannschaft, die heute vor 20 Jahren mit einem furiosen Schlussspurt noch den Klassenerhalt schaffte. Im Interview nennt er die Gründe für das Wunder vom Main.

Thomas Zampach absolvierte 1998/99 20 Ligaspiele, wozu der Kämpfer von der rechten Außenbahn einen Treffer und zwei Assists beisteuerte.
Thomas Zampach absolvierte 1998/99 20 Ligaspiele, wozu der Kämpfer von der rechten Außenbahn einen Treffer und zwei Assists beisteuerte.

Thomas, fangen wir mal ein paar Wochen vor dem 29. Mai 1999 an. Nach dem 2:2 gegen den HSV am 30. Spieltag schrieb der kicker, dass die Eintracht aufgrund der vergebenen 2:0-Führung in dieser Partie den Klassenerhalt leichtfertig verspielt habe.
In der Tat war es im ersten Moment so, dass das ein richtiger Tiefschlag war und wir dachten, dass es vorbei ist. Gerade bei dem schweren Restprogramm. Aber Schui hat uns mit seinem Tor in Bremen zur 1:0-Führung am nächsten Spieltag den Glauben zurückgebracht.

Was ist danach passiert?
Grundsätzlich war die Mannschaft intakt. Wir sind in einen Flow reingekommen, haben auch nach Rückständen immer an uns geglaubt. Ich erinnere mich noch an das Spiel auf Schalke am vorletzten Spieltag, in dem wir zur Pause 1:2 zurücklagen. Niemand hat auch nur ansatzweise infrage gestellt, dass wir dieses Spiel noch gewinnen.

Gesagt, getan. Nach 0:2-Rückstand habt ihr noch 3:2 gewonnen.
Jörg Berger hat es uns auch vorgelebt. Er war sieben Spieltage vor Schluss gekommen und war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er war enorm wichtig, aber auch noch eine andere Sache.

Die wäre?
Die Fans haben uns grandios unterstützt. Zwei Jahre vorher waren die Ultras gegründet worden, sie standen immer hinter uns. Mich hat diese Unterstützung an die gerade abgelaufene Saison erinnert, als die Fans die Mannschaft auch nach schwachen Leistungen immer nach vorne gepeitscht und motiviert haben. Diese Einheit hat uns auch damals ausgezeichnet. Und auch damals hatten wir schon einen relativ billig zusammengekauften Multi-Kulti-Kader. Chen Yang, Petr Houbtchev, Jan Aage Fjörtoft, Christoph Westerthaler zum Beispiel. Man darf nicht vergessen, dass der Verein im Jahr zuvor 15 neue Spieler für 1,5 Millionen Euro geholt hat und damit sogar den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat.

Kommen wir zum 29. Mai 1999. Wie war die Gemütslage vor dem Spiel?
Am Tag vorher kam Rolf Heller, unser damaliger Präsident, zu mir und wollte mich im Büro sprechen. Er sagte: „Thomas, du hast keinen Vertrag für die zweite Liga.“ Ich sagte: „Wir brauchen uns gar nicht weiter unterhalten. Wir bleiben drin.“ Wir haben alle dran geglaubt. Wir waren im Flow.

Nach drei Siegen in Folge hattet ihr Selbstvertrauen.
Genau. Jörg Berger hatte uns gut eingestellt, die Hütte war voll und die Fans standen voll hinter uns. Es konnte nichts schief gehen. Wir mussten unsere Hausaufgaben machen und dann schauen, was auf den anderen Plätzen passiert.

Hattet ihr dabei auf dem Schirm, dass das Torverhältnis eine Rolle spielen kann?
Nein. Wir haben einfach Gas gegeben. Wenn wir noch ein sechstes Tor gebraucht hätten, hätten wir das auch noch gemacht. Es hat einfach alles gepasst. Auch der Elfer, den Schui angeblich verursacht hat, hat uns nicht aus der Ruhe gebracht. Unser Siegeswille war sowieso viel stärker als der des FCK. Wir haben Wahnsinns-Tore gemacht. Chen Yang zum Beispiel: wochenlang kein Scheunentor getroffen, und dann macht er es.

Und dann dieser Jan Aage Fjörtoft, laut Reporter „kalt wie eine Hundeschnauze“.
Im Training hätte er sich einen Kreuzbandriss geholt. Aber wie gesagt: an dem Tag passte alles.

Wie war die Feier danach?
In der Kabine war Ausnahmezustand; in Block 8, wo wir schon ein Jahr vorher den Aufstieg mit den Fans gefeiert hatten, auch. Das war sehr beeindruckend. Standesgemäß ging die Feier in Sachsenhausen zu Ende, wie es sich für Frankfurter gehört. Erst Aufstieg und dann dieser Klassenerhalt – es waren zwei wunderschöne Jahre für mich!

Teilen
Funktionen