Vieles von dem, was rund um das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach funktionierte, mochte während der 90 Minuten zunächst nicht gelingen.

Ein kleines Erfolgserlebnis blieb der Eintracht kurz nach Mitternacht doch noch vergönnt, als Fredi Bobic im aktuellen sportstudio das traditionelle Torwandschießen mit 3:1 für sich entschied. Einer unten, zwei oben, Fußball kann so einfach sein. Jedoch kaum, wenn es um Abstimmung, Abläufe und die viel zitierten Automatismen geht. „Zu Beginn haben wir den Mindestabstand noch etwas zu ernst genommen“, betrachtete der Sportvorstand die ersten beiden Gegentore beim 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach mit einem Anflug von Ironie, aber einem ernsten Kern.

Denn tatsächlich mochte auf dem Rasen vieles nicht gelingen, was rund um das erste Frankfurter Bundesligaspiel vor leeren Rängen funktionierte. Top Organisation mit höchsten technischen und medizinischen Standards in den Katakomben, teilweise Orientierungsschwierigkeiten im Innenraum. Weder Martin Hinteregger vor dem 0:1 noch Almamy Toure vor dem 0:2 vermochten Torschütze Alassane Pléa beziehungsweise Vorlagegengeber Ramy Bensebaini entscheidend zu stellen, bewiesen aber im weiteren Spielverlauf eindrücklich, dass sie das Verteidigen nicht verlernt hatten: Hinti bei der vielleicht Grätsche des Jahres, als er vor dem ins vermeintlich leere Tor einschießenden Jonas Hofmann zur Stelle war (84.). Und Toure entschied am Ende 20 Zweikämpfe für sich, die meisten aller Akteure. 32,9 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit übertraf nur sein direkter Gegenpart Bensebaini (33,1).

Schutzmaske statt Eintracht-Brille

Insofern durfte sich Adi Hütter zumindest für die sozusagen verbleibenden 75 Minuten in der Auswahl der Viererkette seines Vertrauens bestätigt sehen, auch wenn der Cheftrainer etwa in Bezug auf den Vorzug Stefan Ilsankers vor Makoto Hasebe einräumte: „Wenn man ein Spiel verliert, hat sicher auch der Trainer nicht alles richtig gemacht.“ Gleichwohl schien die Begründung, der zweikampffreudigsten Mannschaft der Liga mit Physis zu begegnen, nachvollziehbar. Entsprechend begann auch Bas Dost in seinem 100. Bundesligaspiel erstmals seit dem 19. Spieltag anstelle von André Silva im Sturmzentrum, was Hütter darüber hinaus mit dem erhöhten Gefahrenpotenzial nach Standardsituationen begründete. Tatsächlich standen am Ende 5:1 Ecken sowie der Freistoßknaller von Filip Kostic zu Buche. Der einzige Treffer nach einem ruhenden Ball ging jedoch an die Gäste, als Evan Ndicka ohne aktive Körperbewegung einen Elfmeter verursachte, „den ich nicht gegeben hätte, und das sage ich auch ohne Eintracht-Brille“, befand der stattdessen mit Atemschutzmaske ausgestatte Hütter. Unabhängig davon, ob es ohne das zwischenzeitliche 0:3 „nochmal spannend geworden“ wäre, sprach der Österreicher von einem „verdienten Sieg für die Borussia“ und lenkte den Blick auf die nächste wichtige Woche. Vor dem Hintergrund, „erst seit zehn Tagen im Elf-gegen-elf trainiert zu haben“, können die Adler naturgemäß noch keine taktische Einheit sein, was insbesondere im Angriffsspiel schwerer ins Kontor schlug.

Zwar attestierte Kevin Trapp seinen Vorderleuten, nach dem Rückstand „spielerisch durchaus unsere Momente gehabt“ zu haben, verwies aber auch auf den letztlich wohl spielentscheidenden Unterschied: „Gladbach hat seine ersten beiden Schüsse versenkt.“ Oder umgekehrt ausgelegt: „Wir müssen von Beginn an hellwach sein, das waren wir nicht.“ Eine Weiße Weste, in der Bundesliga letztmals am 7. Februar beim 5:0 gegen Augsburg davongetragen, sie wäre eine nette Ergänzung zu den vorbildlich eingehaltenen Hygienevorschriften.

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