Zum achten Mal verliert Frankfurt mit nur einem Tor Unterschied. Erfreulich, dass alle Beteiligten mehr handeln als hadern.

Es laufen die letzten Minuten vor der Halbzeitpause, die Adlerträger setzen sich in der Hälfte des FC Schalke 04 fest, im linken Halbraum kommt die Nummer elf zum Abschluss, scheinbar traumwandlerisch gelangt die Kugel fließend per Hacke in die Maschen – und Fredi Bobic dreht grinsend zum Torjubel ab. So geschehen beim Aufeinandertreffen der Traditionsmannschaften des S04 und der SGE am Sonntagnachmittag im Vorfeld der Bundesligapartie der Profis. Es könnte alles so einfach sein.

Ist es aber nicht. „Schalke hatte das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit, die uns abgegangen sind“, stellte Djibril Sow nach der knappen 0:1-Niederlage auf Schalke niedergeschlagen fest. Der Schweizer bestätigte seinen Cheftrainer rückblickend sowohl verbal, als auch in sportlicher Hinsicht. „Schalke hat eine gute Phase, wir nicht, das wirkt sich auf das Auftreten auf“, verwies Sow auf die bereits am Freitag aufgezeigt Erklärung von Adi Hütter: „Mit Selbstvertrauen fallen viele Dinge leichter, geschehen intuitiver. Wenn man anfängt nachzudenken, sind manche Situationen meist schon vorbei.“ In schmerzhafter Ausführung zu beobachten bei Mijat Gacinovics Zusammenprall mit dem eben keinen Sekundenbruchteil zögernden Alexander Nübel. „Er hat eine starke Rippenprellung. Für eine klare Diagnose müssen wir aber noch ein, zwei Tage warten“, gab der Österreicher am Sonntagabend vorsichtig Entwarnung.

O Tannenbaum

Zum Sportlichen befragt meinte er: „Schalke war ein sehr laufstarker Gegner, dem meine Mannschaft in dieser Hinsicht ebenbürtig war. Das Team ist gut in Schuss!“ Tatsächlich grasten die Hessen 115,5 Kilometer ab, die Knappen 113. An der Spitze: Dauerbrenner Sow mit 12,7 Kilometern, der an der Seite von Lucas Torró, mit 11,08 Kilometern der zweitlaufstärkste Frankfurter trotz sichtbarer körperlicher Beschwerden in der Schlussphase, die von Timothy Chandler und Filip Kostic flankierte Doppelsechs bildete. Davor spitzte sich die Formation mit der Doppelzehn Mijat Gacinovic und Sebastian Rode sowie dem überraschend schnell wiedergenesenen Zielspieler Bas Dost sprichwörtlich zu, sodass die Gäste am dritten Advent in einer Art Tannenbaumanordnung verteidigten. Die mathematische Logik dahinter war klar: den drei Schalker Innenverteidigern, von denen der ehemalige Frankfurter Omar Mascarell zentral agierte, im Aufbauspiel Mann gegen Mann zu begegnen. Die kollektive Maloche klappte so gut, dass S04-Coach David Wagner, seinerseits gebürtiger Frankfurter, vor dem Seitenwechsel nur zwei klare Chancen für seine Mannen verzeichnet sah.

Eight days a week

Weshalb es umso ärgerlicher erschien, als die Hessen den Königsblauen das Tor des Tages mehr oder weniger auf dem Silbertablett servierten. Immerhin datierte die letzte Heimniederlage vom 24. August, dem 0:3 gegen den FC Bayern. Jener Gegner also, den die Eintracht als letzten Bundesligisten zu bezwingen vermochte. Seitdem sprang in der Bundesliga ein Punkt in fünf Spielen heraus. „Klar, dass unser Selbstvertrauen schon größer war“, räumte der zweifache Schweizer Meister Sow ein. Ein Teufelskreis, der Hütter nach Rückfrage keineswegs bedenklich stimmt. Gleichzeitig gibt der Fußballlehrer mit Blick auf das zweite und dritte Spiel binnen acht Tagen gegen die Verfolger aus Köln und Paderborn zu. „Ich habe Respekt vor der Situation.“ Und diese ist angesichts nach Punkten gleicher Chancen und Risiken nach oben wie unten ebenso wenig zu greifen wie die Inspirationslosigkeit in Tornähe.

Urgestein Chandler, nach Rodes Auswechslung im Vergleich zu Donnerstag vom Tribünengast zum Kapitän geworden, prophezeite mit einer Mischung aus Erfahrungswerten und Zweckoptimismus: „Ich bin zuversichtlich, dass wir bald wieder Punkte sammeln werden, weil wir kämpfen und arbeiten. Aber im letzten Drittel fehlt auch mal das Glück, dass ein Ball irgendwie durchrutscht.“ Noch im April hatte ein Zufallsprodukt zum spätesten Elfmetertor der Bundesligageschichte geführt. Vielleicht würde aber auch schon eine Situation genügen wie vor dem zwischenzeitlichen 1:1 der Traditionself, als Sportvorstand Bobic, seinerzeit selbst ein Killer vor dem Tor, gar nicht anders konnte als den Ball ins Tor springen zu lassen.

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