Nach dem großen Kampf in Lissabon werden die Frankfurter Adler auch im Stadtwald alles daran setzen, um zum zweiten Mal in ihrer Geschichte ins Halbfinale vorzustoßen.

Beim Duell der Eintracht mit SL Benfica kommt es auch im zweiten Duell zur Heimkehr eines ehemaligen Spielers. Während im Hinspiel Luka Jovic seine Rückkehr ins Estadio da Luz feiern konnte (und zum zwischenzeitlichen 1:1 traf), kommt diesmal ein Schweizer Weltenbummler zurück in sein altes Wohnzimmer. Die Rede ist natürlich von Haris Seferovic, der vor knapp zwei Jahren ablösefrei an die portugiesische Atlantikküste wechselte. Bei aller Freude über das Wiedersehen ist von Gastgeschenken weniger auszugehen..

Der Traum lebt

Ungeachtet der Niederlage im Hinspiel lebt am Main nach wie vor der Traum vom Halbfinaleinzug. Sicher: Gerade der Doppelschlag durch Rúben Dias und Joao Felix kurz nach der Pause war ein Schlag ins Frankfurter Kontor. Mit einem 1:4 wäre die Hoffnung auf das Weiterkommen wohl nur noch vage gewesen. Doch die Umstellung von Cheftrainer Adi Hütter, der de Guzman für Jovic und Paciencia für Rebic brachte, sollte sich auszahlen, denn eine Koproduktion der beiden Neuen nach einer Ecke bescherte per gefühlvollem Kopfball das zweite Auswärtstor, das die Eintracht-Welt wieder ein ganzes Stück freundlicher erscheinen ließ. Hatten zuvor vor allem der Kampfgeist der seit der 20. Minute dezimierten Adlerträger und deren Weigerung sich trotz vierer Gegentore mit der Niederlage abzufinden für Begeisterung gesorgt, war nun auch rechnerisch wieder deutlich mehr Land in Sicht. Angetrieben von geschätzt 4.000 unermüdlichen Frankfurter Fans im „Stadion des Lichts“, hätte unsere Mannschaft beinahe sogar noch ein drittes Tor nachgelegt, doch leider ging der Abschluss von Filip Kostic knapp über das Tor.

So gilt es nun also, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, was immer noch schwierig, aber keinesfalls unmöglich ist. Heißt im Klartext: Gelingt ein 2:0 oder 3:1, stünden die Hessen aufgrund der mehr erzielten Auswärtstreffer tatsächlich zum zweiten Mal nach 1980 im Halbfinale dieses Wettbewerbs. Ganz Frankfurt ist auf und neben dem Platz gewillt, diese Chance beim Schopf zu packen, denn im Hinspiel verkaufte sich der Pokalsieger trotz einer 70-minütigen Unterzahl letztlich teuer. Abwarten, wie sich ein Spiel bei Elf gegen Elf entwickelt. Und dann wäre da ja auch noch der viel beschworene zwölfte Mann. 

Das lange Warten auf den fünften Anlauf

Wer am Donnerstag im Stadtwald dabei sein wird, hat schon jetzt die Gewissheit, an einem historischen Ereignis teilzuhaben. Denn erst zum fünften Mal in der 120-jährigen Vereinsgeschichte bestreitet unsere SGE ein Viertelfinalheimspiel im „kleinen“ UEFA-Wettbewerb, wobei es das erste ist, seit der einstige UEFA-Pokal der UEFA Europa League wich. Dabei liest sich die Statistik bisher gar nicht schlecht: Zwei Siege, ein Remis und eine Niederlage im Elfmeterschießen stehen bis dato zu Buche. Das erste Viertelfinale im Jahr 1978 gegen Grasshoppers Zürich konnte nach Toren von Wolfgang Kraus und Doppelpacker Bernd Hölzenbein mit 3:2 gewonnen werden – allerdings schied die Eintracht nach einem bitteren 0:1 im Rückspiel dennoch aus. Zwei Jahre später schalteten die Adler auf dem Weg zum größten Triumph der Vereinsgeschichte in der Runde der letzten Acht den tschechischen Vertreter Zbrojovka Brünn aus und stellte dabei mit einem 4:1 im Hinspiel früh die Weichen auf Halbfinale.

Anschließend sollte es 14 Jahre dauern, bis die Frankfurter im UEFA-Cup wieder so weit kommen sollten. Beim Rückspiel gegen Casino Salzburg im heimischen Waldstadion egalisierte Maurizio Gaudino bereits nach 21 Minuten das Ergebnis aus dem Hinspiel. Weil es danach keine weiteren Treffer mehr gab, fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen – leider mit 4:5 zu Gunsten der Österreicher nach Fehlschüssen von Gaudino und Binz. Letztmals durfte die SGE dann im Jahr darauf, 1995, ein Viertelfinale vor heimischer Kulisse austragen. Gegen das Star-Ensemble von Juventus Turin gelang im Hinspiel noch ein 1:1 (Jan Furtok glich eine gute Viertelstunde vor dem Ende aus), bevor das Rückspiel mit 0:3 verloren ging und das Team des damaligen Trainers Jupp Heynckes die Segel streichen musste. Seitdem warten die Eintracht-Fans fast ein Vierteljahrhundert auf die Chance, es wieder unter die letzten Vier zu schaffen. Am Donnerstag wird diese Geschichte endlich weiter geschrieben. 

Anstoß: Donnerstag, 18. April 2019, 21 Uhr, UEFA Europa League Viertelfinale (Rückspiel).

Stadion: Commerzbank Arena, Frankfurt.

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